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Konservativ und raumfüllend

Konservativ und raumfüllend

"Er wird dem Döbelner Stadtrat in Zukunft fehlen." Da sind sich die Stadträte nahezu aller Fraktionen einig. Vier Wahlperioden ebnete Bernhard Maluck als CDU-Stadtrat, Fraktionschef und Stadtverordnetenvorsteher in der Döbelner Lokalpolitik Wege und traf Entscheidungen mit.

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Der alte Famulus von 1963 ist das Liebhaberstück des Landmaschinenschlossermeisters Bernhard Maluck. Seine Mügelner Firma repariert heute vor allem Tanklastwagen. 24 Jahre hat er zudem als Stadtrat die Geschicke der Stadt Döbeln mitbestimmt, auch mit seinen Wertvorstellungen und einer oft raumgreifenden Persönlichkeit.

Quelle: W. Sens

"Das war mein Ding. Ich bin dankbar dafür, dass ich zu vielen Entwicklungen in unserer Stadt mit beitragen konnte", sagt der 53-jährige, vierfache Familienvater und bekennende Katholik. Ein guter Rhetoriker ist er. Wenn im Stadtrat heftig gestritten wurde, fand er oft die richtigen Worte und glasklare Sätze. Seine Persönlichkeit war dabei oft raumfüllend. Man sagt dem Mann mit dem grauen Schnauzer und dem oft schelmischen Lächeln in den Augen vor allem Durchsetzungsfähigkeit nach. "Das kann gut und schlecht sein. Vielleicht bin ich manchmal auch ein wenig dominant. Strenge und Güte sollten ausgewogen sein", hofft er von sich und gesteht: "Wenn mir etwas gegen den Strich geht, bin ich auch schwierig."

 

Erzkatholisches Kneiperkind

 

Wer Bernhard Maluck einen Erzkonservativen oder erzkatholisch nennt, beleidigt ihn nicht. Er lebt seine ganz klaren Wertvorstellungen und die hat der gebürtige Oschatzer nicht von ungefähr. "Ich bin ein Kneiperkind mit Landwirtschaft und Landleben im Blut", sagt er über sich. Mit seinen Eltern und den drei jüngeren Schwestern wuchs er im Gasthof Schweta bei Mügeln auf. Die Zwillingsschwester seines Vaters führte 38 Jahre als Wirtin den familieneigenen Gasthof. Der Vater war Landwirt. Als Vertriebene kamen die Familie der Mutter aus Schlesien und die des Vaters aus dem katholischen Ermland in Ostpreußen. In Schweta hatten sie sich etwas aufgebaut. Durch die Zwangskollektivierung der DDR-Landwirtschaft wird das Leben der Familie und auch ihr fortan gespaltenes Verhältnis zum Arbeiter- und Bauernstaat geprägt. "Ich weiß noch genau, wie ich mit meinem Vater am Feldrand stand und er sagte: ,Ab morgen gehört mir nichts mehr.' Als wir heimkamen, war auch unser Stall leer. Alles gehörte jetzt der LPG", erinnert er sich. Dennoch hält die Familie den Hof und den Gasthof mit aller Kraft in Schuss. Heute ist der Gasthof verpachtet, ist Ausflugsziel und Schmuckstück. "Zum ersten Mal hatte unser Gasthof nach der Wende, als ich ihn aufwändig sanierte, einheitliche Fenster. Dafür und für einen schönen neuen Putz hatte es zu DDR-Zeiten nie gereicht", sagt er. "Das System der DDR war nie das unsere. Wir haben immer auf Veränderungen gehofft."

 

CDU-Mitglied aus Überzeugung

 

Die Veränderungen waren 1989 mit der Wende gekommen. Bernhard Maluck hatte bereits 1983 bei einer katholischen Jugendveranstaltung seine Frau Cornelia aus Döbeln kennen und lieben gelernt. 1987 wurde geheiratet. Das Ehepaar lebt in Döbeln und ist in der katholischen Gemeinde verwurzelt. "Ich bin bereits im Februar 1990 aus Überzeugung CDU-Mitglied geworden. Kanzler Helmut Kohl war für mich der Mann der Stunde. Mir war klar, wer Veränderungen will und möchte, dass die bisherigen Leute ausgetauscht werden, der muss dahin gehen, wo diese saßen." So stand Bernhard Malucks Name auf der Kandidatenliste der CDU für den ersten frei gewählten Döbelner Stadtrat. "Ich kam damals ziemlich unbeleckt in den Rat. Mir fehlten Fach- und manchmal auch noch Ortskenntnisse. Ich verfolgte fasziniert, wie Leute wie Sven Weißflog kompetent und damals auch sehr sachlich Ideen vortrugen. Es war eine Aufbruchstimmung und es wurde über Parteigrenzen hinweg zusammengearbeitet. Nur von der SED-PDS grenzte man sich ab und stand gleichzeitig irgendwie immer unter dem Druck, zu zeigen, dass man es besser kann, als die einstigen DDR-Verantwortungsträger."

