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Döbeln Leisnig: Fellpracht der wilden Luise kann ihren Tod bedeuten
Region Döbeln Leisnig: Fellpracht der wilden Luise kann ihren Tod bedeuten
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18:36 04.06.2018
Unkämmbar weil unbezähmbar: Wilde Perserkatze Luise. Quelle: Sven Bartsch
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Leisnig

Was Luisa am meisten braucht, ist Zeit und Zuwendung. Auch dann kann es Wochen oder Monate dauern, bis die schwarze Perserkatze ihrem Besitzer auch etwas Zuneigung zeigt. Das vermutet Sylke Pfumfel vom Tierheim in Leisnig, Mittelsachsen.

Aus dem sicheren Korb beäugt Luise ihre Umwelt. Die schöne Perserkatze im Tierheim Leisnig soll zwar vermittelt werden. Sie lässt sich aber nicht kämmen. Quelle: Sven Bartsch

Im Katzenhaus huscht Luise auf einem der Borde blitzschnell zu dem roten Körbchen in der Ecke. Aus etwa anderthalb Metern Höhe, auf das Kissen geduckt, beäugt sie mit unverhohlenem Mistrauen die Fremden um sich herum. Die Katze ist ungeheuer scheu. Und das hat mit dem Schicksal der edlen Samtpfote zu tun. In Geringswalde ließen ihre früheren Eigentümer sie bei einem Umzug zurück.

Nach Umzug der Besitzer auf sich allein gestellt

Das Tier verwildert daraufhin, schlägt sich einsam durch, nistet sich in einem Garten ein. Menschen meidet sie geradezu. Die Natur nimmt ihren Lauf: Die Katze wird trächtig, wirft Junge. Als Nachbarn aufmerksam werden, gibt es schon zwei Würfe. Durch Anfüttern können die Katzen bei mehreren Einsätzen im September 2017 mit Lebendfallen eingefangen werden. Das Leisniger Tierheim am Eichberg nimmt die auf. „Die Nachbarn, die das veranlassten, haben ein gutes Werk getan“, sagt Sylke Pfumfel.

Nach dem Kastrieren wieder frei lassen

Prinzipiell werden extrem scheue, verwilderte Hauskatzen auf diese Weise eingefangen und kastriert, wenn jemand auf das Problem aufmerksam macht. Das kann von den Tierschutzvereinen finanziert werden. Um die Mittel müssen sich die Einrichtungen jedoch beim jeweiligen Bundesland gesondert bemühen. Sind die wilden Katzen medizinisch versorgt und auch kastriert, können sie frei gelassen werden, sofern dort für ihre Fütterung gesorgt ist. Das übernehmen dann ehrenamtliche Tierfreunde. In den Kommunen vom Altkreis Döbeln sind diese Fütterstellen bekannt. Nicht immer ist das von Anwohnern gern gesehen.

Extrem wilde Katzen kaum vermittelbar

„Extrem wilde Katzen sind in der Regel nicht vermittelbar“, erläutert Sylke Pfumfel, warum so verfahren wird. Aus einer wilden Katzen werde nur selten eine schmusige Hauskatze. Deshalb wird die Kastration wilder Katzen veranlasst, um das unkontrollierte Vermehren und Ausbreiten der Tiere einzudämmen.

Die Wildnis kann für Luise den Tod bedeuten

Mit Luisa verhält es sich anders, da sie ein Perserkatze ist. Die soll nicht in die Wildnis entlassen werden, denn das kann ihren Tod bedeuten. „Katzen mit langem Fell müssen gepflegt, gekämmt werden. Sonst bekommen sie Hautkrankheiten, die mit dem Verfilzten beginnen und in tödlichen Infektionen enden,“so Pfumfel.

Kurzhaariger Nachwuchs weniger problematisch

Luisas Jungetiere sind zwar ebenso scheu wie das Mutter. Der Lichtblick: Sie sind kurzhaarig, da sie aus Verpaarjungen mit Hauskatzen stammen. Die Jungtiere können nach und nach in Haushalte abgegeben werden, wo mit ihrer Scheu verantwortungs- und liebevoll umgegangen wird. Pfumfel: „Die Besitzer von drei dieser Jungtiere haben signalisiert, dass ihr Tier zutraulich wird. Das kann natürlich niemand garantieren, und man kann auch nicht sagen, wie lange es dauert. Aber ich freue mich sehr, wenn das eine solche Entwicklung nimmt.“

Fellpflege dringend nötig

Das Muttertier, mit wunderschönem schwarzen Fell, wohnt noch immer im Katzenhaus. Ihr Fell erschwert die Vermittlung: Luisa lässt sich nicht kämmen. Bei einem langhaarigen Tier ist die Fellpflege allerdings unvermeidbar. Unter anderem entwickeln Perser um den Hals eine regelrechte Mähne, die ohne Pflege ungeheuer verklumpt. „Man muss der Katze zum Kämmen irgendwie Herr werden.“

Wenn sie so schaut, knurrt und faucht sie auch: Perserkatze Luise mag sich nicht gern anfassen lassen. Quelle: Sven Bartsch

Als ginge es ihr ans Leben

Dann gebärdet sich die Katze, als ginge es ihr ans Leben. Man kann sie ohnehin nur mit Handschuhen anfassen, weil sie sich extrem wehrt. Die Situation ist dann für das Tier mit extremer Angst und mit Stress verbunden. Ein Schur-Termin ist dann unausweichlich. Das Tier muss beim Tierarzt in Narkose gelegt werden muss. Dann kommt das Fell raspelkurz runter.

Erkrankung der Haut oder auffälliges Verhalten

Momentan muss noch festgestellt werden, ob Luise möglicherweise eine Hautkrankheit hat. Vielleicht ist es auch eine psychisch bedingte Verhaltensstörung: Phasenweise rauft sie sich selbst an bestimmten Stellen so sehr ihr Fell, dass kahle Stellen zurück bleiben.

Hoffnung auf Vermittlung an geduldige Halter

Die Tierheimmitarbeiter um Sylke und Rosi Pfumfel wünschen sich dennoch sehr, dass Luisa an einen Besitzer vermittelt werden kann. Dort, so die Hoffnung, kann man sich der Katze im erforderlichen Maße widmen und viel Zeit für sie aufbringen, damit sie ihre Scheu ablegt. Sylke Pfumfel ist trotz aller Schwierigkeiten fest davon überzeugt: Auch Luise kann ein sehr entspanntes Tier werden - wenn sie in einer Umwelt lebt, die sie so annimmt, wie sie ist.

Von Steffi Robak

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