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21:48 13.09.2013
"Was macht das Krokodil?" Beim Anschauen der Bilderbücher animiert Sprachberaterin Mandy Geißler die Kinder zum freien Erzählen. Bilderbücher oder das Vorlesen und gemeinsame Erzählen spielen leider in manchen Elternhäusern keine große Rolle. Defizite bei der Sprachentwicklung sind die Folge. Quelle: Wolfgang Sens

Denn es steht offenbar schlecht um die Sprache. Deshalb wird bei den Kleinkindern in der Einrichtung mit aktiver, spielerischer Sprachförderung begonnen und dabei ist auch die ältere Generation gefragt.

"Eins, zwei, drei vier, fünf, sechs, sieben - eine alte Frau kocht Rüben - eine alte Frau kocht Speck und du bist weg." Begeistert machen die Krippenkinder der Einrichtung mit, wenn Mandy Geisler ihnen Fingerspiele, Abzählreime und vieles mehr beibringt. "Auch das gehört zur Sprachförderung. Der Rhythmus bei Liedern und Reimen hilft den Kindern, die Sprachmelodie zu verinnerlichen", erklärt Sprachberaterin Mandy Geißler. Die 22-Jährige hat Soziale Arbeit studiert und sich auf dem Gebiet der kindlichen Sprachentwicklung für das vom Bundesfamilienministerium geförderte Projekt intensiv weitergebildet. Bis Ende 2014 ist sie je zwei Wochen im Monat im "Haus der kleinen Stifte" in Döbeln und im Awo-Kindergarten "Tierhäuschen" in Waldheim im Einsatz.

"Im Kinderkrippenalter wird Sprache sehr geprägt. Deshalb sind Lieder, Reime, Sprachspiele mit Farben und Zahlen und alles was die Sprachmotorik fördert, schon in dem Alter unheimlich wichtig", sagt die junge Frau. Studien des Bundesfamilienministeriums zeigen nämlich, dass sprachliche Defizite schon im Kleinkindalter beginnen und sich durch das ganze Leben ziehen. Schlechte Sprache wirkt sich später aufs Lesen und Schreiben aus. Die gesamte Ausbildung bis zum Berufsleben werden davon überschattet. Und das beginnt mit falsch ausgesprochenen Lauten und damit, dass in manchen Haushalten sich zu wenig um Sprache gekümmert wird. "Dabei ist die Sprachentwicklung im Kleinkindalter extrem wichtig und in der Regel mit fünf Jahren abgeschlossen", so die Sprachberaterin. Bilderbücher und das gemeinsame Erzählen von Eltern und Kindern, das Vorlesen, Singen, Reimen sind deshalb so wichtig, für Aussprache, Wortschatzbildung und die grammatikalische Satzstellung "Kinder lernen das vom Hören, sonst bleibt die Satzstellung wie eine mexikanische Würfelbude", formuliert Mandy Geißler etwas drastisch. Sätze wie "Haben ich gegesst." sind dann zu hören. Sie sollten von Eltern und Erziehern liebevoll und unauffällig richtig gestellt werden. Etwa mit einer Gegenfrage: "Was hast du gegessen". Auch das Kleinkinder früh feste Nahrung bekommen, ist wichtig für die Sprache, weil sich so Zungen- und Mundmuskeln bilden, die für die Lautbildung unerlässlich sind.

Die sprachpädagogische Arbeit mit den Kindern und die enge Zusammenarbeit mit den Eltern gehört zu den Aufgaben der Sprachberaterin. Zudem kümmert sie sich um die Qualifizierung und Begleitung des Teams der Kindereinrichtung. Diese Wissensvermittlung an gestandene Erzieherinnen der Kita ist für die 22-Jährige eine recht anspruchsvolle Aufgabe. "Sie und ihre Arbeit sind eine echte Bereicherung für unser Team", lobt Kita-Leiterin Jacqueline Spieler ihre Sprachberaterin. Dass die sprachliche Entwicklung der Kinder generell schlechter geworden ist, kann sie aus ihrer Erfahrung nicht bestätigen. Doch gravierende Defizite bei einzelnen Kindern sind spürbar und traten auch schon mal gehäufter auf. Deshalb habe sich die Awo Kinderwelt gGmbH als Träger der Kindereinrichtung mit insgesamt vier Kitas in Döbeln, Waldheim, Grimma und Wurzen um das Sprachprojekt beworben.

Das Bundesfamilienministerium steckt bis Ende 2014 runde 400 Millionen Euro in das Projekt "Offensive frühe Chancen". Deutschlandweit 4000 Einrichtungen - insbesondere in sozialen Brennpunkten - werden gefördert, indem Kinder mit sprachlichem Förderbedarf eine in den Kita-Alltag integrierte, altersgerechte Förderung erhalten.

Thomas Sparrer iVorlese-Omas und -Opas, die ab und an Zeit zum Vorlesen und Erzählen mit den Kindern haben, können sich telefonisch unter Döbeln 71 05 82 oder in Waldheim 034327/ 9 31 25 melden.

Thomas Sparrer

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