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Kliniken kommen mit Patientenansturm nach Katastrophe gut klar

Döbeln/Leisnig Kliniken kommen mit Patientenansturm nach Katastrophe gut klar

Die Martinshörner hatten sich am Sonnabend zum großen Orchester zusammengefunden. Im gefühlten Minutentakt rollten die Rettungswagen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser in Döbeln und Leisnig. Sanitäter brachten Menschen zur ärztlichen Behandlung, die schlimm zugerichtet aussahen. Eine Katastrophenschutzübung.

Bei einer Übung hatten Ärzte und Pflegeteam des Helios-Krankenhauses Leisnig immer volles Haus in der Notaufnahme.

Quelle: Gerhard Dörner

Döbeln/Leisnig. Die Martinshörner hatten sich am Sonnabend zu einem großen Orchester zusammengefunden. Im gefühlten Minutentakt rollten die Rettungswagen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser in Döbeln und Leisnig. Sanitäter brachten Menschen zur ärztlichen Behandlung, die schlimm zugerichtet aussahen. Rußgeschwärzte, blutige Gesichter, offene Beine, manche nicht ansprechbar.

„Wir haben eine Spiralfraktur, müssen wahrscheinlich nageln“, lautete die knappe Einschätzung, die ein Arzt im Helios-Krankenhaus Leisnig an den Ärztlichen Direktor, Dr. René Schwarz, durchgab. In Döbeln behandelten die Ärzte gerade Romy Eckert und Marcel Schelonsegk. Die junge Frau hatte sich bei einer Gasexplosion in Mittweida vermutlich einen Bruch des Sprunggelenkes zugezogen. Als die DAZ in der Klinik vorbei schaute, untersuchten die Mediziner die Frau gerade mit dem Ultraschallgerät auf innere Verletzungen. Marcel Schelonsegk hatte ein sogenanntes Inhalationstrauma. Heiße Explosionsgase waren in die Lunge gelangt – Lebensgefahr! Außerdem hatte der junge Mann durch die Explosion zwei Finger verloren. „Die Amputationsverletzung ist gut verbunden, die behandeln wir später, davon stirbt er nicht“, sagte Oberarzt Henner Weichhardt. Richtig gut gemacht seien aus seiner Sicht die abgesprengten Finger.

Das ist jetzt kein Beispiel für gewöhnungsbedürftigen Mediziner-Humor. Das Schminkteam des DRK-Kreisverbandes Döbeln-Hainichen hat wieder ganze Arbeit geleistet und allen Darstellern bei dieser Rettungsübung des Landkreises Mittelsachsen echt wirkende Verletzungen verpasst. Das Szenario: Bei einer Gasexplosion in Mittweida haben sich über 100 Menschen verletzt. Manche leicht, andere schwer, manche lebensgefährlich schwer. Wie kommen nun die Krankenhäuser mit diesem sogenannten Massenanfall an Verletzten klar? „Diese Übung ist ganz spannend für uns. Wir sind ausgesprochen zufrieden. Bis jetzt hatten wir zwei Schwerst- und zwei Schwerverletzte. Einer liegt auf der Intensivstation“, sagte Peggy Kaufmann, Geschäftsführerin des Helios-Krankenhauses Leisnig, am Sonnabendmittag. „Das Interessante ist, dass wir uns vor Jahren schon mal Gedanken gemacht hatten, wie viele Patienten wir versorgen können – das hat sich so bestätigt.“ René Schwarz, der ärztliche Direktor, erläutert: „Wer ein Auto neu entwickelt, bringt es bei Testfahrten an die Grenzen. Das haben wir heute im übertragenen Sinne versucht.“ Und wie verlief die Testfahrt in Leisnig? „Wir waren noch nicht so richtig an der Grenze“, sagte Dr. Schwarz. Helios hatte eine Kapazität von 36 Patienten an die Übungsleitung gemeldet. „Wir haben Erfahrungen in der Behandlung Schwerverletzter, sind dafür zertifiziert“, sagte der Ärztliche Direktor. Recht entspannt empfingen er und die Klinik-Geschäftsführerin am Sonnabend die DAZ zum Gespräch.

In Döbeln wie in Leisnig ging es darum, die Abläufe zu testen. Helios zum Beispiel hat einen Computertomografen. Für die Dauer der Untersuchung eines Verletzten ist dieser natürlich für andere Patienten blockiert. Wirklich in Röhre geschoben wurde am Sonnabend keiner der Verletztendarsteller. Aber die notwendigen Diagnosegeräte waren für die angenommene Untersuchungszeit als belegt gemeldet. Gleiches galt für OP-Säle. Übrigens: Zumindest Helios in Leisnig wickelte die Übung mit zusätzlichem Personal ab. Der normale Krankenhausbetrieb war dadurch nicht eingeschränkt.

Die Landkreisverwaltung zieht ein positives Fazit zur Katastrophenschutzübung, an der neben den Krankenhäusern in Döbeln und Leisnig auch die in Hartmannsdorf, Freiberg und Mittweida beteiligten. Neben dem DRK waren auch Johanniter aus Leisnig und die Malteser aus Burgstädt im Einsatz. „Dieser Tag zeigt auf, dass es ohne ehrenamtliche Helfer im Bereich Katastrophenschutz nicht geht – vom Sanitäter, über den Fahrer bis hin zur Verpflegung“, würdigt Landrat Matthias Damm (CDU) den Einsatz der Ehrenamtlichen.

Von Dirk Wurzel

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