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Leisniger rennen über die Alpen

Leisniger rennen über die Alpen

Auf einem Berg, im Urlaub hat Annett Naumann ihrem Mann Ronny vor anderthalb Jahren ein Geständnis gemacht, Ort und Zeitpunkt wohl überlegt: Den Transalpin Run wolle sie gern machen, gemeinsam mit ihrem Bruder Dirk.

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Ein eingespieltes Team, das jetzt gemeinsam vor seiner bislang größten sportlichen Herausforderung steht: Dirk Schreiber und Annett Naumann gehen als "Geschwister Dream Team" beim Transalp Run an den Start. Mit den dort zu absolvierenden Höhenmetern haben sich die Leisniger Langstreckenläufer schon mal beschäftigt.

Quelle: ME

Leisnig. Tun sie nicht. Was die Sache allerdings rein physisch und psychisch gesehen mit Sicherheit nicht einfacher macht. Doch Annett Naumann und Dirk Schreiber haben sich gut überlegt, was sie am kommenden Sonnabend, am 1. September, in Angriff nehmen. Seit vier Jahren tragen sich die beiden Leisniger mit dem Gedanken, in acht Tagen vom deutschen Ruhpolding aus ins italienische Sexten zu laufen. Ein paar Berge inklusive. Als sie 2008 im Kino einen Erlebnisbericht vom Transalp Run sehen, beschließen beide - unabhängig voneinander - dass sie das unbedingt einmal machen wollen. "Wir haben nebeneinander gesessen und keiner hat etwas gesagt", erinnert sich Annett Naumann. "Aber hinterher haben wir uns angeschaut und wussten beide Bescheid."

Erst alle Schulanfänge abwarten

Ihren Plan behalten die beiden zunächst für sich, schließlich muss familiär auch alles passen. Soll heißen: "Wir hatten seit 2008 jedes Jahr einen Schulanfang in einer unserer beiden Familien, da konnten wir das Projekt schon mal nicht in Angriff nehmen", sagt Dirk Schreiber. "Dieses Jahr ist das erste, in dem keines unserer Kinder in die Schule kommt." Nun gibt es kein Halten mehr, seit Januar stecken die Geschwister in der Vorbereitung auf ihre bisher größte sportliche Herausforderung.

Dass sie sich eher auf den langen Strecken zu Hause fühlen, zeichnet sich bei den beiden Organisatoren des Leisniger Burglaufes schnell ab. Annett Naumann, die durch ihren vier Jahre älteren Bruder animiert mit 14 Jahren das erste Mal auf ein Rennrad steigt, und später genauso wie er mit dem Laufen beginnt, absolviert mit Dirk zusammen 1996 ihren ersten Halbmarathon, noch im selben Jahr auch den ersten Marathon. 4:17 Stunden braucht sie, er kommt nach 4:02 Stunden ins Ziel. "Und zwischendrin war es wirklich hart", erinnert sich die heute 35-Jährige noch genau und lacht. Triathlon machen die Geschwister zu diesem Zeitpunkt auch noch, sind unterwegs auf zahlreichen Wettkämpfen. "Auf der Mitteldistanz in Rochlitz hab ich das erste Mal gespürt, dass die längeren Distanzen einfach entspannter, stressfreier sind", sagt Annett Schreiber, die in Leisnig als Anästhesieschwester arbeitet. Sie bleibt bei den langen "Riemen", läuft auch nach der Geburt ihrer beiden Kinder 2003 und 2005 aktiv Marathon, auch auf dem Rennsteig. "Ich fühle mich auf den langen Strecken viel wohler - je länger, umso besser." Ihrem Bruder geht es ähnlich und viele Wettkämpfe absolvieren die Geschwister gemeinsam. Sie sind ein eingespieltes Team - eine gute Voraussetzung, um den Transalpin Run zu meistern. Nur zwei Minuten dürfen sich die beiden Laufpartner nach dem gemeinsamen Start voneinander entfernen.

