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Leopolds (May-)Lust

Leopolds (May-)Lust

Pfingsten, Maylust, Leopolds - ein unzertrennliches Trio. Das beliebte Ziel auf einem Felsvorsprung hoch oben über Klosterbuch lockt jedes Jahr zu Pfingsten hunderte Wanderer an.

Wendishain.

 

 

 

 

Sie 64, er 64, beide freundliche Zeitgenossen, umtriebig, gastfreundlich. Gekühlte Getränke stehen bereit. Für einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Maylust, die im 19. Jahrhundert selbst Königsfamilien anzieht. Auch einen ganzen Ordner gibt es, mit Dokumenten und Fotos. "Das hier war 1990, unser erstes Maylusttreffen. Da waren wir noch jung", schwärmt Brigitte Leopold und zeigt auf ein Foto mit einem weißen Verkaufswagen direkt am Waldrand. "Nein, das war später, beim ersten Mal hatten wir doch einen Holzwagen", protestiert ihr Mann Christian. Nun gibt es einen kleinen ehelichen Schlagabtausch, keiner will nachgeben. Am Ende haben beide recht, wie ein Foto beweist. Es war das erste Mal und es gab zwei Wagen, einen weißen und einen hölzernen. Die Leopolds lachen.

Sie freuen sich das endlich Frühling ist, das Pfingsten und damit ihr großer Auftritt vor der Tür steht. Der zurückliegende Winter ist lang gewesen, besonders für die Leopolds. Sind es doch die ersten Monate, die sie durchweg gemeinsam zu Hause verbringen. Die Frau gibt vorigen September das kleine Lebensmittelgeschäft auf, dass sie über zwei Jahrzehnte lang im Heimatort führte und geht in Rente. Er, noch angestellt beim Harthaer Bauhof, macht Altersteilzeit und befindet sich bereits in der passiven Phase, ist also ebenfalls daheim. "Alle sagen immer: Wenn ich doch nur bald im Ruhestand wäre! Wenn es dann so weit ist, ist es gar nicht so einfach", versichert Brigitte Leopold. Vor allem die erste Zeit sei schwierig gewesen. Das Einfamilienhaus, dass sich das Paar vor fast 40 Jahren gebaut hat - übrigens ausgerechnet an dem Wendishainer Weg, der zur Maylust führt - wird da schon mal etwas eng für beide. "Doch diese Phase haben wir jetzt überstanden", sagt sie augenzwinkernd. Die aus rund zehn Leuten bestehende Maylust-Mannschaft hat sich in den vergangenen Tagen schon mehrmals getroffen. Es gibt viel zu besprechen und vorzubereiten. Hunderte Gäste an zwei Tagen, beispielsweise 250 Portionen Gulaschsuppe und 40 Kilogramm Bismarkhering für die Fischbrötchen, solche Mengen wollen bewältigt sein.

Die Alten im Dorf erzählen immer von Pfingsten und der Maylust ihrer Kindheitstage. Mit einer gewissen Sehnsucht. Also entschließen sich Leopolds und vier weitere Wendishainer Familien im Nachwendejahr zu dem Schritt, die alte Tradition aufzunehmen. Da das Gelände der eigentlichen Maylust im Naturschutzgebiet liegt, ist die stillgelegte Sandgrube oberhalb bald als idealer Ort gefunden. "Anfangs haben wir uns noch Tische und Stühle in der Nachbarschaft zusammengeborgt", berichtet Christian Leopold. Beim ersten Anheizen der Gulaschkanone fliegt diese fast in die Luft, weil keiner weiß, dass der Speisenkessel unbedingt vorher mit den Zutaten gefüllt werden muss. Beim Einschalten des Bockwurstwärmers bricht die ganze Stromversorgung zusammen - ein Verbraucher zu viel. Mittlerweile läuft alles professioneller ab: Es gibt Sitzgarnituren, einen Bierwagen von einem Getränkevertrieb und das tuckernde Schiffsaggregat liefert genug Strom für alle Geräte. Geblieben ist, dass sich Brigitte Leopold nicht ins Rezept für ihre legendäre Gulaschsuppe hineinreden lässt. Auch von den Kindern und Kindeskindern nicht, die inzwischen zum Teil auf der Maylust mitmischen.

Leopolds, die sich 1968 im Staupitzbad in Döbeln verlieben und drei Jahre später in Hartha heiraten, haben selbst zwei erwachsene Kinder - Sohn und Tochter - sowie zwei Enkelinnen. Und es gibt noch eine große Leidenschaft, die den gelernten Bäcker und die studierte Ökonomin verbindet und die angesichts ihres Maylust-Einsatzes nahe liegt: es ist das Wandern. Die Eheleute sind Mitglied der Wandersportgruppe des ESV Lok Döbeln. Sie engagiert sich beim Fettbemmen-Schmieren für den Sachsendreier, er als Hüttenwart für die vereinseigene Wanderhütte in Obervogelgesang in der Sächsischen Schweiz. Überall im Haus der Leopolds hängen Bilder von Bergen, Gipfeln und Kletterern. "Hier", sagt Christian Leopold und tippt stolz auf eine Fotografie, die ihm am Gipfelkreuz des Großglockners zeigt. Im Alter von 60 Jahren hat er diesen mit zwei Freunden bestiegen. Bei solchen Gewalttouren bleibt die Frau lieber im Tal. Doch wenn es, wie erst vor ein paar Tagen, zum Wandern in die Böhmische Schweiz geht, ist sie mit von der Partie.

Wendishainer, das sind beide mit Leib und Seele. "Vor allem wenn wir aus dem Urlaub zurückkommen und unser Dorf von weitem eingebettet in diese Landschaft sehen, dann spüren wir, was für eine schöne Heimat wir haben", sagt Brigitte Leopold. Jetzt im Frühling und gerade zu Pfingsten gilt das allemal. Olaf Büchel

 

Zum Treffen auf der Maylust wird für diesen Sonnabend, 11 bis 18 Uhr und für Sonntag, 10 bis 18 Uhr, eingeladen. Es gibt Gulaschsuppe, Roster, Wiener, Fischbrötchen, Kuchen, Getränke und viel gute Laune.

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