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Krankenschwester stellt gelähmte Patientin ruhig und wird angeklagt

Mit Faustan Krankenschwester stellt gelähmte Patientin ruhig und wird angeklagt

Um selbst schlafen zu können, soll eine Krankenschwester ihrer schwer gelähmten Patientin im Nachtdienst Faustan verabreicht haben. Medizinisch sei das gar nicht notwendig gewesen. Nun fand sich die Pflegekraft auf der Anklagebank im Amtsgericht Döbeln wieder.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Frau der Körperverletzung angeklagt, denn einen Grund für die Gabe der starken Arznei gab es nicht.

Quelle: Archiv

Döbeln/Ostrau.. Hat eine Krankenschwester aus Ostrau einer gelähmten Frau Faustan gegeben, um einen ruhigen Nachtdienst zu haben? Gab sie der Patientin das Diazepam gar, um selbst schlafen zu können? Diesen Fragen ging Strafrichter René Stitterich am Dienstag im Amtsgericht Döbeln nach. Die Staatsanwaltschaft hatte die Pflegekraft der Körperverletzung angeklagt. Sie habe das Benzodiazepin der Patentin ohne medizischen Grund gegeben. Diese habe daraufhin mit verdrehten im Augen im Bett gelegen und sei nicht mehr ansprechbar gewesen, heißt es im Anklagesatz. Die Schwester arbeitete für einen Spezialpflegedienst für die Intensivpflege. Die ehemalige Patientin der Ostrauerin ist schwer gelähmt, kann sich nicht bewegen und auch nicht sprechen. Emotionen könne sie aber zeigen, sagt die Tochter der Patientin. Das Faustan bekommt ihre Mutter nur in Notfällen, um Krampfanfälle zu behandeln. Am 15. Oktober war die Ostrauerin zum Nachtdienst bei der gelähmten Frau eingeteilt.

„Der Vorwurf wird eingestanden. Die Medikamente wurden verabreicht, weil ein Krampfanfall vorlag. Meine Mandantin bestreitet, das dies – das sind ja fast schon niedere Beweggründe – deswegen geschah, damit sie schlafen könne“, erklärte Rechtsanwalt Thomas H. Fischer, der die Pflegeschwester verteidigte. Dass diese verschlafen aus dem Wohnzimmer ihrer Mutter kam, sagte die Tochter der gelähmten Frau als Zeugin aus. Der Pflegedienst hatte sie gebeten, nachzuschauen. Denn die Kollegen der Ostrauerin hatten schon länger den Verdacht, dass sie im Dienst schläft. Zwischen zwei und drei Uhr in der Frühe kam die Tochter in der Wohnung der Mutter an. Der Anblick der verschlafenen Krankenschwester hat sie aufgeregt. „Ich bin erst mal auf den Balkon gegangen, um eine zu rauchen, um wieder runterzukommen“, sagte die Tochter. Ihre Mutter habe schon seit einem Jahr keine Krampfanfälle mehr gehabt. Sie zweifle daher, dass die Krankenschwester die Faustan-Tropfen in die Magensonde ihrer Mutter gegeben hatte, um einen solchen Anfall zu beenden. Auch eine andere Schwester des Pflegedienstes hielt es für unwahrscheinlich, dass die Frau einen Anfall gehabt hat. Davon hätten sie und ihre Kollegen eigentlich etwas bemerken müssen, denn die Ostrauerin hat das Diazepam gegeben, als das Pflegeteam im Nachbarzimmer eine Dienstberatung abhielt. Auch in den Krankenakten findet sich kein Eintrag über einen solchen Vorfall. Weil die Geschädigte aber nicht wie in der Anklageschrift beschrieben, mit verdrehten Augen im Bett lag sondern geschlafen hatte, äußerte Richter Stitterich Zweifel daran, ob der Tatbestand der Körperverletzung überhaupt erfüllt sei.

„Die menschliche und arbeitsrechtliche Frage können wir im Strafverfahren nicht klären“, sagte der Richter und regte an, das Verfahren wegen geringer Schuld gegen einen Geldauflage einzustellen. Andernfalls hätte das Gericht noch einen teuren Sachverständigen hinzuziehen müssen. „Das heißt nicht, dass ich die Sache gutheiße. das wirft kein gutes Licht auf die Pflegebranche, wenn Leute ruhig gestellt werden, die sich nicht wehren können“, sagte der Richter. Staatsanwalt Metzger und Verteidiger Fischer folgten der Anregung des Richters. Wenn die Krankenschwester. 700 Euro an die Lebenshilfe Oschatz zahlt, ist die Sache für sie erledigt. Die Unschuldsvermutung gilt weiter, einen Eintrag im Strafregister gibt es auch nicht. Die Töchter der gelähmten Frau fanden es dagegen nicht gut, dass sich die Angeklagte „einfach freikaufen“ kann.

Von Dirk Wurzel

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