Durchschnittlich 40 Kilometer pro Tag werden Annett Naumann und Dirk Schreiber vom 1. September an achtmal absolvieren. Seit Januar trainieren sie, haben "Kilometer gesammelt", lange Läufe absolviert. Dann lange Läufe mit Berg. Im Frühjahr Tempoläufe. Der Chemnitz-Umrundung mit 60 Kilometern folgt der Sachsen-Dreier, bei dem die Leisniger die 50 Kilometer gerannt sind. Und schließlich die Generalprobe, der Zugspitz-Trail Ende Juni, bei dem sie 70 alpine Kilometer absolvieren (DAZ berichtete). "Das musste sein, wir hatten ja überhaupt keine Erfahrung mit dem Laufen in den Bergen." Sie testen alpines Gelände, Stöcke, Rucksäcke. Und seit der gelungenen Probe - keine Blasen an den Zehen, keine Knieschmerzen, keine Fußgelenks- und Magenbeschwerden - weiß Annett Naumann allerdings auch, dass sie viel lieber berghoch als bergab läuft. "Man lernt, Berge zu lieben."

Mittlerweile haben die beiden alle Hügel in der Region abgeklappert, sind ständig stundenlang unterwegs. Das Training ist zeitaufwändig, "aber es ist eine Einrichtungsfrage" so die junge Mutter. "Es gibt keine Minute in meinem Alltag, in der ich nichts tue." Auch ihr Bruder versucht, Training und Familie unter einen Hut zu bekommen. "Mein großer Sohn kommt zum Beispiel auch mal mit dem Mountainbike mit, wenn ich 30 Kilometer laufe." Es funktioniert - "was man wirklich will, erreicht man auch", sagt seine Schwester und ergänzt: "Wir haben aber auch viel Unterstützung von unserer Familie."

Die wird ab kommenden Sonnabend von zu Hause aus verfolgen, wie sich Annett Naumann und Dirk Schreiber als "Geschwister Dream Team" in der Ferne schlagen. Begleitet und betreut werden sie von zwei befreundeten Chemnitzern. Unterstützung haben sie auch von heimischen Unternehmen bekommen - Intersport Schmidt hat dafür gesorgt, dass beide jeden Tag ein anders farbiges Funktionsshirt am Leib haben, jeder das Gleiche natürlich. "Rot, grün, Blau und Orange haben wir." Dafür und auch für die Unterstützung des Leisniger Fitnessstudios Solemed, des Kreativfarbwerks aus Altenhof und der Leisniger Firma Afrasports sind die beiden dankbar. Und sie freuen sich, vor Ort ein weiteres Duo aus der Region zu treffen - Peter Anker und Udo Seifert aus Hartha und Döbeln, die bereits im vergangenen Jahr den Transalpin Run von Oberstdorf nach Südtirol mitgemacht haben.

Zum 40. Geburtstag durch die Berge rennen

Gesund wollen sie nach den acht Tagen alle ins Ziel kommen, die Zeit genießen. Und feiern müssen sie zwischendurch auch. Denn am fünften Etappentag feiert Dirk Schreiber seinen 40. Geburtstag. Und danach? "Werden wir sehen", schmunzeln beide. "Es wird sicher nicht so sein, dass wir jedes Jahr den Transalp Run machen. Aber im Ultralaufbereich werden wir bleiben. Das bietet einen viel größeren Reiz als ein normaler Straßenmarathon."

Manuela Engelmann

DIE ETAPPEN-ORTE

Ruhpolding (GER) - St. Johann (AUT)

St. Johann (AUT) - Kitzbühel (AUT)

Kitzbühel (AUT) - Neukirchen am Großvenediger (AUT)

Neukirchen am Großvenediger (AUT) - Prettau/Ahrntal (AUT)

Prettau/Ahrntal (ITA) - Sand in Taufers (ITA)

Sand in Taufers (ITA) - St. Vigil (ITA)

St. Vigil (ITA) - Niederdorf im Pustertal (ITA)

Niederdorf im Pustertal (ITA) - Sexten (ITA)

DAS RENNEN

Gestartet wird in Zweierteams, 4 Kategorien, 8 Tage, 8 Etappen über die Alpen, 9 Orte, 3 Länder, zirka 320 Kilometer Horizontaldistanz, zirka 15 000 Höhenmeter im Aufstieg.

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