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Leisnig: Stadtentwicklung ohne Großmarkt

Leisnig: Stadtentwicklung ohne Großmarkt

Ist Leisnig in seiner Weiterentwicklung blockiert, wenn es keinen Großmarkt bekommt? Das hört sich fast so an, glaubt man den Worten vor allem der CDU im Stadtrat.

Leisnig. Eins war am Donnerstag ein guter Schachzug: Nico Neumann von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft DSK, erläuterte auf Bitten von Bürgermeister Tobias Goth intensiv die Einkaufslandschaft um Leisnig, Hartha, Waldheim, Döbeln bis hin nach Grimma. Er wartete mit dem Einzelhandels-Atlas der Industrie- und Handelskammer auf: In Döbeln mit Kaufland und Marktkauf zwei große Verbrauchermärkte und ein Vollsortimenter, in Waldheim ein Verbrauchermarkt und zwei Discounter, in Hartha ein Vollsortimenter und zwei Discounter. Und in Leisnig viele kleine Discounter und mit Edeka ein Vollsortimenter, der sein Angebot jüngst verkleinerte. Es gehe also nicht darum, quantitativ die Einkaufsmöglichkeiten mit mehr Läden zu verbreitern. Das Angebot müsse besser gemacht werden. Neumanns Interpretation, es gebe "zwischen Grimma und Döbeln eine gewisse Lücke", bezeichnete Bürgermeister Tobias Goth (CDU) als "Einschätzung eines Fachmanns". Dabei steht die DSK nun gerade nicht mit Marktanalysen und Einzelhandelskonzepten in den Diensten Leisnigs. Das Büro begleitet seit 1991 als Sanierungsträger mit Schwerpunkt Denkmalschutz die Stadtentwicklung - eine ganz andere Baustelle also. Neumanns Einschätzung: "Möchte Leisnig im Grundzentrumsverbund mit Hartha und Waldheim einmal eine zentrale Funktion übernehmen, wäre der Großmarkt ein gutes Argument." Es geht also um eine regionalplanerische Strategie. Leisnig will sich nicht abhängen lassen, sondern mit anderen Städten auf Augenhöhe sein.

Das hat wenig zu tun mit einer verbrauchergerechter Einkaufslandschaft, wie Jürgen Müller (Die Linke) erkannt hat: "Was nützt das, wenn mit einem Großmarkt der Netto an der Muldenwiese die Segel streicht?" Die Leute mit ihrem Einkaufs-Rollator das Johannistal hochzuscheuchen - der Gedanke gefällt Müller nicht. Letztlich ist manches Argument für die Großmarktansiedlung ebenso dagegen anwendbar. So sagt Hans Hermann Schleußner zur Angebotseinschränkung bei Edeka: "Wenn der Vollsortimenter sein Angebot verkleinert, hat das seinen Grund: Mehr setzt er dort nicht mehr ab. Das heißt: Auf noch mehr Fläche wird auch nicht mehr umgesetzt werden."

Das gilt auch noch, wenn bei 5000 Leisniger Einwohnern im Jahr 2030 das Durchschnittsalter knapp 60 Jahre beträgt. So prognostiziert es jedenfalls laut DAZ-Recherche die Bertelsmann-Stiftung für die Bergstadt.

Mathias Voigtländer (CDU) ist dennoch überzeugt: Leisnig braucht so einen Großmarkt als eine "zukunftsorientierte Lösung". Auch Mike Isendahl erinnert: "Wir haben so etwas schon einmal verhindert auf dem Gelände der Zigarre. Das war aus heutiger Sicht falsch." Die meisten Ratsmitglieder jedenfalls sehen das für das heutige Projekt anders. Sie könnten trotz jüngstem Grundsatzbeschluss aber frühestens in einem halben Jahr erneut darüber befinden. Die Gemeindeordnung lässt das zu. Ob dann Projektentwickler Klaus Landau noch für Leisnig Gewehr bei Fuß steht, weiß heute niemand. Tobias Goth: "Wir müssen die Ratsentscheidung in der Verwaltung nun erst einmal verdauen." Und was wird mit dem von ihm unterzeichneten Vertrag zum Großmarktbau? "Auch dazu gab es in der Kürze der Zeit noch keine Verständigung."

-Kommentar Steffi Robak

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