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Leisniger DJ will ganz nach oben

Leisniger DJ will ganz nach oben

Wer Michèl Krause in seiner Wohnung in Leisnig besucht, kommt sofort in Urlaubsstimmung. Da steht neben dem Schaukelstuhl eine große Palme und daneben wiederum ein kleiner Würfelkühlschrank mit Glasfront, in dem kühle Getränke aller Art locken.

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Das große Turntable-Set steht im Wohnzimmer von Michèl Krause. Der 23-Jährige mischt seine Musik meistens direkt zu Hause.

Quelle: Sven Bartsch

"Das ist Absicht, hier etwas Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen. Ich arbeite ja auch viel zu Hause", sagt der 23-Jährige, der vielen Fans von elektronischer Musik eher als Airdice an den DJ-Pulten der Region bekannt sein dürfte. Im heimischen Wohnzimmer muss man auch nicht lange nach Hinweisen auf das laute Hobby des Hausherren suchen. Auf einem Regal neben dem Fernseher steht ein großes Turntable-Set - nur dass sich da längst nichts mehr dreht. Statt von CD oder Schallplatte kommt die Musik vom USB-Stick, kann so für den Auftritt im Club oder beim Festival gemischt werden. "Die Übergänge zwischen den Liedern mische ich natürlich live. Das vorher aufzunehmen wäre Betrug, da braucht man auch keinen da oben hinzustellen", verteidigt Michèl Krause die allgemeine DJ-Ehre.

 

Seit fünf Jahren legt er in Clubs und Discotheken auf. Dabei war er früher gar kein besonderer Fan der "House" genannten elektronischen Musik. Doch ein Abend mit Freunden in der Gartenlaube veränderte alles. "Da war ich 16 und habe zum ersten Mal House-Musik gehört. Vorher habe ich eher auf Rockmusik gestanden, Die Ärzte zum Beispiel", erzählt der Leisniger. Damals noch ruhig und zurückhaltend, wie er sagt, interessiert er sich schnell für die treibende Musik aus Beats, Loops und Pipes. "Ich habe mir Lieder gesucht und wurde schnell Fan von Disco Dice aus Dresden. Und dann dachte ich, warum mache ich sowas nicht selbst?"

 

Michèl ist technisch interessiert, lässt sich zu jener Zeit bei der Telekom in Leipzig zum IT-Systemelektroniker ausbilden. Doch weil er in seiner Heimatregion bleiben will, lehnt er das Übernahmeangebot samt Ortswechsel ab und geht zurück in seine Leisniger Heimat. Da hat er längst mit der Arbeit als Discjockey (DJ) begonnen. Mit 18 Jahren beschließt er endgültig seinen Einstieg in die Szene. "Das war ein Tag am See in Luppa bei Wermsdorf. Da fiel die Entscheidung. Den Namen habe ich mir noch am gleichen Tag überlegt: Das Dice habe ich aus Disco Dice übernommen. Und ich hatte mir zuvor meine ersten Nike Air Max gekauft. So entstand Airdice", erinnert er sich.

 

Zuerst stellt sich der Neueinsteiger zu Hause Musiklisten mit dem Programm Virtual DJ zusammen und verschickt diese an seine Freunde. Das positive Feedback ermuntert zum Weitermachen. "Dann habe ich angefangen, in Discos in der Umgebung zu gehen, in den Club Roßwein und ins frühere Chic & Shock Waldheim. Erstmal habe ich nur zugeschaut und Kontakt zu den Veranstaltern gesucht. Ich habe meine CD abgegeben und sie haben sich gemeldet", erzählt der 23-Jährige. In Waldheim hat er dann mit 18 auch seinen ersten Gig, wie die Auftritte genannt werden. Später tritt er auch im Staupitzbad in Döbeln auf, dann in der ganzen Region bis nach Grimma.

 

Schnell findet Airdice seinen eigenen Sound, der bei den Besuchern gut ankommt. "Ich bin sehr speziell in meiner Musik. Es nennt sich ,Deep- und Tech-House' mit einigen fröhlichen Sounds dazwischen", erklärt er. 2011 verschafft ihm der Sieg beim DJ Contest im Blue Light Frauendorf bei Frohburg den Durchbruch: "Dadurch ging es richtig los. Ich durfte in der Alten Großküche in Grimma spielen und regelmäßig in der ganzen Region. So konnte ich mir eine echte Fanbase schaffen." Auch er selbst macht seine Auftritte unverwechselbar. "Ich bin eher der Hampeltyp und schwitze dann schnell. Vielleicht regt das auch die Leute zum Tanzen an", sagt er und lacht. Das fröhliche Naturell des klein gewachsenen Freizeitsportlers (Fußball, Fitness) trägt seinen Teil dazu bei.

 

Mit wachsender Bekanntheit steigen auch die Abendgagen. Von maximal 50 Euro am Abend als Anfänger hat er sich in höhere dreistellige Summen vorgearbeitet. Über die zweite selbst produzierte Single "Tu Bie" entdeckt 2013 die DJ-Agentur Global Stage Airdice und nimmt ihn unter Vertrag. Mit dem Mix landet er auf Platz 26 der deutschen Dance Charts - ein Meilenstein auf dem Weg zum Vollprofi. Denn arbeiten gehen muss auch Airdice nach wie vor. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet er nun bei "Endress und Hauser" in Waldheim, wo er für die Maschinenprogrammierung der Kabelfertigung zuständig ist. "Ich arbeite nur 32 Stunden. Mit Vollzeit wäre der DJ-Job an den Wochenenden nicht zu schaffen", sagt er. Seine Chefs sind außerdem angetan vom musikalischen Hobby des jungen Mitarbeiters. Ebenso wie die Eltern, die die Musik des Sohnemanns sogar im Auto hören.

 

Zu Hause kommen die PC-Kenntnisse der Arbeit mit der Musik zugute. Mit Laptop, Keyboard und Mischpult geht es an die Produktion der Tracks. Kein Wunder, dass sich Michèl Krause sehr gut vorstellen kann, später einmal als Produzent oder Techniker im Studio zu arbeiten. Doch das soll erst viel später eine Rolle spielen. Er will zumindest versuchen, in die erste Garde der DJs vorzustoßen, um dann allein von der Musik leben zu können. "Im Moment schwanke ich, ob ich allein darauf gehen soll. Ich habe mir das für die nächsten Jahre als Ziel gesteckt, aber ohne Krampf", sagt er. Nach Leipzig, Berlin und in die Schweiz hat er es schon geschafft. Zuletzt war er auf dem "Sonne, Mond, Sterne"-Festival zu hören. So soll es weitergehen. "Am liebsten aber", sagt er, "spiele ich zu Hause vor eigenem Publikum." Die vielen Freunde aus Leisnig würden ihm allzu langes Fernbleiben auch übel nehmen. Ein Auftritt war am Wochenende erst wieder im sanierten Leisniger Freibad zu sehen. Egal, wie hoch hinaus es für Airdice geht, er wird immer wieder kommen.

Fink, Sebastian

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