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Leisniger kauft geklautes Blechkleid des Rosemarie-Mercedes – Richter gibt Bewährung

Karossen-Krimi am Amtsgericht Leisniger kauft geklautes Blechkleid des Rosemarie-Mercedes – Richter gibt Bewährung

Um die Karosse eines Traumwagens aus den 50er und 60er Jahren ging es am Freitag im Amtsgericht Döbeln. Ein Leisniger soll so ein Teil gekauft haben, obwohl er wusste, dass es wohl gestohlen war. Die Strafe trifft den Hehler wie den Stehler, musste der bisher nicht vorbestrafte Mittdreißiger am Ende der Verhandlung feststellen.

Ein automobiler Hingucker ist der Mercedes 190 SL noch immer, wie sich bei Oldtimermessen, wie hier in Markleeberg zeigt. Die Karosse dieses Traumautos war jüngst Gegenstand eines Kriminalfalles.

Quelle: Andre Kempner

Döbeln/Leisnig. Der Mercedes 190 SL war ein Traumwagen der 195oer und 1960er Jahre. Sein elegantes Aussehen und sein für damalige Verhältnisse Toppmotor mit 105 PS machten das Cabrio zu einem begehrten Statussymbol. Die Edelprostituierte Rosemarie Nitribitt fuhr so einen Wagen, bevor sie als Mordopfer zu einem der größten und skandalträchtigsten Kriminalfall der jungen Bundesrepublik wurde.

Angeklagter gesteht

Die Karosse eines 190ers war jetzt ebenfalls Gegenstand eines Kriminalfalls, den Strafrichter Janko Ehrlich am Freitag im Amtsgericht Döbeln verhandelte. Strafrichter, Amtsgericht – zwei Worte, die zeigen: So groß und spektakulär wie das Mädchen Rosemarie war der Karossen-Krimi nicht, wenngleich sich offenbarte, dass der 190 SL noch immer ein Traumwagen ist, für den als Oldtimer Spitzenpreise aufgerufen werden. Selbst das nackte Blechkleid kann über 20 000 Euro bringen, wie sich im Prozess zeigte. Ein Leisniger soll eine solche Karosse für lediglich 500 Euro gekauft haben oder sie in Bayern aus einer Scheune gestohlen haben. Und da liegt der Hase strafrechtlich im Pfeffer. Hehlerei oder schwerer Diebstahl, die Staatsanwaltschaft arbeitete mit einer sogenannten Wahlfeststellung in ihrer Anklage. Richter Ehrlich brauchte aber keine umfassende Beweisaufnahme mit etlichen Zeugen, Gutachten, Spurenberichten zu veranstalten, um dem Deutschen Diebstahl oder Hehlerei nachzuweisen, herauszufinden was denn nun zutrifft. Der Mittdreißiger räumte ein, die Karosse des Mercedes vor zwei Jahren in der bayerischen Pampa gekauft zu haben: „Mein Mandant wurde 2015 auf der Rückfahrt von Bayern angesprochen, ob er Interesse an Oldtimern habe. Er fuhr später dorthin zurück und kaufte in der bayerischen Einöde die Karosse. Dort sah er diese und andere Oldtimerteile wie auf einem markt präsentiert. Weil es keine Papiere und keinen Kaufvertrag gab, hat er geahnt, dass das nicht legal ist“, räumte der Mann über seinen Verteidiger den Tatvorwurf ein Also die Karosse des „Nitribitt-SL“ gekauft zu haben, obwohl er wusste, dass der Vorbesitzer durch eine rechtswidrigen Handlung an das Teil gekommen war.

Peinlicher Ausflug in die Kleinkriminalität

„An der Hehlerei kommen wir nicht vorbei“, sagte Richter Janko Ehrlich, der den nicht vorbestraften Mann schließlich zu einem Jahr und acht Monaten Haft Gesamtstrafe mit Bewährung verurteilte – nicht nur wegen der Karossen-Hehlerei, sondern auch wegen Betruges und Vortäuschens einer Straftat sowie weiterer Hehlereien, die der Mann allesamt einräumte. Als es dem Selbstständigen finanziell gerade schlecht ging, meldete er seinen Transporter als gestohlen und ließ die Versicherung den vermeintlichen Schaden regulieren. Die zahlte etwa 18 000 Euro an die Bank, bei der der Leisniger den Kleinlaster finanziert hatte und war auf diesem Wege den Kredit erstmal los. „Es war ein Fehler, das so zu machen“, sagte der Mittdreißiger, den sein kurzer Ausflug in die Kleinkriminalität offenkundig sehr peinlich ist. Das Geld zahlt er der Versicherung übrigens zurück und reguliert auf diese Weise den Schaden. Die anderen Hehlereien betrafen geklaute Fahrzeuge, die der Mann bei sich untergestellt hatte und die die Polizei bei einer Durchsuchung wohlbehalten wiederfand. Darunter einen Radlader, den unbekannt gebliebene Diebe 2010 auf der Baustelle der Autobahnparkplätze an der A14 bei Bockelwitz gemaust hatten. Es ist sehr wahrscheinlich das Baugerät, welches das Amtsgericht schon mal beschäftigte. Allerdings endete das Verfahren 2012 gegen die beiden mutmaßlichen Baggerdiebe mit Freispruch. es sah danach aus, dass sich die Männer zu der Zeit am Diesel auf der Baustelle bedient hatten, als andere den Bagger klauten. Und der dann auf verschlungenen Pfade zu dem Leisniger fand. Der angebliche Dieseldiebstahl war aber damals nicht angeklagt und blieb ebenfalls unaufgeklärt. Beim Radlader schloss sich hingegen der Kreis nun offenbar und bereichert Karossenkrimi um eine Anekdote.

Von Dirk Wurzel

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