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Kriebethaler Faschingsclub fürchtet um seinen Saal

Debatte um Hotelverkauf Kriebethaler Faschingsclub fürchtet um seinen Saal

Die Gemeinde will das Hotel am Kriebsteinsee in Höfchen verkaufen. Dabei könnte der Veranstaltungssaal des Kriebethaler Faschingsvereins verloren gehen. Das führte zu Debatten auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Dort sollten die Räte eigentlich nur beschließen, dass ein Projektentwickler den Verkaufsprozess begleitet.

Die Gemeinde will das Hotel am Kriebsteinsee in Höfchen verkaufen. Der Kriebethaler Faschingsclub fürchtet, erneut sein Veranstaltungsdomizil zu verlieren, weil der Kriebsteinsaal zum Hotelkomplex gehört.

Quelle: Dirk Wurzel

Kriebstein. Hotelkäufer sucht derzeit die Gemeinde Kriebstein. Die Kommune will das „Hotel am Kriebsteinsee“ im Ortsteil Höfchen gerne loswerden. Gleich zwei Tagesordnungspunkte auf der jüngsten Gemeinderatssitzung hatten damit zu tun. Was nicht ohne Disskussionen abging.

Zum einen die Auftragsvergabe für den Abriss und die Beräumung nicht mehr benötigter Gebäude auf dem großen Hotelareal, zum anderen für das Engagement des Projektentwicklers Dr. Johannes von Korff. Dessen Agentur soll den Verkaufsprozess begleiten, Angebote und Konzepte prüfen sowie Empfehlungen abgeben. Rund 8800 Euro soll die Hilfe der Profis kosten. Aber daran störten sich die Gemeinderäte nicht. Sondern eher an dem Passus in der Beschlussvorlage, dass der Kriebsteinsaal, und damit der Veranstaltungssaal des Kriebethaler Faschingsclubs (KFC), ebenfalls zum Verkauf stehen soll. „Davon war nie die Rede. Der Saal sollte in Gemeindehand bleiben. Wir haben da mehr als Zeit reingesteckt“, sagte Gemeinderat Günter Friedrich (CDU), zugleich Vizepräsident des KFC. Der Verein hatte den Saal auf Vordermann gebracht, nachdem er sein altes Domizil im Kulturhaus der Papierfabrik Kübler und Niethammer verloren hatte. Dieses Gebäude hat der Betrieb mittlerweile abreißen lassen.

Kommentar: Sorgen der Narren ernst nehmen

„Papier – allemal“ – so lautet der Gruß des Kriebethaler Fasching Clubs (KFC). Wie oft wird er noch zu hören sein, im neuen Vereinsdomizil, dem Saal des Hotels am Kriebsteinsee in Höfchen? In unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben die Narren die Feierhalle auf Vordermann gebracht, nachdem sie ihr altes Veranstaltungsdomizil verloren hatten. Da ist es kein Wunder, wenn sie sich jetzt sorgen, auch diesen Austragungsort des närrischen Treibens wieder zu verlieren.

Die Gemeinde sollte diese Sorgen ernst nehmen. Ein wichtiger Schritt ist das angekündigte Treffen der Kriebsteiner Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler) mit den Leuten vom KFC. Denn eines darf nicht passieren: Dass der Verein mit 60 Mitgliedern, der in der närrischen Zeit Frohsinn in der Gemeinde stiftet sowie wichtige Jugendarbeit betreibt, am Ende wieder ohne Auftrittsort dasteht. Ohne Fasching fehlt was im Gemeindeleben. Nicht nur in Kriebstein, sondern überall.

Dass sich die Gemeinde den überholungsbedürftigen Saal mit großem Investitionsstau nicht ohne Not weiter ans Bein binden will und finanziell auch nicht kann, ist auch wieder klar. Selbst wenn die Kommune das Gebäude mit Fördergeld saniert bekommt, schlagen die Abschreibungen, der Eigenanteil und die künftigen Betriebskosten ins Kontor. Darum ist ein bindender Passus im Kaufvertrag die beste Lösung, dass der künftige Hoteleigentümer den Saal für eine bestimmte Anzahl an Veranstaltungen pro Jahr der Gemeinde kostenlos zur Verfügung stellt. Solange kein Kaufinteressent mit großräumigen Abrissplänen aufkreuzt, sollte das eigentlich machbar sein. Dirk Wurzel

Fraktionskollege Manuel Viertel sprang Günter Friedrich bei: „Das war nie Thema im Verwaltungsausschuss. Besonders, weil der Fasching involviert ist, ist es keine gute Idee, das so zu machen. Ich glaube nicht, dass es eine Einigung zwischen KFC und neuem Eigentümer gibt.“ Davon hatte Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler) zuvor gesprochen. Dass nämlich vertraglich geregelt werden kann, dass der neue Investor den Saal für eine bestimmte Anzahl an Veranstaltungen pro Jahr zur Verfügung stellt. Die Bürgermeisterin hält es für notwendig, den sanierungsbedürftigen Saal ebenfalls abzustoßen. „Ich bin selbst eine Anhängerin des Faschings. Aber der Saal hat einen riesigen Investitionsstau. Wie soll ich das anderen Vereinen erklären, wenn wir dort jetzt 150 000 Euro reinstecken und zum Beispiel dem Heimatverein 30 000 Euro verweigern müssen?“ Andere Gemeinderäte und auch Ortsvorsteher stellten sich vor die Bürgermeisterin. „Ich kann Dich verstehen Günter. Aber ich bin nicht dafür, dass wir als Gemeinde das behalten. Wir müssen halt vertraglich festhalten, für wieviele Veranstaltungen uns der Investor den Saal zur Verfügung stellen muss“, sagte Jürgen Filz (CDU). „Ich finde es nicht gut, dass wir uns deswegen zerfetzen. Der Rat ist seit Jahren für einen Verkauf des Hotels. Es ist nur nie etwas daraus geworden“, sagte der Kriebethaler Ortsvorsteher Wolfram Thieme (CDU).

Bürgermeisterin Euchler räumte Fehler in der Kommunikation ein und schlug einen Kompromiss vor: In den Beschlussvorschlag zur Vergabe der Projektentwicklung kommt der Satz, dass der Verkauf des Kriebsteinsaals außen vor bleibt und gesondert verhandelt wird. Das beschloss der Gemeinderat letztlich. Allerdings ohne die Stimme von Günter Friedrich. „Ich bin dafür, muss aber dagegen sein. Alles andere kann ich meinen 60 Vereinsmitgliedern nicht erklären“, sagt er. Sein Fraktionskollege Manuel Viertel enthielt sich.

Damit die Verkaufspläne nicht wieder auf der langen Bank landen, hat sich die Gemeinde eine Frist gesetzt. Bis Ende August soll das Hotel einen Eigentümer haben. Bürgermeisterin Euchler versprach zudem, sich mit dem KFC zu treffen und sich dessen Position anzuhören.

Von Dirk Wurzel

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