Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Leisnig zum 20. Mal zurück ins Mittelalter
Region Döbeln Leisnig zum 20. Mal zurück ins Mittelalter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:14 29.08.2016
Hexe wird abgeführt.  Quelle: Gerhard Dörner
Anzeige
Leisnig

 Was als weiße Kappe wie die zeit- und arttypische Kopfbedeckung eines Schmieds aus dem Hochmittelalter aussah, entpuppte sich bei Klaus-Dieter Reißmann schnell als praktischer Sonnenschutz. „Es ist zu warm. 23,5 Grad hatten wir bestellt – und 19 Grad in der Nacht“, ächzte der Mitorganisator der Handwerkerstraße auf dem Burglehn. Da hatte Petrus offenbar nicht genau hingehört und stattdessen zehn Grad mehr auf die Besucher dieses 20. Burg-und Altstadtfestes in Leisnig scheinen lassen.

Doch die ließen sich von der Hitze an beiden Tagen des Wochenendes nicht vom Feiern abhalten – vergnügten sich an der Bierrutsche oder beim deftigen Mahl im Schatten – und auch nicht vom Verkleiden. Die vier Leipziger Musikerinnen der Mittelalter-Band Filia Carminis (Lat.: Töchter des Gesangs), Constance Griebsch, Cornelia Bengsch, Julia Lehne und Kerstin Mara Lindner machten vor, wie es trotz langärmeliger Kleider zum Aushalten blieb. „Wir haben die Kleider selbst genäht. Die sind aus Leinenstoff, das ist sogar angenehm bei der Hitze“, sagte Harfenistin Julia Lehne. „Aber die Burgherren und -damen mit ihren samtenen Kleidern tun mir etwas Leid“, fügte sie augenzwinkernd hinzu. Ähnlich dürfte es der Torwache in ihrer Kluft ergangen sein.

Noch schnell in passende Kleider werfen musste sich Steffen Jentzsch, der als Kupferschmied auf der Handwerkerstraße erstmals zu sehen und erst mitten im großen Festumzug in Leisnig angekommen war. „Plötzlich war die Straße aufgebaggert und ich musste langsam durchfahren“, erklärte der gebürtige Oschatzer seine Verspätung. Während entlang des Burglehns schon fleißig gehämmert, gefeilt und geschmiedet wurde und der Umzug, der am Sonnabend um 12 Uhr aus der Chemnitzer Straße in einer einstündigen Prozession unter viel Beifall der Schaulustigen durch die Straßen zur Burg zog, unterhielt sich Jentzsch noch mit Klaus-Dieter Reißmann, der ihn nach vielen Jahren überzeugt hatte, endlich einmal in Leisnig aufzutreten. „Ich war schon oft als Besucher hier. Ich organisiere selbst Mittelalter-Märkte. Und jetzt hat er mich überredet“, sagte der 50-Jährige. Zwar arbeitet er als Ingenieur für Energiespartechnik, hat jedoch auch sein mittelalterliches Handwerk noch von der Pike auf gelernt.

1982 begann er seine Ausbildung bei Immanuel Hochkeppeler in Leipzig –“einem der Besten der Welt“, wie Jentzsch betont. Gearbeitet wird nur mit dem Kupferschmiedehammer – ganz wie früher. Doch für das Handwerk gibt es heute kaum noch Platz, der Beruf existiere offiziell gar nicht mehr sagt Jentzsch. Heute kommt er nur noch auf Festen wie in Leisnig dazu, ihn auszuüben.

Von Sebastian Fink

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nachdem bekannt wurde, dass der Harthaer Friedhof als Flächennaturdenkmal gelistet ist, reagierte Sebastian Markert schnell und meldete den Gottesacker zum Tag des offenen Denkmals an. Am 11. September wird der Friedhofsmeister Führungen anbieten und sich den Fragen aller Besucher stellen.

26.08.2016
Döbeln 5. Döbelner Halbmarathon am 18. September - Premiere: Eine Medaille für jeden Starter

Zum ersten Mal wird es zum Döbelner Halbmarathon eine Medaille geben. Die Laufveranstaltung feiert in diesem Jahr ihr erstes kleines Jubiläum, wird zum fünften Mal organisiert. Die Gastgeber haben sich wieder etwas besonderes einfallen lassen, wollten keine Medaille „vom Band“. Mit Unterstützung von Döbelner Unternehmen ist eine individuelle Erinnerung entstanden.

02.09.2016

Drei bis 3,5 Millionen Euro sollte die neue Zweifeldsporthalle in Döbeln-Nord kosten. 4,23 Millionen Euro werden es nun voraussichtlich. Das zeigt die normgerechte Kostenschätzung und der aktuelle Stand der Bauplanungen für die Halle, welche am Donnerstagabend den Stadträten im Döbelner Hauptausschuss vorgestellt wurde. Ab Ende 2017 könnte gebaut werden.

03.04.2018
Anzeige