Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Leisnig kämpft nach Sturm um seine Häuser
Region Döbeln Leisnig kämpft nach Sturm um seine Häuser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:03 11.03.2018
So wie nach Sturmtief Herward ging die Feuerwehr auch nach Friederike auf Erkundungstour. Quelle: Fotograf Sven Bartsch
Leisnig

Die Kontrollrundfahrt mit dem Drehleiterfahrzeug der Leisniger Feuerwehr verdeutlichte das Ausmaß: Die Schäden vom Sturmtief Friederike an den Leisniger Häusern sind schlimmer, als es bei einem Spaziergang durch die Altstadt den Anschein hat. In der jüngsten Stadtratssitzung berichtete Bürgermeister Tobias Goth (CDU) über das Ergebnis der Schadensaufnahme. Größte Problemfälle sind Gebäude, deren Eigentümer für die Stadtverwaltung nicht greifbar sind. Es geht noch schlimmer: Es gibt herrenlose Gebäude mitten in der Altstadt.

Dachgaube eingestürzt

Ein Beispiel ist das Gebäude in der Turnerstraße Nummer 5. Wie Goth berichtet, ist die größere von zwei Dachgauben, die seit Jahren eingebrochen war, erneut beschädigt worden. Zu einem Drittel brach sie nun ein. „Die Zeit, das Wetter, nicht zuletzt der jüngste Sturm sorgten dafür, dass das Dach und die Decke bis zu drei Etagen hinunter eingestürzt sind“, berichtet das Stadtoberhaupt.

Löcher in fremden Dächern

Er berichtet weiterhin von heruntergebrochenen Schornsteinen, die fremde Dächer durchschlugen und in die Dachhaut riesige Löcher rissen. An manchen Häusern fehlen die oberen Firstbereiche vollständig. Häufig seien die Schäden von der Straße aus nicht zu sehen, da lediglich die Hausfassade überblickbar ist. So habe erst ein Rundblick von dem Gebäude in der Turnerstraße, also aus Höhe der Drehleiter, ergeben, dass auch in anderen Dächern erhebliche Lücke klaffen.

Furcht vor nächstem Sturm

Eine Gefahr sieht Goth in den Schornsteinen: „Manche davon sind bis zu fünf Metern hoch, stehen weitgehend frei. Bei manchen ist bereits eine deutliche Neigung zu erkennen. Es ist damit zu rechnen ist, dass ein erneuter Sturm das Ganze zum Wanken und Einsturz bringt.“

Nachbarn haben den Schaden

Das wäre in Leisnig nicht das erste Mal, dass ein desolater Schornstein abstürzt. Ein derartiger Vorfall hatte sich im November beim Sturmtief Herward ereignet. Ein maroder Schornstein von einem Haus am Markt hatte dabei das Dach des Nachbargebäudes durchschlagen, nicht allein die Dachhaut, sondern auch den Dachstuhl zu großen Teilen zerstört. Dabei handelt es sich nicht einmal um ein leeres oder herrenloses Gebäude. Die Hauseigentümer und Vermieter hatten jedoch den Schornstein ungeachtet seines maroden Zustandes nicht in Ordnung bringen lassen - bis der Sturm die Angelegenheit zum Schaden der Nachbarn erledigte.

Problem bei der Stadt

Nach den Worten des Bürgermeisters könnte sich so etwas in Zukunft wiederholen, und zwar mehrfach. Handelt es sich um herrenlose Gebäude, wie in der Turnerstraße, kann dafür nicht einmal jemand in Haftung genommen werden. Die Turnerstraße Nummer 5 mit ihrem eingestürzten Dach, wird ein Problem der Stadtverwaltung bleiben: Geht von dem Haus Gefahr für die Öffentlichkeit aus, ist die örtlichen Polizeibehörde dafür zuständig, die Gefahr abzuwehren. Und das auch dann,wenn der Stadt das Haus gar nicht gehört. Herrenlose Häuser, die etwa durch das Ausschlagen von Erbe oder aus anderen Gründen keinen Eigentümer haben, kann sich der Freistaat Sachsen aneignen beziehungsweise in sein Eigentum übernehmen, muss er aber nicht zwangsläufig.

Eigentümer angeschrieben

Unterbleibt das, bleibt für das Gebäude alles, wie es ist. Jedoch muss die Ortspolizeibehörde – also Stadtverwaltung - die Öffentlichkeit vor den vom Haus ausgehenden Gefahren zu schützen. Mittlerweile sind rund 60 Häuser ausfindig gemacht, wo das jüngste Sturmtief Friederike Schäden hinterließ. Insgesamt 21 der beschädigten Objekte befinden sich in kommunaler Hand. An neun private Hauseigentümer hat die Stadt Schreiben versandt und auf die Sicherungspflicht hingewiesen.

Zusätzlicher Verwaltungsaufwand

33 private Hauseigentümer müssen zu diesem Zweck noch angeschrieben werden - ein Verwaltungsaufwand, der in der Stadtverwaltung bewältigt werden will. Andere Arbeiten bleiben so lange liegen. Wie Goth weiterhin informiert, sorgen nicht nur Gebäude und deren desolate Dächer nach dem Sturm für Arbeitsaufwand: Mehr als zehn Bäume sowie zwei Masten fielen von fremden Grundstücken in kommunale Objekte und hinterließen dabei Schäden.

Podiumsdiskussion mit Folgen

„Die Sturmschäden verdeutlichen, dass Leisnig unbedingt eine Strategie entwickeln muss in Umgang mit leer stehenden Gebäuden“, sagt Goth. Zuletzt spielte das Thema bei der Podiumsdiskussion „Leerstand als Chance“ mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten Wolfram Günther eine Rolle. Zu der öffentlichen Veranstaltung in Fischendorf waren rund 30 Interessenten aus Leisnig anwesend.

Dringender Handlungsbedarf

Über die Monate Februar und März müsse die Kommune handlungsfähiger werden, nimmt das Stadtoberhaupt sich vor. Knapp über zehn Personen hatten sich nach der Impulsveranstaltung in Fischendorf auf Einladung des Geschichts– und Heimatvereins zu einer Folgeveranstaltung im Rathaus getroffen. Goth: „Es ist ein Anfang. Die Sturmschäden zeigen, dass wir uns dem Thema dringend widmen müssen.“

Von Steffi Robak

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das alte Feuerwehrgerätehaus in Grünlichtenberg ist derzeit ungenutzt. Der Heimatverein macht sich nun erneut für die Übernahme des Objekts stark, um endlich ein eigenes Domizil zu bekommen. Die Gemeindeverwaltung stellt dazu einen Erbbaurechtsvertrag in Aussicht.

02.02.2018

Drei neue Lehreranwärter konnte die amtierende Schulleiterin Heike Geißler am Freitag am Döbelner Lessing-Gymnasium begrüßen. Nach ihrem Lehramtsstudium treten die drei Männer jetzt ihr 18-monatiges Referendariat an. Bis zu den Sommerferien hospitieren. Ab dem neuen Schuljahr 2018/19 übernehmen die drei Referendare ihre eigenen Lehraufträge am Gymnasium.

02.02.2018

Nur noch wenige Tage bis die Schulen die Bildungsempfehlung für die kommenden fünften Klassen ausgeben. Spätestens ab 28. Februar bis zum 7. März haben die scheidenden Grundschüler und ihre Eltern dann die Wahl, wo es sie hinzieht. In Hartha helfen ihnen ein Nachmittag und Abend beziehungsweise ein Tag der offenen Tür bei der Entscheidungsfindung.

28.02.2018