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Döbeln Christian Morgenstern: Eltern zweifeln nach Obduktion an Todesursache
Region Döbeln Christian Morgenstern: Eltern zweifeln nach Obduktion an Todesursache
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11:52 12.02.2019
Christian Morgenstern und seine Mutter Susan. Schnappschüsse aus einer Zeit, als die Welt in Ordnung war. Die Familienmitglieder schauen sich die alten Bilder an, um ihre Trauer zu verarbeiten. Quelle: Foto: privat
Leisnig

Die Rechtsmedizin hat den Leichnam von Christian Morgenstern zur Bestattung freigegeben. Für den Abschluss der rechtsmedizinischen Untersuchung fehlt jedoch noch der histologische Befund. Der Zustand des Körpergewebes wird dabei untersucht. Ebenso offen ist das Ergebnis der toxikologischen Untersuchung, also, welche Gifte sich im Körper befinden.

Fest steht: Außer ein paar Schürfwunden gibt es keine Verletzungen. Und auch keine, die auf einen Sturz aus großer Höhe in ein relativ flaches Flussbett deuten. Weil so viele Fragen offen sind, zweifeln die Eltern: „Wie kann die Polizei von Suizid sprechen und so vehement daran festhalten – vom ersten Tag an?“, wundert sich der Vater.

Alte Fotos zum Trauern

Am Neujahrsmorgen verschwindet der 20-jährige Christian Morgenstern aus Leisnig. Am 6. Februar findet die Polizei nach intensiver Suche seine sterblichen Überreste flussabwärts bei Kössern im Fluss treibend. In der Zeit der Ungewissheit starten Familie und Freunde Suchaktionen im Internet und per Steckbrief bis in die umliegenden Großstädte.

Susan Morgenstern betrachtet am Wohnzimmertisch Fotos von ihrem Sohn Christian. „Beim Fotografieren macht er immer Faxen“, sagt sie mit diesem stillen nachsichtigen Auflachen, wie es Mütter für die Albernheiten ihrer Kinder haben. Der 20-Jährige, erst fünf Wochen vermisst und dann tot aus der Mulde geborgen, zeigt auf jedem Foto eine andere freundliche, lustige, coole, manchmal nachdenkliche Miene. „Ja, das ist Christian … gewesen. Das muss man ja jetzt sagen“, fügt die 48-Jährige an.

Das Lächeln hat seine Zeit

Fotos und Videos ansehen, von letzten gemeinsamen Feiern, ist eine von mehreren Strategien in der Familie, das Geschehen zu verarbeiten. Sich für die Erinnerung an eine lustige Begebenheit das Lachen nicht zu versagen. Es vielmehr neben den vielen schweren Momenten gelten zu lassen. Lange vor der traurigen Nachricht über das Auffinden des Sohnes, als es noch ebenso viel Anlass zur Hoffnung gibt wie zur schlimmsten Befürchtung, konfrontieren sich die Familienangehörigen mit dem Gedanken: Das kommt vielleicht nie wieder.

Der 48. Geburtstag des Vaters fällt dann schon mitten hinein ins Grauen des Unabänderlichen. Ein Geburtstagsstrauß in Rot und Weiß darf trotzdem auf dem Tisch stehen. Glückwunsch und Händedruck nimmt der Mann aufrecht entgegen. Ein Lächeln gelingt, kurz, aber ehrlich.

Wunsch nach offener Trauerfeier in der Kirche

Die Mutter befasst sich als ausgebildete Sterbebegleiterin für den Hospizverein Lebenszeit mit den Arten des Abschieds, der Trauerbewältigung, der Bestattung – ein Anlass, der die Familie unweigerlich erneut in die Öffentlichkeit stellt. Die Anteilnahme war und ist enorm – ein Kraftquell für die Eltern.

Zusammen mit einem Bestatter planen sie für Sonnabend, 2. März, eine Trauerfeier beziehungsweise -andacht. Sie wünschen sich dafür die St.-Matthäi-Kirche. Der Vater sagt: „Ich würde mich freuen, wenn viele Menschen mit uns zusammen von unserem Sohn Abschied nehmen.“

Würdiger Abschied nach unwürdigem Ende

Die Mutter ergänzt: „Wenn Christian schon so ein unwürdiges Ende fand, ist es um so wichtiger, dass er einen würdigen Abschied bekommt. Und auch, dass die Wahrheit um seine Todesumstände, so genau es geht, erforscht wird.“ Für die Bestattung wird es einen anderen Ort und eine andere Zeit geben.

Der Vater recherchiert unterdessen weiter, bringt zum Beispiel über den Mobilfunk-Provider in Erfahrung: Das Telefon seines Sohnes ist am Neujahrsmorgen zuletzt gegen 7.30 Uhr in die Funkzelle Leisnig eingeloggt. Es liegt demnach noch nicht in der Mulde. Im Wasser würde es ausgehen. Ein IT-Fachmann sagt: Nach diesen technisch begründeten Fakten stelle sich die Frage nach dem Todeszeitpunkt neu, oder: Wo waren Telefon einschließlich Inhaber bis 7.30 Uhr?

Von Steffi Robak

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