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Döbeln Leerstunden in Papierstapeln auf Döbelner Niedermarkt
Region Döbeln Leerstunden in Papierstapeln auf Döbelner Niedermarkt
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23:35 22.08.2014
Mit Papiertürmen verdeutlichte SPD-Landtagskandidat Henning Homann gestern auf dem Niedermarkt das Problem der verpassten Bildung durch Unterrichtsausfall. Quelle: Sven Bartsch

Es ging um Lehrermangel und Unterrichtsausfall auch an Döbelner Schulen. Im Hintergrund türmten sich über 100 000 Blatt Papier in Paketen aufeinandergestapelt auf dem Niedermarkt. Die Türme symbolisierten den Unterrichtsausfall an den Schulen im Altkreis Döbeln: Für jede nicht unterrichtete Stunde ein Blatt. Im Zeitraum zwischen 2009 und jetzt kamen über 100 000 Stunden zusammen. Allein im Schuljahr 2012/2013 fielen an Döbelner Schulen einschließlich der Berufsschule 11 751 Stunden Unterricht aus. "Darunter auch Mathe und Physik. Und das kurz vor dem Abitur", wie sich Hans-Martin Behrisch erinnert, der zu dieser Zeit das Lessing-Gymnasium Döbeln besuchte. Juso Behrisch half Henning Homann dabei, das Problem in die Öffentlichkeit zu tragen. Allein im ersten Halbjahr des vergangenen Schuljahres verpassten Döbelner Schüler knapp 5700 Stunden Unterricht, wie aus der jüngsten Statistik des Kultusministeriums hervorgeht. "Der Unterrichtsausfall hat in den vergangenen Jahren ein erträgliches Ausmaß weit überschritten. Das große Engagement der Lehrer verhinderte schlimmeres, aber die Politik muss nun endlich entschieden handeln und mehr neue Lehrer einstellen", sagt Henning Homann. Die Forderung seiner Partei: Der Freistaat muss 500 neue Lehrer einstellen und altersbedingt frei werdene Stellen sofort wieder besetzen, das sind 1000. Insgesamt fordert die SPD also 1500 neue Lehrer. Denn die Schülerzahlen werden steigen.

In der sächsischen Bildungsagentur ist das Problem der vielen Leerstunden bekannt. Hinter vorgehaltener Hand erfährt man hier, dass die Schul-Behörde auch nur den Mangel verwalten kann. Offizielle Antworten gibt Lutz Steinert, Pressesprecher der für Döbeln zuständigen Regionalstelle der Bildungsagentur in Chemnitz. Er verweist auf zwei Programme des Kultusministeriums, die Linderung schaffen sollen. "Zum einen haben wir einen Pool, darunter auch Rentner und angehene Lehrer mit bestandener 1. Staatsprüfung, die für den Vertretungsfall zur Verfügung stehen. Zum anderen gibt es das Springer-Programm mit befristet eingestellten Lehrern, die ebenfalls Vertretungsstunden übernehmen." Scheint aber nicht viel zu bringen - dieser Eindruck entsteht mit Blick auf die Zahlen: So stieg der Unterrichtsausfall an der Oberschule Am Holländer im Vergleich der Schuljahre 2011/12 und 2012/13 von rund 1500 auf etwa 2120 Stunden an, an der Grundschule Döbeln-Ost von knapp 80 Stunden 2011/12 auf 219 Stunden im Schuljahr 2012/13. "Ohne die Instrumente des Lehrerpools und des Springer-Programms wäre die Situation wesentlich dramatischer", sagt Lutz Steinert von der Bildungsagentur. CDU-Landtagsabgeordneter Sven Liebhauser sagte in einem Wahlforum, dass die Regierung das Problem erkannt hat und jährlich mindestens 1000 neue Lehrer einstellen will. "Wir haben schon jetzt die Studienplätze im Lehramt auf 1800 und die Refendarstellen auf 2000 erhöht, um den Bedarf an Lehrern abzudecken", sagt Sven Liebhauser.

Dirk Wurzel

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