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Döbeln Landkreis schafft Heimplätze für jugendliche Asylbewerber in Döbeln
Region Döbeln Landkreis schafft Heimplätze für jugendliche Asylbewerber in Döbeln
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11:25 11.11.2015
Angekommen: Dieser 16-Jährige aus Eritrea ist Nürnberg untergekommen. Auch der Landkreis Mittelsachsen bereitet sich darauf vor, minderjährige Flüchtlinge unterzubringen. Quelle: dpa
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Region Döbeln

Derzeit leben 16 minderjährige Ausländer im Landkreis, die vor Krieg und Verfolgung aus ihrem Heimatland geflohen sind. Heidi Richter, Abteilungsleiterin im Kreis- Jugendamt, rechnet mit künftig 150 solcher Flüchtlinge pro Jahr für den Landkreis Mittelsachsen. Im jüngsten Jugendhilfeausschuss des Kreistages sagte sie aber auch, dass es bisher noch keine belastbare Zahlen gebe. Fest stehe bisher nur, dass der Landkreis 7,75 Prozent der in Sachsen ankommenden minderjährigen Flüchtlinge unterbringen muss. „Es gibt in dieser Gleichung viele Unbekannte, zum Beispiel die Zahl der Neueinreisen, Inanspruchnahmen der Übergangsregelungen, Quotenerfüllung innerhalb Sachsens und verfügbare Plätze in Sachsen insgesamt“, so Heidi Müller. Landrat Matthias Damm (CDU) sagte, dass man sich derzeit auf gemeldete Zahlen überhaupt nicht mehr verlassen könne. „Die Halbwertszeiten sind bei diesem Thema von Aussage zu Aussage geschrumpft“, so der Landrat. Aus diesem Grund hat das Kreisjugendamt auch noch keine fertige Konzeption vorgelegt. Wahrscheinlich hätte es diese sowieso wieder ändern müssen.

Einige Eckpunkte teilte Heidi Richter denn aber doch mit: Zum Beispiel, dass der Kreis die Anzahl der Heimplätze stufenweise erhöhen wird. Derzeit gibt es 28 freie Plätze, Ende des Monats sollen es 40 sein. Im Dezember sollen 17 und im Januar 86 neue Plätze dazu kommen. Auch in der Region Döbeln sollen die minderjährigen Flüchtlinge unterkommen. In Döbeln wäre in Einrichtungen von freien Trägern noch Platz für vier Jugendliche, in Großweitzschen Platz für zwölf, beziehungsweise 16 junge Flüchtlinge. In Döbeln will das Jugendamt die Plätze „zeitnah“ belegen, wie es in einer Präsentation des Jugendamtes zum Thema heißt. In Großweitzschen ist es demnach noch offen, ob und wann die Asyl-Jugendlichen einziehen können. „Bisher kommen die Jugendlichen in der klassischen stationären Betreuung, also in Heimen, unter. Wir würden sie aber auch gerne in Pflegefamilien geben. Die Resonanz auf einen entsprechenden Aufruf ist aber verhalten“, sagt Carmen Randhahn-Renner, Referatsleiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes im Landkreis.

SPD-Bundestagsabgeordnete Simone Raatz. Quelle: Wolfgang Sens

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Simone Raatz sagt zur Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden im Landkreis Mittelsachsen: „Es ist gut und wichtig, dass sich unser Landkreis der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden annimmt. Auch wenn es für uns befremdlich wirkt, dass minderjährige Jugendliche alleine ihre Flucht antreten, muss sichergestellt werden, dass sie, ebenso wie unsere einheimischen Kinder und Jugendlichen, eine entsprechend am jeweiligen Bedarf orientierte Betreuung bekommen. Sie werden diejenigen sein, die sich von der Gruppe der Asylsuchenden am leichtesten integrieren lassen, wenn wir von Anfang an darauf achten. Kinder und Jugendliche, die ohne Familie nach Deutschland geflüchtet sind, haben traumatische Erlebnisse hinter sich. Wir müssen ihnen die Chance geben, sich ein geregeltes Leben aufzubauen und die Erlebnisse aus Krieg und Flucht zu verarbeiten. Für alle Kinder und Jugendlichen, egal ob Deutsche oder Flüchtlinge gilt, dass die Gesellschaft ihnen die optimalen Chancen für den Start in ein selbstbestimmtes, sorgenfreies und normales Leben bieten sollte. Dafür braucht es auf jeden Einzelfall abgestimmte Projekte oder Programme, die den individuellen Hilfebedarf abdecken. Die Jugendlichen gegenseitig aufgrund ihrer Nationalität oder Herkunft auszuspielen, widerspricht diesem Ansatz und hilft nicht weiter. Wenn wir allen unseren Kindern und Jugendlichen jetzt präventiv helfen, werden sie als Teil unserer Gesellschaft zukünftig ihren Beitrag für das Ganze leisten. Schließen wir sie aus, wird dies nicht gelingen. Folgekosten nicht nur im Sozialbereich wären die Konsequenz.“

Von Dirk Wurzel

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