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Döbeln Leisnigs Linde mit Ober an der Decke zu haben
Region Döbeln Leisnigs Linde mit Ober an der Decke zu haben
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18:06 29.11.2016
Wollen bald nicht mehr hinterm Tresen stehen: Ute und Thomas Spanier. Quelle: Fotograf Sven Bartsch
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Leisnig

Im Leisniger Gasthaus „An der Linde“ gibt es etwas, was sonst kein Restaurant in der Umgebung zu bieten hat – „eine Art Markenzeichen“, schmunzelt Thomas Spanier. An der Holzdecke klebt der rote Ober aus einem Skatkartenspiel. Die Inhaber, Ute und Thomas Spanier, wollen das Haus nun verkaufen, mitsamt der an der Decke klebenden Spielkarte.

Zu einer Geburtstagsfeier hatte ein Zauberer die Karte mit großem Knall dort hin befördert. Dort sorgt sie für erstaunte Nachfragen. In den vergangenen Monaten sorgte das Gasthaus selbst für Gesprächsstoff: Was wird daraus, wenn Ute und Thomas Spanier zu Jahresbeginn das Rentenalter erreichen?

Funktioniert nur als Familienbetrieb

„Zunächst schien für uns alles klar zu sein“, sagt die Inhaberin. Der ältere Sohn, gelernter Fleischer, habe das Haus übernehmen wollen. Derzeit in den alten Bundesländern, habe er an den Wochenenden häufig in Leisnig mit gekocht. Als die Übergabe nahe rückte, die Familie zusammen saß und alle Zahlen zusammen rechnete, sei jedoch klar geworden: Der Laden funktioniert finanziell nur als Familienbetrieb. „Sobald man sich Angestellte nehmen muss, wird es schwierig“, weiß die gelernte Hotelfachfrau Ute Spanier. Für die Hilfe in der Küche sei vielleicht noch jemand zu bekommen. Doch für den Service – da höre es schon auf.

Schweren Herzens fiel innerhalb der Familie die Entscheidung gegen diesen Schritt. Der jüngere Sohn, in der Branche ausgebildet, koche mittlerweile in ganz anderen Sphären, in einem eigenen Lokal nahe Karlsruhe. Eine Rückkehr nach Sachsen, in die Linde, sei unter diesen Umständen noch viel weniger sinnvoll und denkbar. Deshalb fiel die Entscheidung für den Verkauf.

Dieses Jahr erstmals keine Silvesterparty

Die Spaniers wissen, dass sie ein gut eingeführtes Haus abgeben, und das soll in gute Hände gehen. Mit dem großen Raum, der flexibel einteilbar ist, empfehle es sich für größere Gesellschaften. Draußen gibt es freie Fläche, wenn die Kinder im Sommer raus möchten. „Sie stehen nicht gleich auf der Straße“, sagt Thomas Spanier. Ursprünglich sei ein Spielplatz geplant gewesen. Doch davon sei man ab gekommen, als sich die Übernahme innerhalb der Familie dann doch nicht abzeichnete.

Bis Januar öffnen Ute und Thomas Spanier das Haus wie bisher, Mittwoch bis Freitag ab 16.30 Uhr und am Wochenende ab Mittag. Auch für Familienfeierlichkeiten kann weiter gebucht werden. Eine Zäsur gibt es zum Jahreswechsel: Erstmals werden die Spaniers keine Silvesterfeier in der Linde anbieten.

Mit Verein vom Hasenberg an die Linde gezogen

Ab Februar ist dann nur noch am Freitag, Sonnabend und Sonntag ab Mittag offen. Bis dahin hoffen Spaniers, das Gasthaus verkaufen zu können. Interessenten habe es bereits gegeben, sagen sie. Jedoch konnte bisher niemand kaufen, weil alle einen Kredit von einer Bankbenötigt hätten und den dann doch nicht bekamen. Geben Spaniers das Gasthaus ab, endet die jüngste, zehn Jahre lange Episode in dessen Geschichte. 1926 begann diese an der heute bekannten Stelle mit dem Bau der Kegelbahn, einer Liegehalle und eines Brausebades. Gebaut hat dies der Verein für naturgemäße Lebens- und arzneilose Heilweise.

Gegründet 1885, zog der Verein 1925 nach einem Landtausch mit der Stadt vom ursprünglichen Domizil am Hasenberg an die Linde, woraus sich die dortige Schrebergartenanlage entwickelte. 1935 wurde dann das Vereinsheim mit Wohnung gebaut – das heutige Gasthaus. Der Gartenverein gab es nach der Wende für eine Mark an die Stadt ab, die verkaufte es weiter. Nach diversen Betreiberwechseln öffneten Spaniers am 1. September 2006. Ute Spanier bewirtschaftete zuvor das Vereinsheim der Fußballer an der Chemnitzer Straße.

Von Steffi Robak

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