 

Vier Legislaturperioden des Stadtrates hat Bernhard Maluck seither die Entwicklung der Stadt Döbeln mitbestimmt. Er war Spitzenkandidat der CDU und Fraktionschef im Stadtrat. Zwischenzeitlich schmiss er aber auch das Amt des Fraktionschefs mal demonstrativ hin, weil er mit dem damaligen CDU-Bürgermeister Matthias Girbig über die Trassenführung der innerstädtischen Entlastungsstraße S 32 heftig im Streit lag. Den Bau der neuen Muldenbrücke als Vollendung der damals erstrittenen Schillerstraßen-Variante hätte Bernhard Maluck gerne noch als Stadtrat erlebt. Doch viele Früchte der Stadtratsarbeit kann er heute betrachten: "Die Entwicklung der Gewerbegebiete, die Entscheidungen zur Innenstadtentwicklung - das war gut und richtig, wie man heute sehen kann."

 

Manchmal haben er und die anderen Stadträte auch ordentlich Schelte einstecken müssen. "Das musste man aushalten", sagt er mit munteren Augen und erinnert an heftigste Auseinandersetzungen mit den Leisnigern und dem damaligen Landkreis, als die Stadt Döbeln sich anschickte, das Döbelner Krankenhaus zu privatisieren. "Diese Krankenhausprivatisierung war Grundlage dafür, dass es heute in Döbeln überhaupt einen Klinikstandort gibt." Die Stadtwerke-gründung, die Entscheidung zur Theaterneugründung mit der Stadt Döbeln als Gesellschafter oder die Abfuhr für die Pläne, aus dem Stadtbad ein Spaßbad zu machen. Vieles sei einfach richtig gewesen. "Ich sehe unser Stadtbad und schaue, wie Oschatz heute unter der Last des Platsch-Spaßbades ächzt."

 

Mehr Zeit für Kür und Familie

 

Nach der Kommunalwahl im Mai klappt Bernhard Maluck aber die Aktenmappe des Stadtrates zu. Das wollte er eigentlich schon 2009 tun. "Wie viele Menschen sagen jeden Tag nach acht oder neun Stunden Arbeit, dass es reicht. Ich sage das seit Jahren nach zwölf Stunden und lege immer noch eine Schippe drauf." Das soll jetzt anders werden. Nicht nur Zeit für die Pflicht sondern auch mehr Zeit für die Kür, hat er sich vorgenommen.

 

Die Pflicht ist sein Unternehmen in Mügeln. Er hatte immer davon geträumt, selbstständig zu sein und diese Chance nach der Wende beim Schopf gepackt. Der gelernte Kfz-Schlosser mit Meisterbriefen als Landtechnikschlosser und Kfz-Meister sowie einem betriebswirtschaftlichen Abschluss gründete 1990 zunächst als Niederlassungsleiter in Mügeln einen Reparaturbetrieb für Tankwagen. Als der Chef in Hannover 1995 in Rente ging übernahm Bernhard Maluck den Mügelner Betrieb. Die Reparatur von Tanklastern, ihren Zählern, Pumpen und der Sicherheitstechnik ist das Hauptaufgabenfeld der Firma neben Lkw-Reparaturen. Zwölf Mitarbeiter arbeiten dafür im Zweischichtbetrieb. "Lkw müssen rollen, deshalb werden sie meist in den Nachmittags- und Abendstunden sowie an Sonnabenden in die Werkstatt gebracht. Das ist unser Brot", so der Firmenchef.

 

Drei Pferde und ein Kremser

 

Als Hobby leistet er sich drei Pferde und einen Kremser. "Die Pferde vorspannen und Kremser fahren ist meine Entspannung", sagt er und seine Augen leuchten. Sein Herz schlägt zudem höher, wenn seine Kinder musikalisch unterwegs sind, Anna-Sophia (11) spielt Querflöte, Clemens (14) Cello, Johannes (25) Schlagzeug und Elisabeth (23) Querflöte. "Meine Frau spielt Flöte und singt auch im Kirchenchor. Nur ich bin kaum musikalisch." Ehefrau Cornelia arbeitet im Betrieb mit und ist die Familienmanagerin. "Zuhause darf sie der Chef sein. Da versuche ich mich zurückzuhalten", sagt er schmunzelnd. Familie ist etwas heiliges für Bernhard Maluck. Die Heilige Messe am Sonntag zu besuchen und danach lange gemeinsam am Mittagstisch zu sitzen, ist wichtiges Ritual. Auch die großen Kinder sind sonntags meist da. Johannes studiert Betriebswirtschaft und wohnt im Schwetaer Gasthof. Elisabeth studiert Biochemie in Halle. "Ich brauche mehr Zeit für meine Familie und mir nahestehende Leute. Darauf freue ich mich ebenso wie auf Mußestunden." Diese Mußestunden will er der Erforschung der Familiengeschichte widmen. Aber auch theologische Schriften von Joseph Ratzinger stehen auf seinem Leseplan. Und dann macht sich Bernhard Maluck Gedanken über kirchliche Strukturen, die ausdünnen, und die Entwicklung im ländlichen Raum. Ganz ohne Politik wird er auch in seinem Leben als Ex-Stadtrat nicht auskommen. Thomas Sparrer

Thomas Sparrer

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