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Leipziger Vocal-Ensemble "Amarcord" nimmt in Polditz CD auf

Seltene Kompositionen Leipziger Vocal-Ensemble "Amarcord" nimmt in Polditz CD auf

Die Kirche Altleisnig zu Polditz ist auserwählt: Für eine CD-Aufnahme des Leipziger Gesangsensembles Amarcord. Damit entschied sich eins der weltweit besten Vokalensembles, bestehend aus frühereren Thomanerchor-Sängern, für eine Kirche inmitten der sächsischen Kulturlandschaft.

Fünf Sänger, vier Hornisten: "Amarcord" und "German Horn Sound" während den Aufnahmen in Polditz. Ganz links: Wolfram Lattke.

Quelle: Sven Bartsch

Polditz. Zum Beten kann man in eine Kirche kommen, zum Singen oder anderweitigem Musizieren. Dass ein Gotteshaus ausgewählt ist, um für eine CD Musik aufzunehmen, geschieht vergleichsweise selten - nicht jedes Gotteshaus eignet sich dafür. Warum die Kirche in Polditz bei den früheren Thomanern eine derart angesagte Adresse ist, erläutert Wolfram Lattke: "Sie hat eine extrem gute Raumakustik, wie sie zu unserem Ensemble und speziell für die von uns ausgewählte Musik aus der Zeit der Romantik hervorragend passt: Nahezu Naturakustik, mit nur wenig Nachhall."

Nicht allein die inneren Werte zählen als Kriterien, die ein Gotteshaus für eine derartige Aufnahme prädestiniert. Die Kirche liege spektakulär: In einer weiten, schönen Landschaft, mit Feldern und Wald sowie abseits genug, damit Außengeräusche nicht stören. Lattke erinnert sich an Aufnahmen in Altenburg, in einer Kirche mitten in der Stadt, samt entsprechender Geräuschkulisse.Dort konnte nur nachts aufgenommen werden. "Unsere Stimmen sind sehr nah dran am gesamten Rest unseres Lebens. Sie arbeiten wie auch wir lieber tagsüber. Da sind nächtliche Aufnahmen entsprechend anstrengender." Lattke kennt die Polditzer Kirche und ihre Akustik nicht allein vom Hören-Sagen, sondern vor allem vom Hören-Singen, aus eigenem Erleben als Gesangssolist: Als zuletzt in Polditz die Matthäus-Passion aufgeführt wurde unter Leitung vom Dresdener Kreuzchordirigenten Peter Kopp, trat Lattke als Solo-Tenor auf.

Die Amarcord-Sänger, bekannt für fünfstimmige a-capella-Musik, kooperieren für ihr aktuelles Projekt abseits der Erwartungen mit den Musikern von "German Horn Sound". Aus Anlass des hundertsten Todestages des jüdischen Komponisten Carl Goldmark wird das Stück für Männerstimmen und vier Hörner "Meeresstille und glückliche Fahrt" auf CD gebannt. Mit seinen sechs Minuten Spielzeit habe es nahezu sinfonischen Charakter und diene als Aufhänger für den beim Leipziger Tonmeister-Label Genuin unter Regie von Michael Silberhorn produzierten Tonträger. Lattke weiter: "Wir nehmen Goldmarks Stück auf, um es in seiner Besonderheit zu dokumentieren und zu würdigen." Goldmark vertonte mit "Meeresstille und glückliche Fahrt" einen Goethe-Text, womit die Aufnahme eine literarische Facette aufweist. Zudem ist Franz Schuberts Opus 17, Vier Gesänge für vier Männerstimmen, auf dem Tonträger vertreten und damit Schuberts einziger für Männerstimmen komponierter Zyklus. Dazu gesellen sich Ferdinand Hummels "Waldwanderung" für Männerchor und Hörner, August Horns "Waldlied" und Robert Schumanns Jagdlieder. Für Wolfram Lattke liegt der Reiz der Liedauswahl in genau der Kombination von Männergesang und Hörnerklang: "Eine Aufnahme in dieser Form wird es so schnell nicht wieder geben." Anfang Juni 2016 soll die CD veröffentlicht werden. 1992, im Gründungsjahr des Quintetts "Amarcord" füllten die ehemaligen Mitgliedern des Leipziger Thomanerchores Wolfram Lattke, Robert Pohlers, Frank Ozimek, Daniel Knauft und Holger Krause das aus dem italienischen stammende Wort "Amarcord" mit neuem sphärischen Wohlklang. Übersetzt bedeutet es "Ich erinnere mich". Mit ihrem in Polditz aufgenommen CD-Projekt will das Ensemble an Kompositionen der eher seltenen Liaison aus Männergesang und Hornbläsermusik erinnern.

Steffi Robak

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