Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Klärschlamm bei Ostrau: Verkannter Bio-Dünger oder Gesundheitsrisiko?

Ausbringen bei Ostrau ärgert Landwirte und Anwohner Klärschlamm bei Ostrau: Verkannter Bio-Dünger oder Gesundheitsrisiko?

Schon letzte Woche ließ Landwirt Ludwig Georg Koch aus Weitzschenhain bei Lommatzsch Klärschlamm auf eines seiner Felder an der B 169 nahe Ostrau aufbringen. Das rief umliegende Landwirte und Anwohner auf den Plan, da es sich um ein Trinkwasserschutzgebiet handelt. Doch die Aktion war legal und amtlich genehmigt.

Proben vom Klärschlamm werden schon vor Beantragung, stichprobenartig aber auch wie hier bei Oschatz im August 2015 direkt auf dem Feld vorgenommen. Entscheidend ist der Gehalt an Ammonium-Stickstoff.

Quelle: Sven Bartsch (Archiv)

Region Ostrau. Landwirt Ludwig Georg Koch muss sich häufig rechtfertigen, weil er auf seinen Feldern Klärschlamm als Dünger einsetzt. Der Bayer, der seit 21 Jahren seinen Betrieb in Weitzschenhain zwischen Ostrau und Lommatzsch betreibt, warte jedes Mal auf Anrufe, wenn wieder Kipplader auf einem seiner Felder anrücken. „Bei Klärschlamm sind alle hochsensibel“, sagt er. Letzte Woche war es wieder soweit: Auf einem Feld an der B 169 bei Ostrau, in Richtung Riesa links der Straße gelegen, brachten LKWs drei Tage lang die übel riechende, schwarzbraune Masse aus, die kurze Zeit später bereits untergepflügt war. Die Besonderheit: Das Feld gehört zu einem Trinkwasserschutzgebiet.

Schnell meldete sich der erste Landwirt, der selbst namentlich nicht genannt werden wollte, bei der DAZ. Die zehnfache Menge des Erlaubten sei hier ausgebracht worden, sagte er. Auch benachbarte Landwirte und Anlieger hätten sich beschwert.

Grund genug für eine DAZ-Anfrage beim zuständigen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Dresden. Denn Bauer Ludwig Koch hatte versichert: „Alles ist vorschriftsmäßig und schwer überwacht abgelaufen.“

Zunächst zur Rechtsgrundlage: Klärschlamm als Dünger ist grundsätzlich erlaubt, wenn die Höchstmengen der Schadstoffbelastung eingehalten werden. Um dies zu gewährleisten, muss die Ausbringung vorher beim Landratsamt und beim LfULG angemeldet werden, was in diesem Fall auch geschah. Eine Klärschlammprobe muss von einem unabhängigen Institut geprüft werden. „Das LfULG prüft die Unterlagen bezüglich der stofflichen Parameter der Klärschlämme und der Schadstoffgehalte im Boden anhand der Untersuchungsergebnisse sowie die grundsätzlichen Anwendungsvorschriften“, schreibt Karin Bernhardt, Sprecherin des LfULG dazu. Zusätzlich werde beim Ausbringen der Schafstoffgehalt stichprobenartig untersucht.

Für Trinkwasserschutzgebiete gibt es besondere Beschränkungen. In Schutzzonen der Stufe I und II ist Klärschlamm verboten. Ludwig Kochs Feld gehört zur Schutzzone III, wo maximal 40 Kilogramm Ammonium-Stickstoff pro Hektar im Klärschlamm enthalten sein dürfen. Dies gilt allerdings nur für eine Ausbringung vor dem Winter, da in den Monaten danach keine Pflanzen dieses Stoffe aus dem Boden ziehen können.

„Wir haben uns dennoch an diese Beschränkung gehalten“, sagt Ingo Härtel. Er ist Vertreter des Landwirtschaftlichen Verarbeitungszentrums Makranstädt (LAV) und hat als Dienstleister den Klärschlamm für Georg Koch aufs Feld gebracht. Härtel sieht das menschliche Abfallprodukt als verkannten Bio-Dünger. „Wir sehen den Klärschlamm als Teil eines Kreislaufs. Wenn ich ihn verbrenne, sind die guten Inhaltsstoffe verloren“, sagt er. 60 Prozent des für die Landwirtschaft geeigneten Klärschlamms gehen in Rauch auf. Dabei sei er dank der vielfältigen Kontrollen ein biologischer und für die Bauern kostenloser Dünger. Dabei ist es laut Härtel nur ein unwahres Gerücht, dass die Bauern Geld für die Ausbringung bekämen. Und das sofortige Unterpflügen sei gesetzlich vorgeschrieben, um möglichst wenig Stickstoff entweichen zu lassen und die Geruchsbelästigung niedrig zu halten. Ludwig Koch will auch weiterhin Klärschlamm nutzen. „Ich stehe voll dahinter. Jeder künstliche Rasendünger im Baumarkt ist höher belastet als der Klärschlamm“, sagt er.

Von Sebastian Fink

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Döbeln

Was beschäftigt die Menschen in den kleinen Orten zwischen Döbeln, Waldheim und Hartha? Wir besuchen jene kleinen Dörfer, denen normalerweise wenig Beachtung geschenkt wird, geben einen Einblick in die Geschichte des Ortes und sprechen mit den Bewohnern über früher und heute. mehr

Die Redaktion der Döbelner Allgemeinen Zeitung (DAZ) ist jetzt noch mobiler unterwegs: Mit dem DAZ-Reporterauto fährt täglich ein Kollege im rollenden Büro durch den Altkreis Döbeln. Mit dem Reporter-Mobil rückt die Redaktion noch näher an ihre Leser heran - und kann von überall aus schnell und aktuell berichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr