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Kurz rasten, schnell weiter...

Kurz rasten, schnell weiter...

Das wäre es doch! Bei Stau auf der Autobahn zwischen Leisnig und Nossen fahren alle Reisenden einfach ab und verbringen ihre Ferien im Burgenland statt an der Ostsee.

Region Döbeln.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus als Vinnis Blick. Die meisten Urlauber nutzen die Autobahn im Döbelner Land als "Transitstrecke". Wenn sie stoppen, dann nur, um kurz Pause zu machen. Die DAZ hat deshalb die Raststätten und -plätze an der A14 im Altkreis Döbeln unter die Lupe genommen. Sind sie ein Aushängeschild für die Region? Wird irgendwie versucht, den Gast neugierig auf den Landstrich zu machen, in dem er gerade rastet?

 

Der erste Eindruck, den die vier getesteten Plätze machen, ist nicht schlecht. Sowohl die Raststätte Hansens Holz, als auch der gleichnamige Park- und Rastplatz gegenüber und die beiden Park- und Rastplätze Am Mühlenberg bei Leisnig sehen auf den ersten Blick recht freundlich aus. Die Rasenflächen sind gepflegt, es gibt genügend Sitzgruppen zum Ausruhen und Picknicken, die Abfalltonnen und Papierkörbe quellen nicht über. Vor allem die Bepflanzung mit Bäumen und Sträuchern fällt positiv auf. "Ich kenne Rastplätze in ganz Deutschland, die sehen im Gegensatz zu hier echt trostlos aus", sagt Sören Marter, der in der Nähe von Dortmund wohnt und in der Sächsischen Schweiz Urlaub machen will. Es gibt Notrufsäulen für den Ernstfall. Was im Gegensatz zur Raststätte Hansens Holz bei den anderen drei Plätzen ebenfalls angenehm wirkt: schon beim Bau angelegte und begrünte Erdwälle schlucken einen Großteil des Autobahnlärms. Der mitgebrachte Kaffee kann tatsächlich in einigermaßen Ruhe genossen werden.

 

Wer Hansens Holz aus Richtung Dresden ansteuert, muss die Verpflegung nicht im Gepäck haben. "Wir kochen hier noch selbst. Manche halten nur deshalb an, weil sie unsere Gulaschsuppe essen wollen", sagt eine nette Mitarbeiterin der Raststätte. Sie spüre deutlich, dass gerade Ferien sind. Es sei mehr los als sonst. "Vor allem viele Holländer kehren bei uns ein. Die sind sehr geduldig. Während der Deutsche umkehrt, wenn er eine Schlange am Kaffeeautomaten sieht, stellt sich der Holländer einfach an." Generell sei der Betrieb an der bewirtschafteten Raststätte in den letzten Jahren zurückgegangen. Es ist nicht mehr durchgängig, sondern nur noch von 6 bis 22 Uhr geöffnet.

 

Was der Reisende, der sich länger die Füße vertreten möchte, bei Hansens Holz ebenfalls findet: einen Ausgang aus der Autobahnwelt - bundesweit ist das an Raststätten wegen errichteter Zäune mittlerweile eine große Seltenheit. Ein Trampelpfad führt über eine Wiese, vorbei an wilden Pflaumen und Sonnenblumen auf einen Weg. Der mündet auf einer kleinen Anhöhe. Unweit grüßt leuchtend das Chorener Schloss. Das würde man gern aus der Nähe sehen...

 

Ansonsten lässt die touristische Werbung zu wünschen übrig. Die Raststätte plakatiert groß für Thüringer und nicht für die genauso gut schmeckenden heimischen Roßweiner Roster. An der Infotafel findet sich unter der Hotel-Rubrik kein Hinweis auf Übernachtungsmöglichkeiten in der Region. Im Gegenteil: es gibt einen Tipp für den Luthergarten in Wittenberg. Auf dem gegenüberliegenden Rastplatz gibt es gar keine Infotafeln und jene an den Raststätten Am Mühlenberg sind völlig ohne Informationen. Dafür sind dort zumindest die Toilettenhäuschen mit regionalen Motiven verziert.

 

Bei Ordnung und Sauberkeit steckt der Teufel im Detail. Der Hausmeistereinsatz an der Raststätte Hansens Holz, bei dem regelmäßig Zigarettenkippen zusammengekehrt werden, macht sich positiv bemerkbar. Dort ist auch die Toilettenanlage am saubersten, die Benutzung kostet 30 Cent. Die kostenlosen Toiletten an den drei Park- und Rastplätzen befinden sich in vertretbarem Zustand, in zwei Fällen war allerdings das Klopapier "bei den Männern" alle. "Für die Unterhaltung der Park- und Rastanlagen entlang der sächsischen Autobahnen wenden wir jährlich mehrere zehntausend Stunden auf", sagt Isabell Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Mitarbeiter der Autobahnmeisterei berichten hinter vorgehaltener Hand, dass die Toilettenhäuser oft saumäßig aussehen, das ihnen Vandalismus und Diebstahl immer mehr zu schaffen machen und sie mit Reparaturen manchmal nicht hinterher kommen. Auch sei illegale Müllablagerung auf den Rastplätzen an der Tagesordnung.

Olaf Büchel

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