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Döbeln Leisnigs „Belvedere“ nur noch eine Ruine
Region Döbeln Leisnigs „Belvedere“ nur noch eine Ruine
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15:45 05.03.2018
Alles andere als schöne Aussichten: Der Rest vom „Belvedere“ in Leisnig. Vorn ist die Feuerstelle zu erkennen.   Quelle: Steffi Robak
Leisnig

 Es ist wieder still um den Rest vom „Belvedere“. Zu den Räumen unterhalb vom Parkplatz rückte im Januar die Feuerwehr aus. Im Inneren zeugen zusammengelegte, rußgeschwärzte Ziegelsteine davon, dass sich hier jemand an einer provisorischen Feuerstelle wärmen wollte. Offenbar gerät das Feuer außer Kontrolle, beginnt zu qualmen und zu rußen.

Illegal genutzter Unterschlupf

Die Verursacher wollen sicher unentdeckt bleiben in ihrem illegalen Domizil: Tische und Stühle sind zusammengerückt. Nicht gerade von Gemütlichkeit, wohl aber von der Absicht, sich unbeobachtet in vier Wände zurückziehen zu können, zeugt das spärliche Interieur. In den Monaten November, Dezember und Januar beobachten Anwohner immer wieder, wie Personen vom Poststraßen-Parkplatz aus die Treppen nach unten nehmen.

Stadt muss alles sichern

Die tragen Motorradsturzhelme, sind deshalb nicht zu erkennen. Die Stadt hat nach dem Einsatz der Feuerwehr jedenfalls reagiert, will alles sicher verschließen lassen. Zuletzt brachen die Eindringlinge die Verschläge auf, schlugen Fenster ein. Dort soll sich niemand mehr illegal aufhalten oder einnisten können.

In der DDR Berufsschule

Dabei hatte sich ehemals auf dem Gelände ein Hotel befunden. Die Bezeichnung „Belvedere“, schöne Aussicht, war Programm, bietet sich doch von dort oben einer der schönsten Ausblicke hinweg über das Muldental. Die Zeiten, als Hotelgäste diesen Blick genossen, sind seit Jahrzehnten vorbei. Das Haus war die „Städtische Handels-, Gewerbe- und Berufsschule Leisnig“, wurde auch in der DDR als Berufsschule genutzt.

Kommune plädierte für Abriss

Jahrzehntelang pilgerten in den frühen Morgenstunden Jugendliche aus der Region, die per Zug anreisten, vom Bahnhof aus die Berg- und die Poststraße hinauf und am Nachmittag zum Bahnhof zurück. Nachdem die Berufsschule schloss, gab es nie wieder eine langfristige Nutzung. Das Gebäude verfiel zusehens. Vor zehn Jahren, in der Amtszeit von Heiner Stephan als Leisniger Bürgermeister, fiel bei der Stadt die Entscheidung, das ehemalige Hotel abreißen zu lassen.

Nur in Privathand entwickelbar

Nur das ganz untere, das Souterrain-Geschoss mit Fenstern hin zum Muldental, sollte stehen bleiben und zusammen mit den vorgelagerten, im Grunde viel interessanteren Terrassen wieder genutzt werden. Verlockend war damals der Gedanke, diese als Freisitz zu nutzen. „Dies könnte lediglich ein privater Interessent tun“, stellt Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) in einem Pressegespräch klar. Die Kommune jedenfalls habe an der Nutzung des Gebäudes kein Interesse.

Nutzungsvertrag für Rabattenpflege

Doch es tat und tut sich diesbezüglich wenig. Vor etwa vier Jahren entwickelte sich ein Projekt beziehungsweise eine Kooperation, die zumindest von außen für einen ansehnlichen Zustand sorgte: Die Stadtverwaltung schloss mit dem in Klosterbuch ansässigen Verein Be-Greifen einen Nutzungsvertrag. Dieser bezog sich auf die Pflege der Anlagen, wobei die Eigentümer-Verantwortung stets bei der Stadt blieb. Beim Blick über die Brüstung übers Muldental beziehungsweise nach unten bot sich dem Betrachter in dieser Zeit ein angenehmer Anblick auf gepflegte Blumenbeete.

Mauereinsturz beendet Vertrag

Dann brach aus der Bruchstein-Stützmauer unter den Souterrain-Räumen ein riesiges Stück heraus. Die bauliche Sicherheit war gefährdet. Daraufhin endete der Nutzungsvertrag zwischen Stadt und Verein. Die Stadtverwaltung ließ daraufhin in mehreren Jahresscheiben die Belvedere-Stützmauer sanieren – insgesamt ein Millionenprojekt.

Einbrecher kommen nach der Sanierung

Die Stützwand ist nunmehr wieder hergestellt und gibt entlang der ebenfalls sanierten Bergstraße ein ordentliches Bild ab. Alles andere liegt seitdem brach, so auch die Rabatten auf den Terrassen. Und wenn keiner ein Auge darauf hat, finden sich ungebetene Besucher ein, hinterlassen im schlimmsten Fall Schaden – wie im Januar.

Kommune hat keine Verwendung

„Die Stadt selbst hat keine Verwendung für den Gebäudekomplex“, bekräftigt der Bürgermeister. Jedenfalls bemühe sich die Stadt nicht aktiv um ein eigenes Nutzungskonzept. Ein Verkauf ist angestrebt, wie für etwa 40 weitere kommunale Immobilien. Angesichts der Lage des Objektes erachtet es Goth für sinnvoll, dass das „Belvedere“ aus Richtung Post mit genutzt wird. Doch dass aus dieser Richtung auch ein Interesse dafür besteht, ist derzeit nicht bekannt.

Nutzung nach Hotel-Abriss als Parkplatz

Was bisher von dem ehemaligen Hotel genutzt wird, ist der darüber gelegene Parkplatz mit 50 Stellflächen. Als rekultivierte Abrissfläche wurde er 2008 frei gegeben. Er fungiert zusammen mit dem Lindenplatz sowie dem Markt als Stellfläche unter anderem für Autobesitzer, die in den engen Altstadtstraßen keine Parkmöglichkeit finden.

Von Steffi Robak

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