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Leisnig: Missbrauchte der Tätowierer Minderjährige

Leisnig: Missbrauchte der Tätowierer Minderjährige

Mit einem Freispruch endete gestern am Amtsgericht Döbeln das Verfahren gegen Peer L. In einem Tattoo-Studio an der Chemnitzer Straße in Leisnig soll er vor fünf Jahren zwei damals neunjährige Jungen unsittlich berührt haben.

Döbeln/ Leisnig. Das Gericht teilt eher die Annahme, dass das Tattoostudio an der Chemnitzer Straße im Leisniger Stadtgespräch offenbar als ein Hort der Pädophilie betrachtet wurde. Peer L. - der mittlerweile in Leipzig wohnende Ex-Inhaber dieses Ladens - rückte 2008 bereits ins Visier der Ermittlungsbehörden wegen des Verdachts, sich Kindern in unsittlicher Weise genähert zu haben.

Nach DAZ-Informationen kam es damals zu einer Verhaftung, was in der Bergstadt nicht unbemerkt blieb. Daraufhin sprach es sich in der Stadt herum, dass der Mann in Leipzig wegen des Tatvorwurfs des sexuellen Missbrauchs an Kindern in Untersuchungshaft sitze. Es folgte damals ein Freispruch.

Dass sich der wegen des gleichen Tatvorwurfs später erneut Angeklagte gern mit Kindern umgab, ihnen auch als durchaus verständnisvoller Freund gegenübertrat, ist kein Geheimnis, aber eben auch keine Straftat. Nach Informationen der DAZ spielten im Tattoostudio in Leisnig damals häufig Kinder. Auf dem rückwärtigen Grundstück stand ein Autowrack, was die jungen Besucher offenbar als Abenteuerspielplatz gern nutzten. Dies war im Wohnumfeld und in der Stadt damals durchaus bekannt.

Ein Jahr nach dem angeblichen ersten Vorfall gingen also später zwei weitere Jungen mit ihren Müttern zur Polizei und sagten aus, L. habe sie im Schritt begrapscht. Daraus fertigte die Staatsanwaltschaft Chemnitz dann eine Anklageschrift, die dem stark tätowierten Mann ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs eintrug. Dieses hatte das Gericht bereits eingestellt. Aber auf Antrag der Nebenklage lebte es nun wieder auf.

Während des gestrigen Prozesses forderte die Nebenklagevertreterin Peggy Wetzel nun selbst einen Freispruch für L. Aber einen nach dem Prinzip "Im Zweifel für den Angeklagten", landläufig auch als ein Freispruch zweiter Klasse bekannt.

Der Grund: "Die Aussage des Jungen kam in einer Atmosphäre von Gerüchten zustande", so Rechtspsychologe Dauer - wohl in der Atmosphäre, die im Zuge der Verhaftung beziehungsweise der Untersuchungshaft entstanden war.

Es sei dabei nicht zu unterscheiden, so Dauer, was tatsächliche Erlebnisse seien und was die Jungen kritiklos aus den Äußerungen anderer übernahmen. "Diese Aussagen hätten auch ohne Erlebnishintergrund vorgetragen werden können", erläuterte der Gutachter. Verteidiger Ingo Stoltzenburg hatte beantragt, die Glaubwürdigkeit der Zeugen wissenschaftlich einschätzen zu lassen. Nebenklagevertreterin Peggy Wetzig gab er mit auf den Weg, ihre Worte künftig mehr abzuwägen. Denn von einem Freispruch zweiter Klasse könne keine Rede sein.

Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Christa Weik schloss sich dem an und sprach L. aus tatsächlichen Gründen frei. "Ein Tatnachweis ist nicht zu führen." In Peer L.'s sehrwohl eintragreichem Vorstrafenregister sind nach DAZ-Informationen Delikte das Strafgesetzbuch hoch und runter zu finden, aber keine Sexualdelikte. Dirk Wurzel/sro

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