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Leisniger Bürgermeister Tobias Goth: Verbrechen weiter bedrückend

Nach Tötungsdelikt Leisniger Bürgermeister Tobias Goth: Verbrechen weiter bedrückend

Im Bürgermeistergespräch ging Leisnigs Stadtoberhaupt Tobias Goth (CDU) auf das Tötungsverbrechen vom Freitag ein: „So dramatisch es war, so bedrückend ist es immer noch“, sagt er. Den Verstorbenen, der für den Bauhof arbeitete, beschreibt er als fleißigen Menschen.

Am Tatort wurden Blumen niedergelegt.

Quelle: Sven Bartsch

Leisnig. Im Bürgermeistergespräch ging Leisnigs Stadtoberhaupt Tobias Goth (CDU) auf das Tötungsverbrechen vom Freitag ein: „So dramatisch es war, so bedrückend ist es immer noch“, sagt er. Den Verstorbenen, der für den Bauhof arbeitete, beschreibt er als fleißigen Menschen. Zuletzt sei er beim Schmücken für das Burg- und Altstadtfest in der Stadt anzutreffen gewesen. Auch Hausmeisterdienste habe er in kommunalen Objekten erledigt, so als Krankheitsvertretung an den Schulen. Er sei als verlässlich, ruhig und verträglich bekannt gewesen.

So wie Goth rätseln viele, in welcher charakterlichen Konstellation es zu der unheilvollen Begegnung kommen konnte. So wie der Verstorbene ist der Beschuldigte in Leisnig relativ bekannt – wie in einer Stadt mit wenigen Tausend Einwohnern nicht unüblich. Befürchtungen der ersten Stunden nach dem tödlichen Angriff, es könne sich um einen ausländerfeindlichen oder anderweitig politisch motivierten Übergriff gehandelt haben, zerstreuten sich schnell. Beide Männer kommen aus Leisnig, wohnen in Marktnähe, können sich bereits vorher begegnet sein so wie auch andere Menschen, die sich dort gelegentlich aufhalten. Um so mehr beschäftigt es die Leisniger, welcher charakterlichen Art die Männer waren,die in die tödliche Auseinandersetzung gerieten.

Die öffentliche Wahrnehmung des Opfers entspricht in der Rückschau auf den Vorfall den positiven Schilderungen des Bürgermeisters. Auch der nun in Untersuchungshaft sitzende 25-jährige Tatverdächtige ist nicht unbekannt. In der von Diakon Michael Richter aufgebauten und bis Februar geführten Teestube am Apian-Platz war er als höflicher, hilfsbereiter, in den Teestuben-Kreis eingebundener Gast anzutreffen. Aus einem früher in Klosterbuch ansässigen, mittlerweile beendeten Resozialisierungs- und Integrationsprojekt für junge Männer aus sozial zerrütteten Verhältnissen war er vor etwa drei Jahren in eine handwerkliche Lehrausbildung nach Westdeutschland vermittelt worden. Von dort zurück, bezog er eine Altstadt-Wohnung. Ihm war eine gesetzliche Betreuung zur Seite gestellt. In den letzten Wochen schien er im Vergleich zu früher verändert, verschlossener, spürbar unzugänglicher. Die Konstellation in der Teestube ist seit Februar eine andere, Michael Richter wechselte nach Schwerin.

Wie berichtet, laufen die Ermittlungen wegen der Tötung bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz. Am Montag war zu beobachten, wie der Tatort zu Ermittlungszwecken fotografiert wurde. Eine Anklageschrift mit konkretem Tatvorwurf existiert nach wie vor nicht. Von Mord wäre die Rede bei einer vorsätzlichen Tötung aus Habgier oder mit der Absicht, eine Straftat zu verdecken. Ohne derartige Merkmale sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von nicht weniger als fünf Jahren vor - für Totschlag. Im Zweifel heißt das: Der Täter erkannte die Gefährlichkeit seines Handelns, nahm den Tod des Opfers jedoch nicht billigend in Kauf. Der Tötungsvorsatz muss besonders begründet werden. Dafür muss das Gericht jedoch alle Tatumstände würdigen können.

Von Steffi Robak

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