Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Leisnigs neue Gemeindepädagogin: Mit fünf Kindern auf nach Tautendorf
Region Döbeln Leisnigs neue Gemeindepädagogin: Mit fünf Kindern auf nach Tautendorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:27 10.02.2016
Leisnigs Gemeindepädagogin Nicole Rietzschel mit Sohn Pepe.  Quelle: BARTSCH
Anzeige
Leisnig/Tautendorf

 Der Frühstückstisch ist gut besetzt: Die lange Tafel im Gastraum vom Tautendorfer Gasthof eignet sich hervorragend für das gemeinsame Frühstück einer siebenköpfigen Familie. „Das klappt aber nur in den Ferien“, sagt Nicole Rietzschel und lacht. Sonst seien morgens immer schon alle ausgeflogen: In die Schule, den Kindergarten, zur Arbeit. Nicole Rietzschel arbeitet derzeit für die evangelische Kirchgemeinde, übernimmt dort als Gemeindepädagogin für eine Übergangszeit Aufgaben vom vormaligen Diakon Michael Richter. Zum Sommer soll die Stelle neu ausgeschrieben werden. Bis dahin hilft Nicole Rietzschel, betreut die Christenlehregruppe in Altenhof und Leisnig und hält zudem den Religionsunterricht in Leisnig.

Als Gemeindepädagogin arbeitete sie vor mehr als zehn Jahren schon einmal in der Gemeinde Colditz-Lastau und bewohnte das Pfarrhaus in Zschirla. Dazwischen liegt nicht allein eine Zeitspanne von zehn Jahren, sondern auch ein Umzug über eine Distanz von knapp 2500 Kilometern, in die nordschwedische Region Västerbotten. Mit ihrem Mann Mattias Bittner und damals drei Kindern ging Nicole Rietzschel nach Schweden „um dort alt zu werden“, wie sie heute sagt. Die infrastrukturelle Versorgung mit Strom, Wasser Telefon löse sich jedoch 1000 Kilometer nördlich von Stockholm zusehends auf, ohne dass die Landespolitik spürbar gegensteuert. Die jungen Leute wandern ab, zum Beispiel in die größeren Küstenstädte. Von den ehemaligen Auswanderern gehen viele wieder in ihre Heimatländer. „Man kann auf viel verzichten“, sagt Rietzschel, „aber nicht auf medizinische Versorgung und Schulbildung. Mit Kindern sollte man Ärzte und Lehrer in der Nähe haben und nicht in mehr als 200 Kilometern Entfernung.“

So führte der Weg wieder zurück nach Deutschland. Leisnig beziehungsweise Tautendorf sei zunächst nicht der gezielt angesteuerte neue Wohnort gewesen. Zuvor hatte sich die Familie in Sachsen-Anhalt nach einem Haus mit Grundstück umgesehen. Dann griffen plötzlich viele Zufälle ineinander: Matthias Bittners Vater arbeitete vor Jahren im Gasthof Tautendorf als Hausmeister. So fiel das Augenmerk auf dieses Haus, wo Bittner jetzt auch wieder Gastronomie anbietet. Gekocht und gegrillt wird samisch, also nach Art der in Nordschweden lebenden Volksgruppe der Samen oder Lappen. „Ich habe mir das in den zehn Jahren in Schweden angeeignet, hatte als Kind schon sehr zeitig schlachten, räuchern und kochen gelernt. Das liegt mir, und ich mache das gerne für Gäste.“ Den Beweis liefert ein Blech mit einer hervorragenden Lachspizza. Im Garten steht ein großer, aus Backsteinen gemauerter Grill.

 Der Weg von Nicole Ritzschel zur Arbeit als Gemeindepädagogin für die Leisniger Kirchgemeinde war eine logische Konsequenz aus der Ansiedlung in Tautendorf: Rietzschels Vater, ebenfalls Gemeindepädagoge, hat Verbindung zur Leisnigerin Renate Stephan, in Kinder- und Jugendtagen Rietzschels Flötenlehrerin. „Irgendwie eilte mir mein Ruf als Gemeindepädagogin nach Leisnig voraus, da waren wir noch gar nicht richtig hier“, schmunzelt die 40-Jährige. „Zunächst dachte ich: Um Gottes Willen, fünf Kinder, Kneipe und dann noch die Arbeit – eigentlich fühle ich mich jetzt schon ausgelastet. Aber ich freue mich, dass es so gut funktioniert hat.“ Es sei ihr eigener Wunsch gewesen, für die Gemeinde eine halbe Stelle zu übernehmen. „Mehr ist für mich nicht drin.“ Gruppen, die am Abend laufen wie Teestube oder Junge Gemeinde, könne sie leider nicht betreuen. „Abends habe ich mich um die Kinder zu kümmern.“ Die zwei Mädchen und drei Jungen sind zwischen sechs und 17 Jahre alt.

Wichtig bei ihrer Arbeit als Gemeindepädagogin ist für Nicole Rietzschel, Kinder in den Gemeindemittelpunkt zu rücken, sie dort jenseits kommerzieller Reize zu fördern und zu fordern, „denn so lernen sie etwas für ihr Leben.“

Von Steffi Robak

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Roßweiner Dampfmaschinenverein startet mit voller Kraft ins zehnte Jahr seines Bestehens. Am Wochenende stehen die Tore des Domizils in der Stadtbadstraße weit offen für das 5. Maschinenhausfest. Das Heizen des Kessels der alten Honomag-Dampfmaschine hat bereits begonnen, morgen ist Probelauf.

09.02.2016

Thomas Klimiuk scheidet aus persönlichen Gründen aus seinem Ehrenamt im Harthaer Kommunalparlament aus. Die Räte stimmten mit einer knappen Mehrheit der entsprechend vorgelegten Beschlussvorlage zu.

09.02.2016

Das Kinderhospiz „Bärenherz“ sammelt Spenden in liebevoll gestalteten Dosen, die auch in Döbelner Geschäften stehen. Wie herzlos muss jemand sein, Spendengeld für todkranke Kinder zu stehlen? Eine 28-jährige vorbestrafte Döbelnerin soll eine solche Benefiz-Büchse geklaut haben. Aus strafrechtlicher Sicht war ihr das nicht nachzuweisen.

09.02.2016
Anzeige