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Döbeln Leisniger begrüßen Hospiz-Neubau in Scharen
Region Döbeln Leisniger begrüßen Hospiz-Neubau in Scharen
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00:26 28.03.2018
Hunderte Gäste wollten Einblicke im Hospiz erhaschen. Quelle: Gerhard Dörner
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Leisnig

„Heute Vormittag haben wir gedacht, es kommen vielleicht 300 Gäste. Aber das haben wir schon bei weitem überschritten“, konnte Frank Lohse schon zur Halbzeit der Eröffnung des Leisniger Hospizes am Sonnabendnachmittag erleichtert feststellen. Der Bauherr und maßgebliche Investor des Vorhabens zeigte sich gelöst ob des großen Besucherandrangs und der gelungenen Hausabnahme am Freitag.

Die zuvor eingeteilten Parkplatzanweiser hatten den gesamten Nachmittag über alle Hände voll zu tun. Die Zufahrt zum Hasenberg war auf der rechten Seite komplett mit Besucherfahrzeugen belegt. “Das ist ein Zeichen, dass es von der Bevölkerung angenommen wird“, freute sich Lohse. Dafür sprachen auch die vielen Spenden, die Privatleute, Firmen und Vereine mitbrachten.

Großer Andrang nach Führungen

Am Vormittag war der rund 1,22 Millionen Euro teure Neubau mit geladenen Gästen eröffnet worden. Am Nachmittag hatte der Verein Lebenszeit, der das Projekt initiiert und mit Hilfe von Familie Lohse umgesetzt hatte, die Öffentlichkeit zu einem Blick in das eingeschossige Haus gebeten. Die Pflegefachkräfte kamen mit den Führungen durch das Haus kaum noch nach.

Einblicke durften in fast alle Räume genommen werden. Der Gemeinschaftsraum bietet mit seinen wandhohen Panoramafenstern Wintergartenatmosphäre. Ein 450 Liter fassendes Aquarium soll hier noch in dieser Woche zum Blickfang werden, bevor im April die ersten Bewohner einziehen. „Das ist gut fürs Gemüt. Viele können nachts nicht mehr schlafen, setzen sich dann davor und kommen zur Ruhe“, erklärte Pflegerin Nicole Thiel bei einem der Rundgänge.

Kunstwerk an der Decke jedes Zimmers

Die zwölf Gästeräume – im Hospiz wird nicht von Patienten gesprochen, sondern von Gästen, die das Haus bewohnen – sind allesamt fertig eingeräumt und erinnern mit ihren Panoramafenstern und Terrassentüren sowie der liebevollen Einrichtung eher an Zimmer eines guten Landhotels.

Eiko Weber, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft, die das Haus künftig führen wird, zeigte sich stolz über das Bauergebnis und offenbarte seinen Blick fürs Detail. Denn über jedem Bett hängt an der Decke ein Bild des Döbelner Künstlers Frank Schäfer. Es zeigt den Blick von der Mulde aus nach Fischendorf, immer in leicht anderer Perspektive.

„Die Idee hatte ich aus dem Krankenhaus in Borna – da haben sie Vierecke an der Decke. Aber ich wollte nicht dass die Leute nur auf Vierecke starren müssen. Manche können gar nicht mehr aufstehen. Sie sollen etwas Entspannendes sehen, in dem man sich auch ein bisschen verlieren kann“, erklärte Weber.

Blick auf Apfelbaumplantage

Dazu soll auch ein großes Bad mit spezieller Wanne dienen. Ein Raum der Stille ist für Meditation und Vier-Augen-Gespräche eingerichtet worden – mit zwei gemütlichen Sesseln und Blick auf die benachbarte Apfelbaumplantage von Sachsenobst.

Während der Rundgänge kamen bei einigen Besuchern gemischte Gefühle auf. „Es ist schon etwas komisch, denn es ist ja etwas Trauriges“, meinte Claudia Mehner. „Ich bewundere die Leute, die hier arbeiten, ich könnte es nicht.“ Bärbel und Heinz Ehrlich streiften neugierig durch die Gänge. „Es ist toll, was sie hier errichtet haben und sehr gut, dass es ein Hospiz jetzt auch hier in der Region gibt“, meinte das Ehepaar.

Diana Fischer vom Verein Lebenszeit brachte es auf den Punkt: „Wir werden alle einmal diesen Weg gehen“, sagte sie. Und: „Das Hospiz wird gebraucht, weil sich die Familiensituation verändert hat. Die Leute werden älter und die Kinder wohnen oft weit weg. Das ist eine Reaktion auf die gesellschaftliche Entwicklung.“

Hospiz Leisnig

Das Leisniger Hospiz ist nach neun Monaten Bauzeit dem Verein Lebenszeit am 1. März übergeben worden. Rund 1,22 Millionen Euro hat es gekostet. Zwölf Plätze werden angeboten. Bis Mai wird hinter dem barrierefreien Gebäude noch ein öffentlich zugänglicher Park angelegt mit Fischteich, Bachlauf, Sandkasten und Feuerstelle. Um das Haus bauen zu können, hat der Verein eine gemeinnützige GmbH gegründet, deren Geschäftsführer Eiko Weber für den Betrieb des Hauses verantwortlich ist. Zwölf Mitarbeiter, davon sieben Pflegekräfte stehen ihm dafür zur Seite. Bauherr und Investor ist Dachdecker Frank Lohse aus Leisnig. Dessen Frau Alexandra verlässt nach 30 Jahren die Leisniger Helios-Klinik und übernimmt die Pflegedienstleitung des Hospizes. Dieses ist erst das siebte in Sachsen nach Leipzig, Dresden, Chemnitz, Oederan, Radebeul und Herrnhuth.

Von Sebastian Fink

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