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Döbeln Kloster Buch: Neue Ideen, alte Geheimnisse
Region Döbeln Kloster Buch: Neue Ideen, alte Geheimnisse
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13:54 21.02.2018
Andreas Schlicke, Korbflechter zum Kunst- und Handwerkermarkt im Kloster Buch. Quelle: Sven Bartsch
Klosterbuch

Wie fertigte die eingeborene Bevölkerung auf dem Gebiet vom heutigen Sachsen die Glasperlen für ihren Schmuck? Zum Handwerkermarkt im Kloster Buch hatte Mandy „Freyja“ Thiele derartige Perlen zu verkaufen. Eines Tages kommt sie mit Lehmofen und Blasebalg wieder und führt vor, wie sie diese herstellt.

Hämmern in der alten Schmiede

Handwerkermarkt im Kloster Buch: Das ist weithin zu hören. Dafür sorgen Andreas Vogel und Dieter Reißmann in der alten Schmiede, gleich am Eingangstor zum Kloster. Das Schmiedefeuer faucht angriffslustig. Sobald Vogel ein heißes Eisen auf dem Amboss legt, darf Reißmann kräftig ausholen. An den Schmiedhammerklängen von Eisen auf Eisen ist zu erkennen: es ist was los auf dem Klosterhof und im Kuhstall.

Bockwurst ausverkauft: Gutes Zeichen

Dort versammeln sich vor allem am Nachmittag die Gäste, bummeln von Stand zu Stand oder nehmen an Biertischgarnituren Platz. Die Mitglieder vom Förderverein Kloster Buch verkaufen Kaffee und Kuchen. Die Bockwurst ist am Nachmittag beizeiten ausverkauft – der Handwerkermarkt ist gut besucht, heißt das.

Aufwärmen im alten Kuhstall

Rica Zirnsack hinterm Tresen ist gut gefordert. Denn vom Streifzug durch das Klosterareal ist mancher hungrig und durchgefroren. Im Kuhstall bietet sich nicht allein Gelegenheit zum aufwärmen, sondern auch zum Umschauen. Burkhard Männel aus Dresden-Loschwitz zeigt seine in Stein gehauenen Arbeiten – vom Nilpferd bis zum Segelschiff – die in der Wohnung, auf dem Balkon oder im Garten sicher eine gute Figur abgeben.

Stein in Groß und auch viel kleiner

Steine in kleiner Dimensionen kommen zum diesjährigen Handwerkermarkt ebenfalls groß raus. In Form von Schmuck zum Beispiel. Aus Fell Gefertigtes und Gestricktes ist zu haben, wurde in Roßwein von Thomas Krebs oder in Leisnig von Rita Reißmann angefertigt – kommt also von um die Ecke. Den Organisatoren vom Förderverein um seinen Vorsitzenden Heiner Stephan gelang es dennoch, dass sich auch wieder neue Anbieter an den Ständen in den Werkstätten des Klosters einfanden.

Glasperlen - tausend Jahre altes Handwerk

Darunter zum Beispiel Mandy Thiele aus Mahlitzsch, unter dem Namen Freyja sonst mit ihrer Schildwolfsippe unterwegs. Sie pflegt ein seit tausend Jahren bekanntes Handwerk: die Herstellung von Schmuckperlen aus Glas. Ihr geht es ums Vermitteln von historischem Hintergrund. Sie fertigt die Perlen nach Vorbildern aus Grablegen von Wikingern und Slaven. Letztere siedelten auf heute sächsischem Gebiet, lange bevor der Begriff „Sachsen“ in diesen Landstrich gelangte.

Zufallsfunde nach Blitzeinschlag

„Die Lommatzscher Pflege ist uraltes Slavensiedlungsgebiet“, erläutert sie. Heute fertigt sie die Perlen wie die Slaven damals in hiesigen Breiten, am Lehmofen und mit dem Blasebalg. Woher sie damals das Glas hatten? „Zufallsfunde an Flussufern, nach Blitzeinschlägen“, sagt sie und weiß auch: Im Siedlungsgebiet der äußerst fruchtbaren Lommatzscher Pflege wurde über weite Strecken hinweg Handel getrieben. So kam auch Glas für Schmuckperlen hier her. Zu einer der nächsten großen Veranstaltung im Sommer würde Mandy Thiele gern mit ihrem Lehmofen und Blasebalg nach Klosterbuch kommen und vorführen, wie sie eine solche Perle herstellt.

Schlafsaal der Mönche immer zugig

Wer das Kloster Buch besucht, hat auch immer Gelegenheit, etwas aus der etwas jüngeren Geschichte zu erfahren, nämlich wie die Mönche hier etwa 300 Jahre lang lebten. Ilka Faulwetter erklimmt zusammen einer Gruppe die steile Stiege hinauf zum Schlafsaal der Mönche. „So kühl und zugig wie heute war es damals auch, und zwar den ganzen Winter über“, erzählt sie. Geheizt wurde der Raum generell nicht. Die Gäste mit ihren Kapuzen an den Anoraks geraten in ungläubiges Schaudern.

Geheimnisvolle rote Ornamente

Kaum zu glauben, dass unter diesen widrigen Umständen so wunderschöne, wenngleich in den Fensternischen verborgene Malereien an die Schlafsaalwände gezeichnet wurden: Ein Wildschwein an einem Baum zum Beispiel, ein üppiger Sternenhimmel oder auch diese seltsamen Ornamente in roter Farbe. „Ob es Sternzeichen sein sollen oder doch etwas anderes? Das ist unbekannt“, so Ilka Faulwetter. Die Mönche behalten auch ein halbes Jahrtausend nach ihrer Zeit im Kloster Buch das Geheimnis ihrer Zeichen für sich – wer sie sehen will, braucht nur ins Kloster Buch zu kommen.

Von Steffi Robak

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