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Döbeln Kultstatus: Jahnataler üben in der Eschkemühle
Region Döbeln Kultstatus: Jahnataler üben in der Eschkemühle
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00:37 13.08.2015
Holker Fischer, musikalischer Leiter, tritt vor die Kapelle. Auch das Aufstehen mitten im Stück muss geübt werden. Quelle: Steffi Robak
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Die Musiker proben den Sommer hindurch, immer donnerstags, meistens im Domizil des Jahnaer Heimatvereins in der früheren Feuerwehr. Doch einmal im Jahr gibt es in der Eschkemühle eine öffentliche Live-Probe. Da verbietet sich das Kapitulieren vor der Sonne - fürs Orchester und das Publikum.

So wie hier ist die Kapelle selten zu erleben: In kurzen Hosen und Röcken, T-Shirts und luftigen Blusen statt in ihrem Auftritts-Outfit. Etwa 40 bis 50 Zuhörer bevölkern ringsum Plastikstühle und Mauersitzplätze. "Schön ist es auf der Welt zu sein", "Du kannst nicht immer 17 sein" oder "Er hat ein knallrotes Gummiboot" wird vorn trompetet, posaunt und getrommelt. Dazu wippen im Publikum Füße und nicken Köpfe. Wer denkt, die Musik komme nur bei grauhaarigen Fans an, wird eines Besseren belehrt. Da fasst ein vierjähriges Mädchen eine Frau an den Händen zum Tanzen. Ein Paar mit Jagdhund an der Leine unterbricht den Abendspaziergang und nimmt auf der Wiese Platz; der Vierbeiner kullert sich im Gras und lässt sich den Bauch kraulen.

Die nach dem Mühlenabriss stehen gelassenen Bruchstein-Mauern der Eschkemühle liefern nicht nur eine gute Akustik, sondern die perfekte Kulisse für den Event, der entspannter nicht sein kann - irgendwie Kult. Da stört es überhaupt nicht, dass auf der Straße vor den offenen Fenstern große Erntetrecker und Mähdrescher vorbei brummen.

Die Musiker geben ihr Bestes, spielen souverän ihr Programm, harren schweißgebadet aus in der Hitze. Mehr als anderthalb Stunden lang wird gespielt. Bei Stücken wie "Aus ganzem Herzen Blasmusik..." erheben sich die Musiker nach Choreografie von den Plätzen. Es folgt Szenenapplaus. Einen Dirigenten gibt es nicht, jedoch tritt der musikalische Leiter Holker Fischer mit seiner Trompete vors Orchester, dreht sich spielend zum Publikum - ein Stück für alle im Stehen - und der Applaus der Zuhörerschaft ist dem Ensemble sicher. "Wir sind Kinder von der Eee-ger..." wird aus den Zuhörerreihen mitgesungen. Kein Zweifel: Musik vom Blech im klassischen böhmischen Stil ist das Markenzeichen der Original Jahnataler Blasmusik und auch das, was die Zuhörer wollen. Die über 50 Jahre alte Kapelle bleibt Walzer, Marsch und Polka treu und damit auch sich selbst. "Klassiker wie Rosamunde sind einfach unerlässlich", sagt Posaunist und Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling. Damit zur Probe alle Gäste sitzen können, hat er Bänke und Stapelstühle im Autoanhänger dabei. Ein Getränkehändler sorgt aus dem Transporter für Abkühlung. Es kam auch schon die Idee auf, die Feuerwehr könnte bei so einer Probe grillen. "Und wir brauchen unbedingt ein Sonnensegel", überlegt Schilling. Dann könnten hier auch mal Kindertanzgruppen auftreten, selbst wenn die Sonne ihr Bestes gibt. Die Musiker, ausgerüstet mit Handtuch, Sonnenbrille und Trinkflasche neben dem Notenständer, scheinen fast zu zerfließen.

Erst gegen 21 Uhr wird es allmählich kühler. Da warten die Bläser mit einer Premiere auf: Das neu einstudierte Stück von Ernst Mosch "Im Wäldchen" kommt so frisch und beschwingt daher wie alle Stücke zuvor. Hier sind eben Könner am Werk. Für ihren Mit-Musiker Heiko Winkler spielen sie noch ein Ständchen, denn am Vortag feierte er Geburtstag. Dann verabschiedet Schilling die Zuhörer und sinniert: "Eigentlich machen wir das hier viel zu selten."

Steffi Robak

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