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Döbeln Kleiner August, großer Erfolg
Region Döbeln Kleiner August, großer Erfolg
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16:15 05.06.2017
Das neue Stücke „Der kleine August“ des Mittelsächsischen Theater feierte auf der Seebühnen Kriebstein Premiere. Quelle: Foto: André Braun
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Kriebstein

Am Ende wird der Traum wirklich wahr. Hochbeinig und blendend weiß stolzieren die Lipizzaner in die Manege und lassen sich von Clown August führen. War es doch sein sehnlichster Wunsch, einmal die „Lizzipaner zu frisieren“, wie er es närrisch formulierte. Doch das ist Privileg und Paradenummer allein des Zirkusdirektors. Für seinen Clown hat er nur Backpfeifen übrig. Hochmütig sagt er zu, dass August die Schimmel dressieren dürfe, wenn er drei Bedingungen erfülle. Aber der Chef hatte nicht mit dem Köpfchen seines „dummen August“ gerechnet. Dessen Fantasie weiß für jedes Problem eine Lösung. Sogar ein tolles Zirkusprogramm – Bedingung drei – stellt der Clown auf die Beine. Er holt sich zwei Dutzend Kinder aus dem Publikum, die ihre eigene Fantasie mit in die Manege bringen. Sie stemmen „Luftgewichte“, balancieren auf dem Seil ihrer Einbildungsgabe, jonglieren, tanzen und haben selbst helle Freude beim zirzensischen Auftritt.

Dieses schöne Zirkusmärchen hatte sich Pavel Kohout ausgedacht. Jahrzehnte später durfte der tschechische Autor selbst erleben, wie die Realität plötzlich die gesellschaftlichen Wunschträume ein- und überholte: Kohout war erst Jungkommunist, dann ein Wortführer im Prager Frühling, wurde nach Österreich abgeschoben, verfasste mit Václav Havel die Petition „Charta 77“, die schließlich zur „samtenen Revolution“ von 1989 führte. Mit zahlreichen Stücken und Romanen hatte sich Kohout inzwischen europäische Geltung und internationale Literaturpreise erschrieben. Zu seiner Zirkusparabel „August August August“ von 1967 hat er später eine „Familienfassung“ nachgereicht, in der sich der Clown seinen Traum von der Selbstverwirklichung erfüllt. Dieses Stück lässt sich als ein programmatischer Auftakt für die diesjährige Theatersaison auf der Seebühne verstehen: Als Einladung, vor der Kriebsteiner Naturkulisse mit der eigenen Fantasie auf eine wunderbare Theaterreise zu starten.

Annett Wöhlerts lebendige Inszenierung sucht den engen Kontakt zum Publikum. So hat auch Ausstatter Tilo Staudte die Manege vor die eigentliche Seebühne gesetzt, so dass die buntscheckigen Figuren zum Anfassen nahe agieren. Da kann Clown August (Ralph Sählbrandt in urkomisch eckiger Eleganz) immer wieder guten Rat bei den Zuschauern einholen, kann der Herr Direktor (Martin Ennulat) seine hohle Hoheit, der Herr Stallmeister (Franka Anne Kahl) seine Häme unverblümt zur Schau stellen. Auch die anderen Darsteller (Anna Bittner, Almut Buchwald, Stella Thomas, Robert Kapelle), der Percussionist Georg Wieland Wagner und die Stelzenläufer Las Fuegas lassen mit ihrem Spielwitz selbst die jüngeren Zirkusbesucher vergnüglich bei Laune und in der Geschichte bleiben, auch wenn oben Donner grollt oder ein Regenschauer eine kurze Pause verfügte. Der Clown, der seit Jahrhunderten mit seinem Witz allen Obrigkeiten trotzt, hielt auch zur Premiere der himmlischen Obrigkeit Stand: Erst nach dem Schlussapplaus wagte sie die Schleusen zu öffnen.

Von Roland Dressler

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