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Kommt das Tanzhaus unter den Hammer?

Kommt das Tanzhaus unter den Hammer?

Hier kann nichts mehr abfrieren. Das Tanzhaus ist frostsicher. Auf eigene Kosten und mit hohem zeitlichen Aufwand hat der Vorstand der insolventen Show-Tanz-Formation das leerstehende Tanzhaus gegen Frost und Winterschäden gesichert.

Döbeln.

 

 

 

 

Mit einem Notstromaggregat und einem riesigen Kompressor haben André Göritz, Vorstandschef und aktuell Liquidator der Show-Tanz-Formation, und sein Helfer Wolfgang Franze wochenlang im Tanzhaus gearbeitet. Alle Heizungs- und Trinkwasserrohre sowie die Heizungs- und Sanitäranlagen im Tanzhaus haben die beiden entleert und mit Druckluft das Wasser aus allen Rohre geblasen. "Hier kann im Winter nichts mehr einfrieren und Schäden verursachen", sagt André Göritz. Irgendwie hängt der Vater einer Tochter, die einst hier tanzte, noch immer an dem riesigen Gebäude, das ihm nun schon länger den Schlaf raubt. Der Verein hatte sich von Anfang an mit dem Objekt und mit den professionellen, mit Honorar bezahlten Trainerinnen übernommen. Als er das selbst bemerkte, war es zu spät. Er hatte sich breitschlagen lassen, für den Vorstand zu kandidieren. Als Kapitän war es nicht mehr so einfach, das sinkende Schiff zu verlassen. Alle Versuche, die Finanzen zum Erhalt des Hauses und des Vereins zusammenzuhalten, scheiterten. Die Eltern und ihre tanzenden Kinder zogen weiter. Mit einem wirtschaftlichen Zweckbetrieb durch die Vermietung an ein Tanzstudio, an Gastronomen für Feiern und andere tanzende Vereine hielt die Rumpf-Show-Tanz-Formation den Betrieb im Gebäude aufrecht, scheiterte aber letztlich an relativ geringen Außenständen.

Doch im Dezember 2012 drehten die Stadtwerke Strom und Gas ab. Der Verein meldete Insolvenz an. Ein vom Gericht bestellter Insolvenz-Gutachter prüfte wochenlang, ob es was zu holen gibt, und kam zu dem Schluss, dass sich das aufwendige Insolvenzverfahren nicht lohnt. "Mangels Masse abgelehnt", heißt das im Gerichtsdeutsch. So sitzt der ehrenamtliche Vorstand des Vereins weiter auf der Immobilie, sicherte sie aus gutem Willen für die Gläubiger und hofft, dass sich doch noch irgendwann ein Nachnutzer für das im Moment noch intakte Gebäude findet. "Ein neuer Besitzer soll möglichst die Heizung und die Sanitäranlagen irgendwann schadensfrei wieder befüllen und in Betrieb nehmen können. Deshalb haben wir uns tagelang hier hingestellt", sagt André Göritz. Tagelang ist dabei wörtlich zu nehmen, denn das Tageslicht musste ausgenutzt werden. Strom gibt es ja keinen mehr im Tanzhaus. Nur aus dem Notstromaggregat, und der wurde für den Kompressor zum Ausblasen der letzten Wassertropfen aus den Leitungen gebraucht.

Der Immobiliengutachter aus Borna lobte gestern Nachmittag dieses Vorgehen des alten Vereinsvorstandes bei der Sicherung des Gebäudes. Sein Wertgutachten dürfte die Grundlage für eine in den nächsten Monaten denkbare Zwangsversteigerung sein. Von seinem Gutachten und möglichen Mindestgeboten dürfte es abhängen, ob sich Käufer für eine Nachnutzung des Tanzhauses finden. Interessenten soll es durchaus geben. Entscheiden wird der Preis.

 

 

 

 

 

 

Im September 1991 schlossen sich die Tänzer aus dem früheren Pionierhaus der Döbelner Volkshochschule an. Die Mitgliederzahl stieg. Im Juni 1993 wird mit der Show-Tanz-Formation (STF) Döbeln deshalb ein eigener Verein gegründet.

1998 kommt es auf Initiative der STF zur Gründung einer Landesliga Sachen/Thüringen im Modern Dance.

Der Verein hat 2001 knapp 250 Mitglieder in elf Tanzgruppen und drei Fitnessgruppen. Trainiert wird in den Sporthallen an der Friedrichstraße, in Döbeln-Nord und im Ballettsaal der Musikschule.

2001/02 wird mit viel Eigeninitiative und mit Unterstützung befreundeter Vereine sowie mit Fördermitteln das alte Kino "Central" zum Tanzhaus umgebaut. Die STF wird zum größten Tanzverein Döbelns. Allerdings müssen ab da auch 20 000 bis 30 000 Euro im Jahr für das eigene Haus erwirtschaftet werden.

Durch permanenten Geldmangel und den Druck des Vorstandes, wirtschaftlich zu arbeiten, gibt es Streit innerhalb des Vereins und es kommt zu Austritten. Es wechseln Trainerinnen und ganze Gruppen zu anderen Vereinen. Die Finanzprobleme wachsen weiter. Durch externe Vermietung hält sich der Verein mit dem Tanzhaus noch einige Jahre über Wasser bis zum Insolvenzantrag am 18. Dezember 2012.

Seit Mitte Januar 2013 war vom Gericht ein Insolvenzgutachter beauftragt. Am Ende wurde das Insolvenzverfahren mangels Masse abgelehnt, obwohl das Gebäude eigentlich einen Wert darstellt. Der letzte Vorstand ist somit zum Liquidator bestellt.

Die wichtigsten Gläubiger sind die Volksbank-Raiffeisenbank Mittelsachsen als Kreditgeber und der Freistaat Sachsen wegen der Fördermittel, die in den Ausbau des Tanzhauses geflossen sind. Für die haben die ehrenamtlich tätigen Liquidatoren des Vorstandes das gesamte Objekt wintersicher gemacht, um Schäden am Gebäude zu verhindern. Die Raiffeisenbank hat zwischenzeitlich die Zwangsversteigerung in die Wege geleitet.

Thomas Sparrer

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