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Döbeln Leisniger Tier-Kinder im Harz in Obhut
Region Döbeln Leisniger Tier-Kinder im Harz in Obhut
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23:00 11.09.2012

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Harald Lyhs betreibt einen Gnadenhof für Hunde in Sargstedt bei Wernigerode und ist Vorsitzender des dazugehörigen Fördervereins. Zum Leisniger Tierheim hat er seit einiger Zeit Kontakt und konnte schon mehrmals helfen. So auch im Juni dieses Jahres, als in der Leisniger Einrichtung zwei etwa sechs Wochen alte Waschbären-Babys abgegeben wurden. Die Leisniger Tierschützer sahen sich außer Stande, die Fundtiere aufzuziehen und wandten sich an Harald Lyhs. "Da wir schon einmal Waschbären aufgenommen hatten, sagte ich ja und bin extra mit dem Auto nach Leisnig gefahren, um die Tiere abzuholen. Den Waschbären geht es gut, sie gedeihen prächtig. Beide sind jetzt im Rüpelalter und benehmen sich wie kleine Rowdys", schildert der Mann aus dem Harz am Telefon und man kann dabei sein Schmunzeln erahnen.

Anderen ist beim Thema Waschbär ganz und gar nicht zum Schmunzeln zumute - zum Beispiel etlichen Jägern der Region. Folgende Zitate belegen das. "Die Tiere müssten viel stärker bejagt werden, sie haben keine natürlichen Feinde. Aber viele Jäger nehmen den Waschbären nicht für voll", sagte Dieter Buhrig, Sprecher der Kreisjägerschaft Döbeln. Und als mit der Novellierung des sächsischen Jagdgesetzes so genannte Todfangfallen als Tabu eingestuft wurden, ärgerte sich Buhrig: "Wir werden den Waschbären so schon kaum Herr, weil sie nachtaktiv und damit am Tag kaum bejagbar sind." Auch Gerold Wagner, Vorsitzender der Ostrauer Jagdgenosschaft, äußerte sich nach Abschluss der letzten Jagdsaison kritisch: "Allein die Zahl der Waschbären hat zugenommen und das ist ein Problem, das die nächsten Jahre eher zu- als abnehmen wird, weil die Tiere ein Futterüberangebot vorfinden." Und Knut Falkenberg, der Präsident des sächsischen Jagdverbandes: "Ich finde den Waschbären auch süß. Aber er ist eben auch eine große Gefahr."

Eine Gefahr deshalb, weil er den Nachwuchs bedrohter Vogelarten wie Haubentaucher oder Nachtigall fresse.

Der Tierschützer Harald Lyhs ist - einmal ganz davon abgesehen, dass er in der Jagd eine "reine Selbstbefriedigung des Jägers" sieht - anderer Auffassung. "Das ökologische Grundprinzip lautet: Alles steht mit allem in Verbindung. Es wird in der Natur nie vorkommen, dass ein Fressfeind seiner Nahrungsquelle so zusetzt, dass sie verschwindet." Zudem bestünde die Hauptnahrung der Waschbären noch immer aus Mäusen und Regenwürmern. Die Tiere lebend zu fangen und dann zu erschießen, wie es häufig praktiziert wird, ist nach Lyhs' Ansicht keine Lösung. "Wenn der Groß- inquisitor Mensch den Waschbären auf diese Weise zu dezimieren versucht, begegnet das Tier diesem Treiben mit einer höheren Reproduktionsrate."

Der Tierschützer hat deshalb einen ganz anderen Vorschlag. "Wenn der Waschbär in einer Stadt oder einer Region wirklich zur Plage wird, dann könnte man mit Anti-Babypillen die Population regeln." Praktisch könnte das laut Lyhs so aussehen, dass Köder ausgeworfen werden, die die Pille enthalten. Frühere Fehler des Menschen, der den Waschbären selbst nach Europa geholt hat, mit dem Gewehr beheben zu wollen, sei hingegen reiner Unsinn.

Olaf Büchel

...kam bis Mitte des vorigen Jahrhunderts nur in Amerika zwischen dem südlichen Kanada und Panama vor. Heute besiedelt er weite Teile Europas und Asiens.

...ist 1927 in Form von drei Pärchen in Hessen ausgesetzt worden, mit dem erklärten Ziel, ihn in Deutschland heimisch zu machen. Das Forstamt Vöhl am Edersee (ebenfalls Hessen) setzte zwei weitere Pärchen aus. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges gelangten östlich von Berlin 25 Tiere aus einer Farm unbeabsichtigt in die Freiheit.

...lebt mittlerweile auch in Mittelsachsen gefährlich. Im Jagdjahr 2010/2011 wurden im Landkreis 129 tote Tiere registriert, im vorangegangenen Jagdjahr waren es noch 64 tote Waschbären, also die Hälfte.

... taucht, wenn er in Gefangenschaft gehalten wird, seine Nahrung oft unter Wasser, was als "Waschen" gedeutet wurde - daher sein Name.

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