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Döbeln Krankes Pferd landete bei polnischem Schlachter
Region Döbeln Krankes Pferd landete bei polnischem Schlachter
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20:04 28.08.2012
"Warum musste Cappuccino sterben?" titelte die DAZ am 8. August. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig, auf welchem legalen oder illegealen Weg das Tier zum Schlachter gelangte. Jetzt führt seine Spur auf einen polnischen Schlachthof.

Um das Schicksal von "Cappuccino" ranken sich die Gerüchte. Ohne Wissen seiner Besitzer soll das Pferd über Nacht beim Schlachter gelandet sein, nachdem es bei einem Langenauer Hufschmied in Obhut gegeben wurde. Jetzt ist es bestätigt: "Cappuccino" wurde nach Polen transportiert. Der Landespferdezuchtverband in Moritzburg bestätigt die Abmeldung des kranken Tieres. Womit eindeutig fest steht, dass es auf einem Schlachthof landete. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt weiter, ob das Schicksal des Tieres auf illegalem Weg bestimmt wurde. Auch die Polizei ist eingeschaltet.

Zur Erinnerung: Wie die DAZ berichtete, ist die Mügelner Pferdezüchterin Silvia Morgner selbst der Auffassung, die rechtmäßige Besitzerin "Cappuccinos" zu sein. Anfang des Jahres gab sie "Plumps", wie sie das nach einem Hüftriss erkrankte und behinderte Pferd auch nannte, in die Obhut von Hufschmied Siegried Degenhardt aus Langenau. Ein Schutz- und Schenkungsvertrag wurde verhandelt. Mit der Option, dass Morgner das erste Rücknahmerecht behält, wenn "Cappuccino" nicht bei Degenhardt bleiben könne. Daraus wurde nie etwas. Degenhardt konnte mit dem kranken Tier nichts anfangen. Organisierte den Transport zum Schlachter.

Ein solcher Transport muss vom Veterinäramt überwacht werden. Was in diesem Fall auch passiert ist. Dem Landespferdezuchtverband in Moritzburg liegt inzwischen die Abmeldung des Tieres durch das Veterinäramt Mittelsachsens vor. "Wir haben die Information erhalten, dass das Pferd nach Polen transportiert und dort geschlachtet wurde", bestätigte gestern Maika Mende vom Zuchtverband. Die Abmeldung beim Zuchtverband ist gängige Praxis, da jeder Pferdepass, der in Moritzburg ausgestellt wurde, dorthin zurückgegeben werden muss, wenn Tiere geschlachtet oder notgetötet werden beziehungsweise sterben. "Bei Schlachtungen im Ausland bekommen wir die Pässe nicht zurück. Aber werden durch die zuständigen Veterinärämter informiert, die jeden Transport überprüfen", erklärte Mende. Ein Riesaer Unternehmen hatte den Transport in diesem Fall übernommen, sämtliche Regularien beachtet und entsprechende Meldungen gemacht.

Strittig bleibt die Frage, ob Degenhardt berechtigt war, das Pferd auszuliefern. Er begründete diesen Schritt mit der fortgeschrittenen Lebensunfähigkeit des Tieres. Morgner erstattete Anzeige. Die Staatsanwaltschaft Leipzig nahm die Ermittlungen auf. "Die sind noch nicht abgeschlossen. Derzeit befinden sich die Akten bei der Polizei, um im Auftrag der Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungen durchzuführen", erklärte Ricardo Schultz, Sprecher der Behörde.

Sollte sich der Verdacht einer Straftat bestätigen, werde es von den Umständen des Falles und der Person des Beschuldigten abhängen, ob ein Verfahren mit einem Sachwert von 150 Euro (so viel war "Cappuccino" rein materiell gesehen noch wert) vor Gericht eröffnet wird oder ob dieses gegen Auflagen eingestellt wird. Schulz: "Eine geringwertige Sache im Sinne des Strafgesetzbuches liegt hingegen nicht vor, da ein Sachwert von 150 Euro deutlich über der durch die Rechtsprechung festgelegten Grenze für die Annahme einer geringwertigen Sache von derzeit 50 Euro liegt."

Eine Zeugenaussage von Silvia Morgner hat die Staatsanwaltschaft bereits abgefordert, wie die Mügelnerin erzählt. Sie befürchtet, dass das Verfahren eingestellt wird, bleibt "aber der Sache auf der Spur. Der Landespferdezuchtverband, der die Schlachtung von "Cappuccino" zwar bestätigt, kann zu den Eigentumsverhältnissen aber "keine Aussagen machen. Eventuelle Besitzerwechsel klärt das Abmeldungssystem nicht. Pferde werden nicht gekauft wie Autos, wo man sich dreimal absichert. Leider ist das so. Wir haben mehrere solcher Fälle im Jahr", erzählt Maika Mende.

Thomas Lieb

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