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Krimi-Puzzle in Döbeln: Ein rätselhafter Fall für Kommissar Mike Wink

Krimi-Puzzle in Döbeln: Ein rätselhafter Fall für Kommissar Mike Wink

Der fiese Professor X hat den Döbelner Riesenstiefel geklaut und beginnt mit dem erfahrenen Polizeikommissar ein intelligentes Katz und Maus-Spiel bis zum großen Finale mit der Aufklärung des Kriminalfalles.

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Ein Zettel mit Koordinaten, ein GPS-Gerät, ein verschraubter Behälter mit einem Rätsel, spezielle Münzen zum Tauschen und ein Logbuch - all das fasziniert Toni Werner am Geocaching.

Quelle: Thomas Sparrer / Sven Bartsch

Aufklären können den Döbelner Fall allerdings sogenannte Geocacher. Geocaching ist eine moderne Form der Schatzsuche oder Schnitzeljagd. Ausgestattet mit einem Global Positioning System (GPS)-Empfänger und den Koordinaten eines "Schatzes" aus dem Internet gilt es die Caches genannten Schätze zu finden, die jemand anderes an ungewöhnlichen Plätzen versteckt hat.

 

80 Geocacher haben sich am vergangenen Sonnabend im Döbelner Hotel Bavaria getroffen. Organisiert hat diese Event-Cache genannte Veranstaltung zum zweiten mal Ewald Zimmermann. Der ehemalige Döbelner lebt heute bei Flensburg und versammelte zum zweiten Mal Geocacher aus ganz Deutschland in Döbeln. "Seit vielen Jahren mache ich einmal jährlich Urlaub in meiner Geburtsstadt. Seit 2011 werden dabei auch Dosen gesucht. Nachdem es im letzten Jahr so prima geklappt und allen Teilnehmern gefallen hat, wollte ich auch 2014 in Döbeln ein kleines Event veranstalten", schildert er. Bavaria-Wirtin Ute Dressel freute sich über 80 gut gelaunte Gäste, die sich im Internet Krümelmonster, Blackberry53, WattwurmJana, Bergfex oder Swolf nennen.

 

Unter den Gästen des Event-Caches war auch der 27-jährige Toni Werner aus Grimma. Der stellvertretende Leiter des Christlichen Hortes in Technitz ist in der Szene schon eine größere Nummer. Gemeinsam mit Freunden hat er im Sommer 2012 die GeoGames auf der Leipziger Messe organisiert und 4500 Geocacher aus 14 Ländern angelockt. An seinen ersten Cache erinnert er sich noch genau. "Es war am 16. November 2008. Ein Freund im Erzieherstudium hat mich dazu gebracht", erzählt er. Seitdem ist er von der modernen Schnitzeljagd fasziniert. Über 5500 solcher Schätze in aller Welt hat er gefunden und zahlreiche Caches für andere Hobbyschatzsucher gelegt. Für ihn und seine ebenfalls vom Schatzsuchervirus infizierte Frau Rahel ist das Ganze mehr als ein Hobby. Selbst mit den beiden Kindern Pitt (eineinhalb Jahre) und Jano (acht Wochen) kann der Familienausflug so jedes mal zur Schatzsuche werden. Freunde in allen Altersgruppen und in aller Welt fanden die Eheleute Werner durch ihr Hobby. "Geocaching ist so etwas wie Wandern mit Action und das verbindet alle, vom Opa bis zum Urenkel", sagt Toni Werner. Nicht selten erschließen sie dabei auch touristische Ziele mit wertvollen Infos über eine Stadt oder Region. "Wir sind beim Geocachen schon an Orte gekommen, die wir sonst nie so intensiv wahr genommen hätten", beschreibt Toni Werner.

 

Der geklaute Riesenstiefel

 

Gemeinsam mit der DAZ macht er sich in Döbeln auf die kriminalistische Spurensuche eines besonderen Multicaches. Den hat eine ehemalige Döbelnerin sehr liebevoll vorbereitetet. Ihre Kriminalgeschichte um Kommissar Wink beginnt im Internet: Ein Informant berichtet davon, dass der Döbelner Riesenstiefel entführt wurde und will sich an der Stadtinformation in Döbeln treffen. Dort ist es für das weitere Rätsel hilfreich, sich das Faltblatt zum "Stummen Stadtrundgang" durch Döbeln zu besorgen. Der erste Hinweis findet sich mitten auf dem Obermarkt. In einer durchsichtigen Kunststoffdose steckt die Fortsetzung der Geschichte und ein Rätsel, das zum nächsten Ort führt. Toni Werner schaut sich um, bevor er die Schatzkiste wieder in ihr Versteck zurücklegt. "Es gehört zum Codex, dass keine Muggels die Verstecke mitbekommen dürfen", sagt er. Muggels sind in den Harry-Potter-Romanen, die nicht in Zauberei eingeweihten Menschen.

 

Die gelben Stiefelspuren im Pflaster der Stadt, die sonst den stummen Stadtrundgang verkörpern, führen zum nächsten Geocache, ganz in der Nähe des ältesten Gebäudes der Stadt. Doch die Suche nach dem Versteck des nächsten Hinweises wird erschwert. Auf der Parkbank davor sitzt eine Frau in der Sonne und spielt mit ihrem Handy. Sie ahnt nicht, dass hinter ihr ein Schatz liegt. Toni Werner erzählt schmunzelnd von einem Cache, den er einmal unter einer Parkbank in einer belebten Fußgängerzone suchte. "Eine Frau dachte wahrscheinlich, dass ich spinne oder ihr unter den Rock schauen will", sagt er lachend. Der nächste Hinweis des Kriminalfalles findet sich außerhalb der Muldeinsel. Es handelt sich zunächst nur um eine Grad- und eine Meterangabe fürs GPS-Gerät. In einer Mauerritze findet sich schließlich ein kupferfarbener Schraubbehälter. Straff eingerollt ist darin die Fortsetzung der Geschichte und ein Lottoschein. Die angekreuzten Zahlen sind das nächste Rätsel. Es beginnt, Spaß zu machen. Und es liegen noch drei Stationen auf der Muldeinsel vor uns, inklusive einem toten Briefkasten, dem Zählen von Figuren am Stiefelbrunnen und der unerwarteten Auflösung des Falles. Die ist allerdings auch von Öffnungszeiten abhängig. Sonntags oder spät abends fällt das Finale aus. Bei diesem gut gemachten Multicache fühlt man sich wie der Symbolforscher Robert Langdon in Dan Browns Roman "Illuminati". Doch wir finden bei der Schnitzeljagd keine toten Kardinäle in Rom sondern Schatzkästchen und Filmdosen mit neuen Rätseln in Döbeln.

 

Toni Werner hat sich zwischenzeitlich im Logbuch des Caches eingetragen. Die letzten Geocacher, die das Döbelner Krimirätsel knackten, waren am 30. Juni und am 2. August an der sechsten und letzten Station. Insgesamt stehen 25 Einträge im Logbuch, seit der Multicache am 1. September 2012 gelegt wurde. Zwei Nutzer gaben laut Internet unterwegs auf. "Ein gut gemachter Multicache und zwei Stunden gute Unterhaltung in Döbeln", wird Toni Werner später auf der Internetseite loben.

Thomas Sparrer

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