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Döbeln Klärschlamm bei Ostrau: Verkannter Bio-Dünger oder Gesundheitsrisiko?
Region Döbeln Klärschlamm bei Ostrau: Verkannter Bio-Dünger oder Gesundheitsrisiko?
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20:01 15.04.2016
Klärschlamm darf als Dünger auf die Felder – allerdings nur nach vorheriger Genehmigung durch Landratsamt und unter stichprobenartigen Kontrollen des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Quelle: Privat
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Region Ostrau

Landwirt Ludwig Georg Koch muss sich häufig rechtfertigen, weil er auf seinen Feldern Klärschlamm als Dünger einsetzt. Der Bayer, der seit 21 Jahren seinen Betrieb in Weitzschenhain zwischen Ostrau und Lommatzsch betreibt, warte jedes Mal auf Anrufe, wenn wieder Kipplader auf einem seiner Felder anrücken. „Bei Klärschlamm sind alle hochsensibel“, sagt er. Letzte Woche war es wieder soweit: Auf einem Feld an der B 169 bei Ostrau, in Richtung Riesa links der Straße gelegen, brachten LKWs drei Tage lang die übel riechende, schwarzbraune Masse aus, die kurze Zeit später bereits untergepflügt war. Die Besonderheit: Das Feld gehört zu einem Trinkwasserschutzgebiet.

Schnell meldete sich der erste Landwirt, der selbst namentlich nicht genannt werden wollte, bei der DAZ. Die zehnfache Menge des Erlaubten sei hier ausgebracht worden, sagte er. Auch benachbarte Landwirte und Anlieger hätten sich beschwert.

Grund genug für eine DAZ-Anfrage beim zuständigen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Dresden. Denn Bauer Ludwig Koch hatte versichert: „Alles ist vorschriftsmäßig und schwer überwacht abgelaufen.“

Zunächst zur Rechtsgrundlage: Klärschlamm als Dünger ist grundsätzlich erlaubt, wenn die Höchstmengen der Schadstoffbelastung eingehalten werden. Um dies zu gewährleisten, muss die Ausbringung vorher beim Landratsamt und beim LfULG angemeldet werden, was in diesem Fall auch geschah. Eine Klärschlammprobe muss von einem unabhängigen Institut geprüft werden. „Das LfULG prüft die Unterlagen bezüglich der stofflichen Parameter der Klärschlämme und der Schadstoffgehalte im Boden anhand der Untersuchungsergebnisse sowie die grundsätzlichen Anwendungsvorschriften“, schreibt Karin Bernhardt, Sprecherin des LfULG dazu. Zusätzlich werde beim Ausbringen der Schafstoffgehalt stichprobenartig untersucht.

Für Trinkwasserschutzgebiete gibt es besondere Beschränkungen. In Schutzzonen der Stufe I und II ist Klärschlamm verboten. Ludwig Kochs Feld gehört zur Schutzzone III, wo maximal 40 Kilogramm Ammonium-Stickstoff pro Hektar im Klärschlamm enthalten sein dürfen. Dies gilt allerdings nur für eine Ausbringung vor dem Winter, da in den Monaten danach keine Pflanzen dieses Stoffe aus dem Boden ziehen können.

„Wir haben uns dennoch an diese Beschränkung gehalten“, sagt Ingo Härtel. Er ist Vertreter des Landwirtschaftlichen Verarbeitungszentrums Makranstädt (LAV) und hat als Dienstleister den Klärschlamm für Georg Koch aufs Feld gebracht. Härtel sieht das menschliche Abfallprodukt als verkannten Bio-Dünger. „Wir sehen den Klärschlamm als Teil eines Kreislaufs. Wenn ich ihn verbrenne, sind die guten Inhaltsstoffe verloren“, sagt er. 60 Prozent des für die Landwirtschaft geeigneten Klärschlamms gehen in Rauch auf. Dabei sei er dank der vielfältigen Kontrollen ein biologischer und für die Bauern kostenloser Dünger. Dabei ist es laut Härtel nur ein unwahres Gerücht, dass die Bauern Geld für die Ausbringung bekämen. Und das sofortige Unterpflügen sei gesetzlich vorgeschrieben, um möglichst wenig Stickstoff entweichen zu lassen und die Geruchsbelästigung niedrig zu halten. Ludwig Koch will auch weiterhin Klärschlamm nutzen. „Ich stehe voll dahinter. Jeder künstliche Rasendünger im Baumarkt ist höher belastet als der Klärschlamm“, sagt er.

Von Sebastian Fink

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