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Knast als Chance: Döbelner Ex-Dealerin kämpft sich langsam aus dem Drogensumpf

Justiz Knast als Chance: Döbelner Ex-Dealerin kämpft sich langsam aus dem Drogensumpf

Daniela W. galt als große Nummer in der Döbelner Drogenszene. Nun will sie ihre kriminelle Karriere hinter sich lassen. Ihre eindrucksvollen Bemühungen zeigten sich am Mittwoch im Prozess gegen die 27-Jährige am Landgericht Chemnitz.

Daniela W. vor Prozessbeginn neben ihrem Verteidiger, Rechtsanwalt Gottfried Schlesier, auf der Anklagebank im Landgericht Chemnitz. Die 27-Jährige war des bewaffneten Drogenhandels angeklagt. Sie räumte diese Tatvorwürfe ein.

Quelle: Foto: Dirk Wurzel

Chemnitz/Döbeln. Manchem gilt Daniela W. als „Drogenqueen“ von Döbeln. Weil sie große Mengen Crystal von Tschechien nach Döbeln geholt und in der hiesigen Szene eine große Nummer gewesen sein soll. Wer sie am Mittwoch im Landgericht Chemnitz erlebte, hatte nicht den Eindruck, einer fiesen Verbrecherin gegenüber zu sitzen. In einer freundlichen und verbindlichen Art antwortete sie auf die Fragen des Vorsitzenden der 6. Großen Strafkammer, Richter Kay-Uwe Sander, und der anderen Verfahrensbeteiligten.

Daniela W. sitzt gerade im Chemnitzer Frauengefängnis ins Strafhaft, unter anderem wegen Diebstahls, Waffenvergehen, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und eines Drogendeliktes. Und das, was sie bisher in der Haft angestellt hat, lässt aufhorchen – im positiven Sinn. So hat sie den qualifizierten Hauptschulabschluss nachgeholt und eine Lehre zur Fachlageristin begonnen. Sie hat sich auf eigenes Betreiben auf die Suchtstation der JVA verlegen lassen – dort sind regelmäßige Drogentests üblich. Da das Frauengefängnis an sich kein drogenfreier Ort ist, zeigt auch dieser Umstand: Die Frau will sich ändern, nutzt dafür die Haft als Chance.

Verhängnisvolles Nummernschild

„Ich würde gerne in ein anderes Bundesland in den Maßregelvollzug gehen. Ich will auf keinen Fall nach Sachsen zurück“, sagte sie. Die Art, wie sie die vorgeworfenen Taten der Anklage einräumte, unterscheidet sich doch schon sehr, wie sich die 27-Jährige früher vor Gericht präsentierte, sei es als Angeklagte oder Zeugin. Da kam sie einem bisweilen recht burschikos, rotzig und dummfrech vor. So wirkt sie nun nicht mehr. Ganz im Gegenteil. „Das stimmt alles so. Bis auf den Elektroschocker. Den hatte ich nicht am Mann, sondern der lag in der Gürteltasche. Die war im Rucksack, der im Auto lag“, rückte sie die Anklage wegen bewaffneten Drogenhandels gerade. Die warf ihr vor, am 11. November 2015 mit nachts mit einem Renault auf den Ratshof Heiterer Blick gefahren zu sein und im Auto rund 28 Gramm Crystal sowie etwas Marihuana sowie den Elektroschocker in Form einer Taschenlampe dabei gehabt zu haben. Und dazu knapp 800 Euro Bargeld, das wohl aus Drogenverkäufen stammte. Die Polizei wurde auf den Wagen aufmerksam, weil die Kennzeichen nicht gültig waren. Es mutet wie eine Ironie an, dass der derselbe Polizeibeamte, der Daniela W. am Autohof kontrollierte, ein paar Monate später wieder mit ihr zu tun hatte. Diesmal saß sie einem Fahrzeug, dass in die Geschwindigkeitskontrolle der Döbelner Polizei in Zschäschütz geraten war. In dem Auto saß die 27-Jährige, hatte knapp zwei Gramm Crystal dabei, die bereits in Konsumeinheiten von jeweils 0,1 Gramm verpackt waren. Das führte zu der zweiten Anklage wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels. Der Fahrer des Wagens hatte übrigens bei Daniela W.´s Rechtsanwalt Gottfried Schlesier fälschlicherweise und wohl auf Druck aus der Szene angegeben, dass ihm die 28 Gramm Methamphetamin vom Autohof gehören würden. Auch dadurch kam die 27-Jährige aus der Untersuchungshaft. Um dann Ende April 2016 erneut mit Crystal erwischt zu werden...

Nun aber machte sie reinen Tisch, sagte bei der Polizei umfassend gegen Mittäter aus, belastete sich dabei auch selbst. Die Staatsanwaltschaft, so ließ es deren Sitzungsvertreter im Prozess durchblicken, hat viele Verfahren gegen W. eingestellt, weil die Strafe dafür nicht beträchtlich zu dem ins Gewicht gefallen wäre, was sie im aktuellen Verfahren erwartete. Die Anklagebehörde hat sich also auf das konzentriert, was sicher nachzuweisen ist.

Drei Gramm Crystal pro Tag

Es sind insgesamt drei Jahre Haft geworden. Außerdem ordnete das Gericht an, Daniela W. zur Entziehung in den Maßregelvollzug zu schicken. „Das will sie selbst so. Das hat man selten, dass Mandanten diesen Wunsch haben“, sagte Rechtsanwalt Schlesier. Normalerweise fürchten Verteidiger solche Maßregeln der Besserung und Sicherung wie der Teufel das Weihwasser. Zu groß ist das Risiko, dass die Maßregel länger dauert, als die Haft oder dass sie der Mandant schmeißt und dann die Strafe ohne Chance aus vorzeitige Entlassung abbrummen muss. Rechtsanwalt Schlesier schilderte zudem, wie er seine Mandantin erlebt hat, sprach ihre schlechte Kindheit an. „Im Alter von elf Jahren erzählt ihr das Jugendamt, dass ihre Eltern in Wirklichkeit ihre Großeltern sind und ihr angeblicher Bruder der Onkel.“ Daniela W. hat eine Lehre abgebrochen, wohl auch deswegen, weil sie ihren kranken Großvater bis zu dessen Tode pflegte. Mit 18 Jahren, so sagt sie selber, habe sie zum ersten Mal Crystal genommen und die Dosis immer mehr gesteigert. Zum Zeitpunkt ihrer Inhaftierung nahm sie um die drei Gramm täglich. Wie durch ein Wunder hat sich das nicht körperlich schlecht auf sie ausgewirkt.

„Mit Stand vom April 2016 hätten wir Sie als unverbesserliche notorische Straftäterin erlebt. Aber zwischenzeitlich ist etwas geschehen, das zeigt, dass sie sich von ihrem bisherigen Leben abkehren wollen“, sagte Richter Sander, als er das Urteil der 6. Großen Strafkammer begründete. Die Aufklärungshilfe rechnete er Daniela W. hoch an. „Das hat beträchtliche Dimensionen angenommen, das ist nicht selbstverständlich. Für diejenigen, die solche Aufklärungshilfe leisten, birgt das immer die Gefahr von Repressionen“, sagte der Vorsitzende. Grund zur Rache an Daniela W. haben die 250 Leute, die wohl durch die ihre Aussage bei der Polizei Stress mit den Strafverfolgungsbehörden bekommen.

Das Urteil der 6. Kammer ist nicht rechtskräftig, Staatsanwaltschaft und Verteidigung können es mit der Revision anfechten.

Von Dirk Wurzel

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