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Lawinen stoppen

Lawinen stoppen

Sonntag war wieder mal Schlammtag. Durch einen Gewitterguss floss die braune Suppe von den Feldern, bedeckte Straßen und Grundstücke in der Region.

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Hier wabert er hin - der gute Ackerboden der Döbelner Region. Bei Starkregen von den Feldern heruntergespült, steht die Pampe jetzt regelmäßig auf und an der Bundesstraße 175 am Autobahnanschluss Döbeln-Ost. Auch etliche Wohngrundstücke in Roßweiner und Döbelner Ortsteilen sind wiederholt betroffen.

Quelle: Wolfgang Sens

Region Döbeln. Mittlerweile ein gewohnter Anblick. Hinter den Kulissen wird von verschiedenen Seiten daran gearbeitet, das Problem endlich in den Griff zu bekommen.

 

Weggeschoben, sauber gespült und dann auf ein Neues. Dieser Eindruck könnte entstehen, verfolgt man die Schlamm-Lawinen, die inzwischen regelmäßig die Bundesstraße am Autobahnanschluss Döbeln-Ost überziehen. Die Männer in den orangen Overalls sind bald darauf zur Stelle und putzen geduldig alles wieder weg. Ist ja ihr Job. Was das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) gegen diese Form der Steuergeldverbrennung unternimmt, will es in einigen Tagen beantworten. Auf jeden Fall habe man das leidige Thema auf dem Schirm, sagt Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert.

 

Jetzt schon den Kanal voll vom Schlammräumen und Putzen haben die Grundstücksbesitzer, die es dieses Jahr nun schon zum vierten oder fünften Mal erwischt hat - zum Beispiel in Naußlitz. "Wir sind gemeinsam an der Sache dran", versichert Manfred Graetz, erster Beigeordneter des Landkreises Mittelsachsen. Gemeinsam heißt, das Amt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie, Straßen-, Umwelt- und Bodenschutz-Behörde des Landratsamtes, betroffene Kommunen und Landwirte befassen sich mit dem Schlammproblem. Laut Graetz gab es bereits Gespräche und wird es weitere Beratungen geben. "Es wurde nahezu einvernehmlich diskutiert, dass bei der nachfolgenden Feldbewirtschaftung etwas passieren muss", sagt der Beigeordnete. Graetz nennt speziell den Umgang der Landwirte mit den Rand- und flurstücksnahen Bereichen der Felder.

 

Die Kommunen selbst sind auch schon aktiv geworden. Um Wasser- und Schlammmassen, die vom Maisfeld gerauscht kommen, möglichst vom Grundstück der mehrfach betroffenen Naußlitzer Familie Bachmann fern zu halten, hat die Stadt Roßwein den Bau eines größeren Durchlasses veranlasst. "Der Auftrag wurde schon vor drei Wochen ausgelöst. Die notwendigen Bauteile müssen extra im Betonwerk angefertigt werden. Sobald diese da sind, kann es losgehen", erklärt Bauamtsleiterin Petra Steurer, fügt aber gleich hinzu: "Der Durchlass alleine rettet Bachmanns nicht." Zusätzlichen Schutz soll ein Wall entlang des angrenzenden Feldes bieten, zu dessen Errichtung sich der bewirtschaftende Bauer verpflichtet habe. "Der Wall kommt, wenn der Durchlass fertig ist", bestätigte erst am Montag ein Mitarbeiter des Bauern der Familie Bachmann vor Ort.

 

Statt Bauer ist landwirtschaftlicher Unternehmer wohl zutreffender. Gemeint ist Gerhard Gröbner, der laut eines Internetfilms insgesamt 3200 Hektar Land an verschiedenen Standorten in Ostdeutschland bewirtschaftet. Einen Teil davon im Großraum Döbeln mit den Hauptkulturen Winterweizen und Mais. Gröbner war gestern für eine Stellungnahme zum Thema nicht zu erreichen. Ein Handy-Gespräch zur Schlammproblematik wollte eine Mitarbeiterin ihrem Chef nicht zumuten.

 

Bevor sich die Stadt Döbeln direkt an die Landwirte wendet - mit Sörmitz und Stockhausen wurden am Wochenende erneut Ortsteile von Schlammmassen heimgesucht - will sie die richtige Herangehensweise abchecken. "Wir haben uns mit einem Schreiben an das Landratsamt gewandt, wir bitten um Informationen und Mithilfe", sagt Maja Köhler vom Planungsamt der Stadt. Dabei gehe es zum Beispiel um mögliche Förderungen oder um die Variante der Flächenumwandlung. Für Mitte August ist ein Gesprächstermin mit dem Leiter des Referates Naturschutz und Landwirtschaft im Landratsamt vereinbart. Köhler strebt eine sensible Herangehensweise an. "Zu den Landwirten zu gehen und zu sagen: nun macht mal - das wird nix. Diese sind schließlich bestrebt, jeden Zentimeter ihrer Flächen auszunutzen." Trotzdem müsse es Möglichkeiten geben, die starke Erosion und damit verbundene Schäden einzudämmen. Maja Köhler nennt hier Schutzstreifen oder Gräben an den Feldern. Dass der Maisanbau nicht alleine Schuld ist, habe das Ereignis am Sonntag in Stockhausen gezeigt. Dort war ein abgeerntetes Rapsfeld das Problem. Döbeln wolle bei angestrebten Maßnahmen an gute Erfahrungen anknüpfen. So konnte laut Köhler bei Miera ein Acker zur Wiese umgewandelt und somit das weitere Überschwemmen eines Radweges verhindert werden. Oberhalb der Roßweiner Straße half eine Aufforstung gegen Bodenerosion. Köhler: "Es sind viele, auch kleinere Dinge, die in der Summe helfen können."

Olaf Büchel

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