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Döbeln Landärzte auf Rückzug in die Stadt
Region Döbeln Landärzte auf Rückzug in die Stadt
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23:52 15.01.2014
Zugelassene Ärzte in ländlich geprägten Regionen finden immer seltener medizinischen Nachwuchs, dem sie ihre Praxen und Patienten übergeben können. Quelle: Rolf Vennenbernd

Die Zahl der Einwohner nimmt dort stetig ab, während das Durchschnittsalter der verbliebenen Bevölkerung und infolge dessen auch die Morbidität steigt", erklärt Dr. Ingo Mohn, Sprecher der Landesstelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen. Gleichzeitig werden auch die dort tätigen Hausärzte immer älter und, so Mohn weiter, "es wird zunehmend schwieriger, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden."

Ein Beispiel, wo das geklappt hat, findet sich in der beschlossenen Übernahme der Roßweiner Kinderarztpraxis von Dr. Ulrike Schubert durch das erweitere Kollegenteam des Döbelner Kinderarztes Dr. Eckhardt Erdmann. "Wir haben - nach hohem bürokratischen Aufwand - die Übernahme ab Anfang April beschlossen." Mit Susanne Bley, die Erdmann in ihrer Facharztausbildung begleitet, wird er die inzwischen 40 Jahre praktizierende und mittlerweile 69-jährige Kinderärztin ablösen.

Gerade in der haus- und fachärztlichen Versorgung in Mittelsachsen sieht es mit dem medizinischem Nachwuchs fatal aus. Vor diesem Hintergrund hat die KV Sachsen zahlreiche Maßnahmen zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung auf den Weg gebracht: Fördermaßnahmen für Regionen mit drohender Unterversorgung, Akquise ausländischer Ärzte, Ausbildungsbeihilfen und Weiterbildungen.

Die nackten Zahlen stimmen noch (!) versöhnlich. Der Grad der vertragsärztlichen Versorgung durch Hausärzte im Altkreis Döbeln liegt bei 90,1 Prozent - 42,2 Arztstellen würden den errechneten Versorgungsbedarf im Altkreis abdecken. 38 Hausärzte arbeiten in der Region. Alarmierender die Lage bei den Fachärzten - der Versorgungsgrad bei den Augenärzten liegt in der Region Döbeln bei lediglich 87,5 Prozent. Mit der Einrichtung der MVZ (Medizinische Versorgungszentren wie in Leisnig, siehe Tabelle) seit der Gesundheitsreform 2003 stabilisiert sich die Versorgungssituation. Nur vorübergehend, wie die Experten prognostizieren.

Auch der Landkreis Mittelsachsen engagiert sich für entsprechende Reformen, die das Interesse für den medizinischen Beruf auf dem Lande verstärken sollen. Weil auch in Freiberg bekannt ist, "dass die ärztliche Versorgung gerade im ländlichen Raum in der Zukunft problematisch wird", bestätigt der Zweite Beigeordnete des Landratsamtes, Dieter Steinert. Im Detail geht es dabei um die Gewährleistung der wohnortnahen Versorgung der Bevölkerung durch niedergelassene Ärzte, um den medizinischen Nachwuchs in unseren Krankenhäusern sowie um die Absicherung des Rettungsdienstes. Steinert: "Wir müssen uns für nachhaltige Strategien einsetzen und nicht nur auf kurzfristige Anreize orientieren. Hier stellt sich die Frage, ob der zukünftige praktizierende Arzt bereits durch seinen Abiturdurchschnitt beweisen muss, dass er mal ein guter Mediziner wird, sprich der Bestand des Numerus Clausus muss geprüft werden." Stattdessen müsse die Ausbildung der Ärzte mehr Praktika in ländlich geprägten Regionen (Krankenhäusern wie Praxen) enthalten. Die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und den Krankenhäusern sollte "sowohl beim Rettungsdienst als auch bei den ärztlichen Bereitschaftsdiensten intensiviert werden", ergänzte Steinert. Eine Einschätzung, die auch die KV Sachsen teilt: "Das Interesse an einem Medizinstudium ist ungebrochen, doch kann aufgrund des hohen Numerus Clausus nur ein Teil der Studienplatzbewerber in Deutschland das Medizinstudium aufnehmen. Dabei werden soziale Kompetenzen und die persönliche Eignung für die ärztliche - besonders die patientennahe - Tätigkeit bei der Auswahl der Bewerber ungenügend berücksichtigt", schreibt die Vereinigung in einem Offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Thomas Lieb

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