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Leisnig: Zoff um geringen Wasserverbrauch

Leisnig: Zoff um geringen Wasserverbrauch

"Da spart man konsequent Wasser, und dann erhält man so ein Schreiben!" Karsten Müller spricht von Nötigung, wenn er den "Bescheid zur Durchsetzung des Benutzerzwanges" liest, den der Wasserverband Döbeln-Oschatz an seine Eltern in Leisnig geschickt hat.

Leisnig. Aufgefordert werden sie darin, "eine eventuelle Entnahme von Wasser/Trinkwasser aus anderen Bezugsquellen zu unterlassen". Ihren gesamten Bedarf dürften sie nur über das öffentliche Leitungsnetz decken, aus dem sie bislang nur "wenig Wasser" gezapft hätten.

Unverständnis bei Karsten Müller. Seine Eltern wohnen im Leisniger Zentrum, haben keinen eigenen Brunnen. Lediglich auf dem Balkon, so sagt er, fangen sie Regenwasser auf, um die Blumen zu gießen. "Sie sind eben sparsam, und so ein Schreiben erhalten sie als Dank dafür."

50 Kubikmeter Wasser verbrauchen die Müllers im Jahr. Ihr Sohn Karsten ist nur selten bei ihnen, sein Bruder verstarb dieses Jahr. Gemeldet waren aber zum 30. Juni 2010 vier Personen im Haus, also auch beide Söhne. Und auf diese Daten berief sich der Wasserverband im April, als er einen Anhörungsbogen an die Leisniger schickte. "Hätten sie damals auf unser Schreiben reagiert, wäre der jetzige Bescheid nie ergangen", konstatiert der Verbandsvorsitzende, Hans-Jürgen Gemko. Er vermutet: "Wahrscheinlich kam ihnen der Bogen nicht so wichtig vor, schließlich kommt jeden Tag eine Menge Post und Werbung in Haus."

Dem Wasserverband hingegen war es durchaus ernst. Jede Person in seinem Gebiet verbraucht pro Jahr im Durchschnitt 34 Kubikmeter Wasser. Angeschrieben wurden deshalb alle, die weniger als 25 Kubikmeter entnahmen. Gemko: "Damit setzten wir 25 Prozent weniger als den Durchschnittswert an." Da im konkreten Leisniger Falle zu vermuten war, dass vier Personen 50 Kubikmeter verbrauchen, also jeder von ihnen 12,5 Kubikmeter, ging der Brief an die Müllers raus.

Getroffen hat es nicht nur sie. Wie zu erfahren war, verschickte der Verband im Frühjahr 640 Anhörungsbogen nach Leisnig einschließlich der Ortsteile, sowie jetzt 170 Bescheide an jene, die nicht geantwortet haben. Einige von ihnen suchten nach DAZ-Informationen daraufhin einen rechtlichen Beistand.

Hans-Jürgen Gemko will den Ball trotzdem flach halten. "Wer keinen eigenen Brunnen hat, für den hat sich die Sache eigentlich schon erledigt", sagt er. Auch die Müllers müssten sich keine weiteren Sorgen machen. "Sie haben den Bescheid von uns erhalten und können ihn zu den Akten legen. Weitere Schreiben diesbezüglich erhalten sie nicht von uns."

Andre Grundeigentümer hätten hingegen den Anhörungsbogen zum Anlass genommen, einen eigenen Brunnen anzumelden. Sie konnten daraufhin eine Teilbefreiung beantragen. Das heißt, sie konnten bitten, Brunnen- oder Regenwasser zur Gartenbewässerung, für die Toilettenspülung und zum Wäschewaschen nutzen zu dürfen. Gemko: "Das genehmigen wir dann, womit alles vom Tisch ist."

Für Karsten Müller bleibt trotzdem die gesamte Vorgehensweise äußerst fraglich. "Derartige Schreiben sollte der Wasserverband künftig sein lassen oder zumindest anders formulieren", fordert er. "Zurzeit wird dem Bürger unterschwellig unterstellt, dass er betrügt. Grundsätzlich muss aber jedem selbst überlassen werden, wie viel er verbraucht. Der eine will dreimal am Tag duschen, der andere ist auf Montage und nur am Wochenende zu Hause. Dafür muss sich doch niemand rechtfertigen." Frank Pfeifer

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