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Lahme Ente Trump und sicherheitsbedürftiger Putin

Gut Gödelitz Lahme Ente Trump und sicherheitsbedürftiger Putin

Das Thema war seit Monaten angesetzt, hätte aber kaum aktueller sein können: „Europa zwischen Trump und Putin“ hieß die Überschrift des Gesprächsabends auf Gut Gödelitz am Sonnabend. Axel Schmidt-Gödelitz hatte mit Horst Teltschik den ehemaligen Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz (1999-2009) eingeladen – einen ausgewiesenen Russland-Kenner mit persönlichen Kontakten zu Gorbatschow, Putin und anderen Größen der russischen Politik.

Horst Teltschik (r.) und Axel Schmidt-Gödelitz waren sich einig, dass Europa intern und gegenüber den USA Zusammenhalt demonstrieren müsse.

Quelle: Sebastian Fink

Gödelitz. Das Thema war seit Monaten angesetzt, hätte aber kaum aktueller sein können: „Europa zwischen Trump und Putin“ hieß die Überschrift des Gesprächsabends auf Gut Gödelitz am Sonnabend. Axel Schmidt-Gödelitz hatte mit Horst Teltschik den ehemaligen Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz (1999-2009) eingeladen – einen ausgewiesenen Russland-Kenner mit persönlichen Kontakten zu Gorbatschow, Putin und anderen Größen der russischen Politik. Als Vertrauter des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU, 1982-1998) hatte Teltschik zudem den deutschen Einigungsprozess hautnah miterlebt.

Vor 210 Gästen in der restlos gefüllten Alten Schäferei eröffnete Axel Schmidt-Gödelitz – viel beglückwünscht zwei Tage nach seinem 75. Geburtstag – den Abend mit ernsten Worten. „Für uns Ältere war Europa ein Hoffnungsprojekt. Für die Jüngeren ist vieles selbstverständlich – das Reisen, die einheitliche Währung, der Frieden. Doch jetzt müssen wir lernen: Nichts ist selbstverständlich. Da nützt es nichts, sich wegzuducken und das Thema klein zu reden.“

Alsdann übernahm Horst Teltschik das Redepult, berichtete über persönliche Treffen mit Politikern aus aller Welt, vor allem aus Russland und den USA. Und er zeigte sich als Mahner, mit den Russen zusammen zu arbeiten, statt sie weiter von Europa zu entfernen. „Russland hat drei Divisionen an der polnischen Grenze aufgestellt. Die Nato steht in Bataillonsstärke im Baltikum. Haben wir dadurch nun mehr Sicherheit in Europa?“, fragte Teltschik in die Runde. Unter den Nato-Truppen seien auch deutsche Soldaten – erstmals an der russischen Grenze seit dem Zweiten Weltkrieg. „Da muss man die Russen auch mal verstehen.“ Und: „Der Schlüssel in den Beziehungen zu Russland ist die Sicherheit. Das Sicherheitsbedürfnis der Russen ist maßlos, aber in der Politik zählt nicht immer die Realität, sondern die Perzeption. Das Gefühl der Einkreisung ist in Russland sehr stark.“

An US-Präsident Donald Trump ließ Teltschik derweil kein gutes Haar. „Verbal ein Großmaul, operativ bisher aber eine lahme Ente“ mit Reden „von keiner Sachkenntnis getrübt“, erklärte er. Dennoch sei man gut beraten sich auf vier Jahre Trump einzustellen. Den europäischen Staatschefs riet Teltschik, sich vor dem Nato-Gipfel in Brüssel im Mai und dem G20-Treffen im August in Hamburg, an denen Trump teilnehmen wird, auf eine gemeinsame Linie zu einigen. „Wir müssen uns einig sein: Das werden wir tun und es dann vortragen und nicht abfragen, dürfen wir das oder das tun“, forderte der Redner.

Zugleich müsse die Nato unbedingt erhalten bleiben – nicht vorrangig als Gegenpol zu Russland, sondern vor allem wegen der anderen europäischen Staaten rund um Deutschland. „Die Nato ist notwendig, weil die Nachbarn Deutschlands besser mit einem starken Deutschland leben können, wenn es im selben Bündnis steckt. Wir haben leider noch nicht das Vertrauen aller Nachbarn. Völker vergessen nicht.“

Von Sebastian Fink

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