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Döbeln Landgericht verurteilt 70-jährige Döbelnerin wegen Brandstiftung
Region Döbeln Landgericht verurteilt 70-jährige Döbelnerin wegen Brandstiftung
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Im Landgericht Chemnitz ging am Donnerstag der Prozess um gelegte Feuer in Döbeln-Nord zu Ende. Quelle: dpa
Döbeln/Chemnitz

Das verhieß nichts Gutes für Gisela B. Als die Justizwachtmeister am Donnerstag zum Schwurgerichtssaal des Chemnitzer Landgerichts kamen, hatten die drei Berufsrichter und zwei Schöffen der 1. Großen Strafkammer gerade das Urteil für die Frau aus Döbeln beraten. In wenigen Minuten würde es Richterin Simone Herberger, die Kammervorsitzende, verkünden und begründen. Das Auftauchen der Wachtmeister signalisierte bereits davor das Ergebnis der Beratung: Ein Schuldspruch wegen der gelegten Brände in Döbeln-Nord für die 70-jährige Angeklagte. Das bedingt einen langen Aufenthalt hinter Gittern. Es ist üblich, zu langen Haftstrafen verurteilte Menschen in Untersuchungshaft zu nehmen, bis das Urteil rechtskräftig ist.

Kammer macht Anklage schlank

Gisela B. kam als freie Frau ins Chemnitzer Landgericht. Die Grüne Minna brachte sie dann in die Frauen-JVA in Chemnitz. Dort saß sie bereits während des Ermittlungsverfahrens in Untersuchungshaft, bis sie das Oberlandesgericht frei ließ. Neun Jahre Haft für zwei Brandstiftungen im Keller eines Mehrfamilienhauses in Döbeln-Nord lautete am Donnerstag das Urteil, das die 1. Große Strafkammer nach zwölf Verhandlungstagen verhängte. Der Rauch eines dieser Brände hatte eine 85-Jährige Bewohnerin des Hauses an der Albert-Schweitzer-Straße getötet. Die Kammer hatte das Verfahren auf diese beiden Anklagepunkte beschränkt und andere fallen gelassen. Das betraf zwei weitere Brandstiftungen und etliche Tatvorwürfe wegen des Vortäuschens von Straftaten.

Staatsanwalt fordert über 13 Jahre Haft

„Es gibt überhaupt keinen Anhaltspunkte für einen alternativen Täter“, sagte Richterin Herberger, als sie das Urteil der Kammer begründete. Diese nahm als Motiv für die Taten Ausländerfeindlichkeit an. Als ein Iraner in das Haus eingezogen war, ging die Brandserie los. „Bis zum letzten Brand am 1. März 2017 verdichteten sich die Verdachtsmomente gegen die Angeklagte“, sagte die Vorsitzende. Sie sprach die widersprüchlichen Aussagen der Frau an, die eine Vielzahl von Anzeigen bei der Polizei erstattet hatte. Unbekannte hätten sie angegriffen, Unbekannte hätten Drohzettel im Haus verteilt. „Ausgerechnet in diesem Haus häuften sich Straftaten von unbekannten Tätern – das hat doch keinen Sinn“, sagte die Vorsitzende dazu. Sie lobte im Namen der Kammer Staatsanwalt Sebastian Hertwig für dessen kleinteilige Ausführungen zur Indizienlage. Er hatte 13 Jahre und sechs Monate Haft als Strafe beantragt.

Polizei hört mit

Knapp anderthalb Stunden lang hatte der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag ausgeführt, weshalb er Gisela B. für schuldig hält. „Sie hat im Krematorium und beim Schwiegersohn der Verstorbenen unter falschem Namen angerufen. Sie wollte den Ermittlungsstand erfahren. Außerdem war das der dreiste Versuch, von der eigenen Täterschaft abzulenken. Sie sagte nämlich zum Schwiegersohn, die Frau B. könne nichts dafür“, sagte der Staatsanwalt. Was Gisela B. so alles am Telefon erzählte, hörte die Polizei mit an. Und später das Gericht in der Hauptverhandlung. Sebastian Hertwig wertete eine weitere Äußerung der 70-Jährigen als weiteres Indiz für ihre Täterschaft. Sie sagte zu ihrer Schwiegerenkelin nach dem Tod der Rentnerin, sie sei nun „ein Mörder“.

Verteidiger fordert Freispruch

Das habe seine Mandantin sarkastisch gemeint, sagte dagegen Rechtsanwalt Karsten Opitz in seinem Plädoyer. Es sei keineswegs als Eingeständnis der Schuld zu werten, so der Verteidiger. Er hielt die Indizien nicht für ausreichend, um seine Mandantin zu verurteilen. Er sprach ein Teilgeständnis seiner Mandantin bei der Polizei an, die Drohzettel geschrieben zu haben. „Das ist unter Druck zustande gekommen“, so Rechtsanwalt Opitz. Er hielt es daher nicht für verwertbar. Die Drohzettel sind Laut Staatsanwalt wiederum ein wichtiges Indiz, das auf Gisela B. als Täterin hindeute. Aber: „Es ist meiner Mandantin aber nicht nachzuweisen, dass sie die Zettel verfasst hat“, sagte Rechtsanwalt Opitz. Er forderte Freispruch.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung können es mit der Revision anfechten.

Von Dirk Wurzel

Im Prozess gegen eine Rentnerin wegen schwerer Brandstiftung soll am Donnerstag am Landgericht Chemnitz das Urteil gesprochen werden. Angeklagt ist eine 70 Jahre alte Frau. Sie soll in Döbeln mehrmals Feuer in dem Mehrfamilienhaus gelegt haben, in dem sie wohnte. Eine Mieterin starb an den Folgen einer Rauchgasvergiftung.

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