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Leisnigs Kämmerin sagt nach 22 Jahren "ade"

Wechsel am kommunalen Rotstift Leisnigs Kämmerin sagt nach 22 Jahren "ade"

Nach 22 Jahren gibt es einen Wechsel an der Spitze der Leisniger Stadtfinanzen: Jutta Schauer, die mehr als zwei Jahrzehnte lang die finanziellen Geschicke der Stadt lenkte und leitete, geht in den Vorruhestand. Ihre Arbeit wird Andrea Graupner weiterführen, die auch bisher schon in der Stadtkämmerei arbeitete. Jutta Schauer blickt auf eine bewegte Zeit im Rathaus zurück.

Jutta Schauer, Kämmerin von Leisnig, geht in den Ruhestand und wird von Andrea Graupner abgelöst.
 

Quelle: Sven Bartsch

Leisnig.  „Der Stadtfinanzer arbeitet immer im stillen Kämmerlein. Ich bin diesen Rummel gar nicht gewöhnt.“ Jutta Schauer, als gelernte Industriekauffrau, später studierte Ingenieur-Ökonomin und zuletzt Diplom-Wirtschaftsingenieurin, lenkte sie 22 Jahre lang die finanziellen Geschicke der Stadt Leisnig. Während der letzten Ratssitzung des Jahres wurde sie offiziell verabschiedet.

Ebenfalls eingeladen waren Christine Bicknese und Tomas Schulze, zwei weitere langjährige Rathausmitarbeiter, die in diesem Jahr ihren Dienst im Rathaus beendeten. Bürgermeister Tobias Goth (CDU) verabschiedete neben Jutta Schauer auch Christine Bicknese in Anwesenheit der Ratsmitglieder mit einem Geschenk.

Die nunmehr ehemalige Kämmerin Jutta Schauer hat in ihrem Arbeitszimmer eine große Weltkarte an der Wand gegenüber ihrem Schreibtisch hängen. „Ich brauche die große weite Welt vor Augen“, begründet sie das und verrät, dass Reisen schon immer zu ihren Leidenschaften gehörte. Es war auch das Erste, was sie nach dem Ausscheiden aus der Verwaltung unternommen hat: Eine Reise. Jetzt möchte sie in Ruhe und in Familie die Advents- und Weihnachtszeit genießen.

 Sie richtete zur Ratssitzung noch einige Worte an den Stadtrat. Dabei gab sie folgenden Tipp: „Die Bürger und die Rechtsaufsicht messen eine Stadtverwaltung an der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommune. Deshalb vernachlässigen Sie bitte nie die Meinung der Kämmerin zu kommunalen Vorhaben. Denn nur sie hat wirklich den Überblick.“ Ihre Befugnisse als Finanzerin der Stadt legt Jutta Schauer in die Hände von Andrea Graupner.

Zwei Jahrzehnte lang lenkte Schauer die finanziellen Belange Leisnigs, hat 22 Haushaltspläne aufgestellt, große Projekte begleitet. Im Juni 1991, etwa 40-jährig, wechselte die damalige Bilanzbuchhalterin der Harthaer Elektromotorenwerke zur Stadtverwaltung Leisnig: In der Zeitung war per Inserat jemand für die Stadtkasse gesucht worden. Jutta Schauer stieg als Kassenmitarbeiterin ein, noch beim damaligen Stadtkämmerer Werner Heinicke. Er sei es gewesen, der sie zwei Jahre später ermutigte, sich für seine frei werdende Stelle zu bewerben, als er in den Ruhestand ging.

Ihre ersten Jahre als Kämmerin bezeichnet sie als aufregende Zeit: „Da wurden Fördermittel ausgezahlt, ohne dass überhaupt ein Fördermittelbescheid vorlag“, erinnert sie sich. Da hatte die Stadt zeitweise vier Millionen D-Mark auf dem Konto. Den Aufbau der Wohnungsverwaltung für den kommunalen Wohnungsbestand hatte sie begleitet, ebenso den Aufbau des Abwasserzweckverbandes. Das Pflegeheim in Fischendorf, heute Seniorenzentrum „Am Sonnenblick“ in der Leisniger Jahnstraße, wurde vom „Regiebetrieb", wie es zuvor hieß, zum Eigenbetrieb und später zur gGmbH umstrukturiert. Zwei große Haushaltsreformen habe sie mitgemacht, sagt Jutta Schauer: die erste zu Beginn der Umstellung von der DDR-Verwaltung auf bundesdeutsches kommunales Haushaltsrecht, und zuletzt die auf die Doppelte Haushaltsführung in Konten, kurz: Doppik. Das hatte ihr im Übrigen schon ihr Mentor Werner Heinicke prophezeit: „Frau Schauer, Sie werden auch noch doppisch buchen.“ – „Tja, und er sollte Recht behalten“, sagt sie lachend.

Mittlerweile sei die Stadt mit der Doppik-Umstellung so gut wie durch. Nur die Eröffnungsbilanz fehlt noch, und das ist ein Punkt, der die gewissenhafte Frau der Zahlen ein wenig wurmt: Sie hätte gern noch einen glatten Abschluss hingelegt, „aber es dauert eben alles seine Zeit, und das muss ich akzeptieren.“

Jetzt liegt der Kämmerin, die stets im stillen Leisniger Kämmerlein rechnete und buchte, wieder die weite Welt zum Verreisen vor Augen und vor den Füßen. Die große Weltkarte übrigens, die hat sie in ihrem Kämmerei-Kämmerlein im Rathaus hängen lassen – damit ihre Nachfolgerin dort ab jetzt von oben den richtigen Draufblick hat.

Von Steffi Robak

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