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Kokshandel auf dem Dorf – Drogendealer muss sich bewähren

Amtsgericht Döbeln Kokshandel auf dem Dorf – Drogendealer muss sich bewähren

Wie im weihnachtlichen TV-Märchenprogramm fühlte sich Strafrichter René Stitterich am Dienstag. Der Angeklagte behauptete, er habe sich mit einem Kumpel und etwa zwei Gramm Kokain einen schönen nur Abend machen wollen. Von Handel mit Drogen könne keine Rede sein. Das hielt der Jurist für ein Märchen.

Acht Monate bedingte Haft waren die strafrechtliche Quittung für einen 23-Järhigen, den das Gericht wegen Handels mit Kokain verurteilte.

Quelle: dpa

Döbeln/Großweitzschen. Sollten sich zwei junge Männer mit etwas über zwei Gramm Kokain nur einen schönen Abend machen oder wollte der eine dem anderen das Koks verkaufen? Dieser Frage ging am Dienstag Strafrichter René Stitterich im Amtsgericht Döbeln nach. Ist doch eine Antwort darauf für die Höhe der Strafe nicht ganz unerheblich. Schließlich ist Kokain eine verbotene Substanz und wer damit handelt, kriegt mehr als jemand, der die Droge lediglich besitzt.

Richter Stitterich sah es letztlich als erwiesen an, dass ein 23-jähriger Leipziger am 22. Juli 2015 nach Großweitzschen gefahren war, um dort einem 25-Jährigen etwa 2,3 Gramm Kokain zu verkaufen. Außerdem hatte der Leipziger noch rund ein Gramm Gras dabei und eine ungeladene Schreckschusspistole im Handschuhfach seines Opel Manta. Also verurteilte ihn Richter Stitterich wegen zweimaliger Drogenvergehen und einem Verstoß gegen das Waffengesetz zu acht Monaten Haft. Denn der Mann mit dem Koks hatte keinen kleinen Waffenschein, der ihn zum Führen der Schreckschusspistole berechtigt hätte. Das Strafmaß ist recht happig für jemanden, der eigentlich gar nicht so richtig vorbestraft ist. Lediglich als Jugendlicher fiel der junge Mann mit Schwarzfahren auf. Die Staatsanwaltschaft stellte die Verfahren aber nach Jugendrecht ein.

Die Kripo hörte mit

„Sie sollten die Pfoten von dem Zeug lassen, wenn Sie nicht einfahren wollen“, gab der Richter dem 23-Jährigen noch mit auf den Weg. Denn der Richter setzte die Strafe zur Bewährung aus. Zwei Jahre darf sich der Mann mit dem Koks nichts zu schulden kommen lassen, will er nicht gesiebte Luft atmen.

Der junge Mann – als Leiharbeiter in einer Autofabrik in Leipzig beschäftigt – sagte bereits am ersten Verhandlungstag, er habe die Drogen gekauft, um diese mit seinem Kumpel in Großweitzschen zu konsumieren. Doof war allerdings, dass die Polizei die Telefongespräche mithörte. So klickten die Handschellen, als die beiden im Schuppen des Drogenkunden auf dem Dorf das Koks-Geschäft abwickeln wollten. „Ich war sehr verwirrt und wollte nach Hause. Darum habe ich bei der Polizei das alles erzählt“, sagte der Koks-Abnehmer als Zeuge aus und versuchte damit den Widerspruch zwischen seiner Aussage bei der Polizei und seinen Angaben vor Gericht aufzulösen. Bei der Polizei hatte er den 23-Jährigen reingeritten – vor Gericht bestätigte er dessen Version vom schönen Abend mit Kokain.

Urteil noch nicht rechtskräftig

„Ich komme mir vor, wie in der Weihnachtszeit, wenn die ganzen Märchenfilme im Fernsehen laufen“, sagte Richter Stitterich, was er von dieser Version hielt. Er ging davon aus, dass der Angeklagte mit dem Kokain gehandelt hat. Darum auch die relativ hohe Strafe. Staatsanwalt Christian Kuka war zuvor mit einem Beweisantrag durchgefallen. Er wollte den Polizeibeamten in den Zeugenstand holen, um den Widerspruch zwischen der polizeilichen und der gerichtlichen Aussage des Zeugen aufzuklären, um den Tatvorwurf des Kokshandels zu erhärten. Richter Stitterich lehnte das ab und verwies auf die „Beweiswürdigung“ durch das Gericht. Staatsanwalt Kuka fand, dass er die Version des Angeklagten nicht entkräften könne und ging lediglich von unerlaubten Besitz der Droge Kokain aus. Er forderte eine Geldstrafe für den Angeklagten. Gleiches tat Verteidigeranwältin Peggy Neubert. Ein Richter ist an solche Anträge aber nicht gebunden. So lautete das Urteil dann auch anders und fiel härter aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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