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Kommt der Winter noch?

Kommt der Winter noch?

Wetterdienst: "Ist bis zum Dreikönigstag kein strenger Winter, so kommt auch keiner mehr dahinter", sagt eine Bauernregel. Tatsächlich zeigen langjährige Wetterstatistiken: Wenn es bis zum 6. Januar deutlich zu mild ist, dann bleibt es mit 70prozentiger Wahrscheinlichkeit auch den Rest des Monats wärmer als normal.

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Quelle: Gerhard Dörner

Darauf verlassen kann sich keiner. Der Deutsche Wetterdienst hat den Winter noch nicht abgehakt. "Ich gehe davon aus, dass der Winter noch kommen wird", sagt der Meteorologe Andreas Friedrich. Mit ziemlicher Sicherheit geschieht das aber nicht in den nächsten zehn Tagen, und dann wäre schon mal fast die Hälfte des Januars herum. Friedrich vom Deutschen Wetterdienst: "Bis auf absehbare Zeit wird es in Deutschland keinen Wintereinbruch geben. Die seit Weihnachten bestehende West-Wetterlage hält auch in den nächsten Tagen an." Der Experte erklärt, dass Deutschland und ganz Europa von Luftströmungen beeinflusst sind, die vom Atlantik kommen. Der ist noch so warm, dass auch in unserer Region tagsüber kaum mit Temperaturen unter Null Grad zu rechnen sei. Im Gegenteil: Im Westen wären sogar zweistellige Pluswerte zu erwarten. In Sachsen müssten die Autofahrer trotzdem weiterhin vorsichtig sein. "Nachts kann es gefrieren und dann auch Straßenglätte geben", sagt Friedrich. Zusammengefasst: der Dezember war viel zu mild, Januar/Februar sind aber die wichtigsten Wintermonate. Es kann also noch einiges passieren.

 

Winterdienst: Die Mitarbeiter der Straßenmeistereien des Kreises und der Kommunen befinden sich seit Oktober in Bereitschaft. Stichwort Salz: Von den fast 26000Tonnen hat Mittelsachsen etwa 12000 abgerufen und eingelagert. "Die Lager sind zu 90 Prozent gefüllt", sagt Mittelsachsens Straßenchef Jürgen Zimmermann. Abnehmen muss der Kreis aber die ganze bestellte Menge, derzeit noch 14000Tonnen. Sollte am Ende des Winters Salz übrig sein, gilt es, zusätzliche Lagerkapazitäten zu erschließen.

 

Winterschäden: Könnte so bleiben, der Winter. Das mag sich Zimmermann vor allem mit Blick auf die Schäden denken, die vergangene Winter angerichtet hatten. "Trockenes Wetter so wie jetzt ist ideal. Wenn es regnet, machen vor allem die Frost-Tauwechsel den Straßen zu schaffen", sagt Jürgen Zimmermann. In solchen Fällen kommt es zu Frostsprengungen und Schlaglöchern. Das ist auch der Fall, wenn die Tauwirkung des Salzes bei tiefsten Minusgraden nachlässt und Wasser wieder gefriert. Auch ohne Schnee und Eis beschloss der Kreistag, für die Beseitigung der Schäden in der Wintersaison 2013/2014 rund 2,8 Millionen Euro bereit zu stellen. Davon sind etwa 2,1Millionen Euro Fördergeld, zirka 700 000 Euro steuert der Kreis bei.

 

Betriebskosten: "Jeder Tag, der so mild ist, hilft wirtschaften", sagt Jürgen Aurich von der Stadtverwaltung Döbeln mit Blick auf die öffentlichen Finanzen. Er ist gleich für zwei Bereiche zuständig, die das betrifft: die städtischen Liegenschaften und den Baubetriebshof, der auch den Winterdienst erledigt. "Die Betriebskosten, zum Beispiel für das Beheizen eines Gebäudes, sind jetzt nicht so hoch, als wenn wir minus zehn Grad hätten", sagt Aurich. Das betreffe sämtliche öffentliche Gebäude der Stadt, zum Beispiel Schulen, Kindergärten und das Rathaus. Die Roßweiner Kämmerin Heidi Roßberger will allerdings nicht zu euphorisch sein: "Theoretisch sparen wir an solch milden Tagen, praktisch heißt es aber immer, die genauen Zahlen abzuwarten. Es gibt eine Jahresabrechnung, die ist entscheidend." Das heißt: Der Dezember war zwar mild, dafür war der Winter Anfang 2013 lang und kalt.

 

Wintersport: Eine Premiere musste die Gemeinde Neuhausen in diesem Winter mangels Schnee verschieben: Läge solcher, hätten die Tschechen das 40 Kilometer lange Loipennetz um den Schwartenberg und seine Nachbarberge gespurt. "Sonst hat uns der Tourismusverband Seiffen ausgeholfen. Aber der hat sich aufgelöst. Jetzt sind wir froh, dass uns das benachbarte Skigebiet Kliny mit seiner modernen Technik hilft", sagt Bürgermeister Peter Haustein (parteilos). Damit die Wintersportler in Neuhausen wenigstens ein bisschen trainieren können, hat die Gemeinde Schnee zusammengefegt und wenigstens eine 500 lange Loipe gespurt. Dennoch ist der fehlende Schnee für Bürgermeister Haustein derzeit noch kein Grund zum Jammern: "Unsere Museen waren voll, gleichwohl die Hotels nicht glücklich über den Schneemangel sind." Richtig schlimm wird es für den Rathauschef in Mittelsachsens Grenzgemeinde aber erst, wenn die weiße Pracht auch fürderhin ausbleibt. Schneefreie Winterferien wären eine Katastrophe. In Mittelsachsens bekanntestem Skigebiet Holzhau sieht es mit Schnee derzeit ebenfalls mau aus. Abfahrt ist nur auf einem Drittel der Pisten möglich.

Olaf Büchel/Dirk Wurzel

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