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Leben retten geht vor: Blaulichttreffen in Gleisberg

Führungskräfteschulung Leben retten geht vor: Blaulichttreffen in Gleisberg

Fast alles, was mit Blaulicht fährt, traf sich am Sonnabend in der Gleisberger Feuerwache: Die Feuerwehr des Landkreises Mittelsachsen lud zur Schulung von Führungskräften bei Bahnunglücken und Rettungsdienst, Polizei und Wehren aus dem Landkreis kamen zum Tagesseminar. Quintessenz: Leben retten geht vor Regeln.

Udo Hoffmann (stv. Gemeindewehrleiter Roßwein), Christian Oertel (Notfallmanager Deutsche Bahn), Gunter Philipp (Leiter Rettungswache Leisnig), Kay Müller (stv. Kreisbrandmeister) und Mario Hehrhold (Polizeihauptkommissar Chemnitz, v.l.) bei der Schulung in Gleisberg.
 

Quelle: Sebastian Fink

Gleisberg.  Ungewöhnliches Bild im 500-Einwohner-Örtchen Gleisberg bei Roßwein am Sonnabend: Rund um die Feuerwache und überall im Ort verteilt stehen Einsatzwagen der Feuerwehr, der Bundespolizei und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Alles, was Blaulicht trägt, ist versammelt, 76 Vertreter insgesamt. Aufruhr gibt es im Dorf trotzdem nicht, denn nicht ein Großeinsatz ist die Ursache für das illustre Treffen sondern eine von der Feuerwehr des Landkreises Mittelsachen einberufene Führungskräfteschulung. „Wir machen so etwas zwei Mal im Jahr mit einer Ortsfeuerwehr zusammen, die uns bei der Organisation und Durchführung unterstützt“, erklärt der stellvertretende Kreisbrandmeister Kay Müller.

Das Thema für das Acht-Stunden-Seminar: „Einsätze auf Bahnanlagen“. Ein Thema, das Feuerwehren und Rettungsdienste glücklicherweise relativ selten betrifft. „Es gibt verhältnismäßig wenige Unfälle mit Schienenfahrzeugen, aber wenn es passiert, hat es große Auswirkungen“, sagt Müller. Nur acht bis zehn Einsätze seien es zwischen Freiberg und Plauen im Monat, wobei auch umgestürzte Bäume und Suizide mitgezählt werden.

Dabei ist den Einsatzkräften grundsätzlich bewusst, wie sie im Notfall mit Zügen helfen können. Undurchsichtiger ist die Vorgehensweise vom Notruf bis zum Beginn des Einsatzes. Denn bevor die Unfallstelle betreten werden darf, muss eine Streckensperrung angefragt werden. Der Adressat dafür ist nicht immer klar. „Wir waren ja der irrigen Annahme, der Notfallmanager der Bahn ist immer der Ansprechpartner. Tatsächlich muss aber der jeweilige private Streckenbetreiber gefragt werden“, sagt Roßweins stellvertretender Gemeindewehrleiter Udo Hoffmann.

Um solche Missverständnisse künftig zu vermeiden, hat Kay Müller den Notfallmanager der Deutschen Bahn für die Bezirke Freiberg, Chemnitz, Zwickau und Plauen, Christian Oertel, persönlich eingeladen. In seinem Referat hat er wertvolle Hinweise für die Einsatzkräfte gegeben, wie die Informationskette funktioniert. „Wir wollen die Leute dafür sensibilisieren, dass sie bei der einen Strecke uns und bei einer anderen wiederum einen anderen Betreiber ansprechen müssen“, erklärt Oertel. Allein am Bahnhof Nossen gebe es inzwischen drei verschiedene Streckenbetreiber.

Im Notfall lautet die Meldekette: Ein Unfall wird bei der Rettungsleitstelle gemeldet, normalerweise unter 112 oder 110. Diese informiert die Leitstelle des jeweiligen Streckenbetreibers werden. Dieser sperrt die Gleise. „Erst, wenn die Bestätigung dafür bei den Rettungskräften vorliegt, können sie die Gleise betreten“, bekräftigt Oertel und weist auf die Gefahren hin: „Auf der Schiene werden große Massen bewegt, dementsprechend sind die Bremswege. Und die Oberleitungen führen 15 000 Volt“, warnt er.

Normalerweise ist die Meldekette eine Sache von wenigen Minuten, haben die Rettungskräfte die Bestätigung der Streckensperrung schon, wenn sie am Unfallort eintreffen. Würde diese im Notfall noch nicht vorliegen, beispielsweise bei einem brennenden Waggon, und Feuerwehrleute würden trotzdem zur Rettung von Fahrgästen auf die Schienen eilen, begäben sie sich zwar in akute Lebensgefahr. Strafbar machen sie sich jedoch nicht. „Im Prinzip wäre das unbefugtes Betreten von Gleisanlagen, eine Ordnungswidrigkeit. In dem Fall kann der Beamte entscheiden, ob er eine Strafe verhängt. Aber wo es um Leib und leben geht, besteht ein berechtigter Notstand, da würde keiner eine Strafe aussprechen“, erklärt Polizeihauptkommissar Mario Hehrhold von der Bundespolizei Chemnitz. Für den Einsatz im Notfall sind die Retter des Landkreises Mittelsachsen nun jedenfalls bestens gerüstet.

Von Sebastian Fink

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