Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Leisniger Bahnhof nur eine Schmierwand – Mittlerweile ermittelt der Staatsanwalt

Kriminalität Leisniger Bahnhof nur eine Schmierwand – Mittlerweile ermittelt der Staatsanwalt

Der Leisniger Bahnhof ist zu einem Kampfgebiet der Extremen an den Rändern des politischen Spektrums geworden. Linke und rechte Schmierfinken tragen diesen Kampf mit Sprühfarbe aus. Sehr zum Ärger des Eigentümers. Auch Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth findet dieses Treiben sehr ärgerlich.

Einer schmiert etwas hin, der andere schmiert etwas darüber – und so geht es immer weiter an vielen Stellen an Leisnig Bahnhofsfassade.

Quelle: Foto: Sven Bartsch

Leisnig. Mit dem Leisniger Bahnhofsgebäude befasst sich nun die Staatsanwaltschaft Chemnitz. Schmierereien an der Fassade führten zur Anzeige wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Verbindung mit Sachbeschädigung.

Das Gebäude bietet von außen einen wüsten Anblick, ebenso die Unterführung zu den Bahngleisen. Diese hat jedoch mit dem im Besitz des aus der Schweiz stammenden Eigentümers Erwin Feurer nichs zu tun. Das Phänomen ist dort jedoch das gleiche – teils schlimmer: Einer schmiert etwas hin, der andere schmiert etwas darüber, daraufhin tritt der nächste Schmierer in Aktion und so weiter. Es entspinnen sich teils skurrile Dialoge. Der Inhalt: Links gegen Rechts und umgekehrt. Da wird der Bahnhof beziehungsweise die Stadt von jeder Seite als eigenes Hoheitsgebiet deklariert, werden Gewaltansagen an die Gegenseite kund getan. An den Wänden der Unterführung sind vermeintliche Angehörige der Gegenseite namentlich als Zecken oder Nazis bezeichnet. Welcher Schriftzug jeweils zuerst da war, ist manchmal nicht mehr nachzuvollziehen. Erwin Feurer steht seit etwa acht Wochen deswegen mit den Beamten der Polizeidirektion Chemnitz in Konktakt. Mit der Kamera dokumentierte er den Zustand der Bahnhofsfassade, damit sich die Ermittler ein Bild machen können.

Nicht nur Sachbeschädigung, auch Diebstahl

Die Sprühereien würden laufend passieren, und die Schäden seien gar nicht mehr irgend einem konkreten Ereignis oder Datum zuordenbar, beschreibt er die Situation. Neben den unzähligen Sprayereien seien weitere Sachbeschädigungen festzustellen, zudem Diebstähle im Außen- und auch Innenbereich.

Die Polizei hat Feuer im Zuge der Ermittlungen gebeten, die Schadenshöhe zu benennen beziehungsweise die Kosten, um diese zu beheben. Zudem soll der Eigentümer Stellung nehmen, welche Maßnahmen er ergriffen habe, um die Schmiererein zu beseitigen. Insbesondere ging es um ein Hakenkreuz. Durch das ständige Überschmieren ist heute nur noch zu erahnen, unter welchem Farbfleck sich dieses verbirgt.

Kommentar: Belebtes Haus für saubere Fassade

Der Leisniger Bahnhof ist wohl derzeit der einzige, über den hin und wieder geredet wird – wenn auch aktuell in einem beschämenden Kontext, den Schmierereien. Davor ging es um die Belebung des Gebäudes, hatten sich Jugendliche interessiert, suchten bei Erwachsenen nicht nur wohl meinende sondern tatkräftige Unterstützung.

Jetzt wirft der Staatsanwalt ein Auge auf das Haus. Das hat der Eigentümer nun davon, werden jene sagen, die ihm die Belebung des Hauses nie zutrauten, genau wissen warum es nicht klappt und gleichzeitig nie dazu beitrugen, dass sich etwas tut. Erwin Feurer ist greifbar, tut in kleinen Schritten etwas am Bahnhof, ist deshalb natürlich viel eher angreifbar als namenlose Finanzkonsortien oder Investoren, die sich Bahnhöfe wie in Döbeln untereinander weiterreichen. Ganz großes Kino: In Waldheim geschah das so lange, bis der Bahnhof abgerissen wurde. In Hartha zog sich ein privater Bahnhofskäufer wieder zurück. Was man dem Leisniger Bahnhofseigentümer vielleicht vorwerfen kann, ist seine Naivität, zu glauben, man brauche in einer sächsischen Kleinstadt nur mit genug gutem Willen aufzutreten, dann bewege sich etwas.

Dass das momentan nicht so ist, muss nicht so bleiben. Derzeit ist Feurer scheinbar der Einzige, der zusammen mit der Polizei zu so etwas wie der Ehrenrettung des Bahnhofs antritt. Sollten sich doch noch mehr Erwachsene einsetzen für den laut Konzept angestrebten Verein, steht das nicht nur dem Bahnhof, sondern generell Leisnig gut zu Gesicht. Steffi Robak

Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) registriert die Schmierereien auf dem gesamten Bahnhofsgelände als extrem ärgerlich. Der Bahnhof sei nicht das einzige Objekt in der Stadt, das vor allem mit politisch motivierten Schriftzügen aller extremer Seiten versehen wird. Aber dort konzentriere sich das seit Jahren. Goth weiß auch von Feurers früherer Idee, eine Wand eigens für Freunde des Sprühens aufzustellen, an der sie sich die Aktiven abarbeiten können. Unter den gegenwärtigen Umständen, dass jetzt schon strafwürdige Schriftzüge gesprüht werden, scheine das derzeit nicht aktuell zu sein – „für mich verständlich“, so Goth.

Nötige Wertschätzung fehlt

Feurer: „Wichtig ist, dass alle Teile der Bevölkerung den Bahnhof als erhaltenswert wahrnehmen.“ Er nehme hingegen wahr, dass nicht alle gleichermaßen mitziehen, selbst aktive Politiker und Jugend die nötige Wertschätzung für das Gebäude als Eingangspforte für eine bedeutende historische Stadt vermissen lassen.

Erste Ansätze beziehungsweise das Interesse junger Leisniger, Räume im Bahnhof auf der Basis von Feurers Vorstellungen zu nutzen, hatte es im Frühjahr gegeben, zum Beispiel mit dem Gedanken an eine Vereinsgründung. Aus den Reihen der Erwachsenen war die Unterstützung für die Jugend zum damaligen Zeitpunkt relativ verhalten.

Von Steffi Robak

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Döbeln

Was beschäftigt die Menschen in den kleinen Orten zwischen Döbeln, Waldheim und Hartha? Wir besuchen jene kleinen Dörfer, denen normalerweise wenig Beachtung geschenkt wird, geben einen Einblick in die Geschichte des Ortes und sprechen mit den Bewohnern über früher und heute. mehr

Die Redaktion der Döbelner Allgemeinen Zeitung (DAZ) ist jetzt noch mobiler unterwegs: Mit dem DAZ-Reporterauto fährt täglich ein Kollege im rollenden Büro durch den Altkreis Döbeln. Mit dem Reporter-Mobil rückt die Redaktion noch näher an ihre Leser heran - und kann von überall aus schnell und aktuell berichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr