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Lessing-Gymnasium Döbeln: Flüchtlingskinder schreiben ihre Geschichten auf

Erzählprojekt Lessing-Gymnasium Döbeln: Flüchtlingskinder schreiben ihre Geschichten auf

24 Kinder, mit zwölf unterschiedlichen Nationalitäten und elf unterschiedlichen Muttersprachen schreiben am Lessing-Gymnasium Döbeln in dieser Woche ihre Geschichten auf. Sie erzählen von ihrer Flucht, ihrem Leben und ihrer Sehnsucht nach der Heimat oder sie schreiben eigene Erzählungen. Übersetzer helfen ihnen dabei beim Deutschen und ihrer Muttersprache.

Literaturübersetzerin Maria Hummitzsch, Tom Heinich, Autorin Juliane Blech und DAZ-Lehrer André Krauß (v.l.) beim Erzählprojekt in der Aula des Gymnasiums.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. 24 Kinder, mit zwölf unterschiedlichen Nationalitäten und elf unterschiedlichen Muttersprachen schreiben am Lessing-Gymnasium Döbeln in dieser Woche ihre Geschichten auf. Sie erzählen von ihrer Flucht, ihrem Leben und ihrer Sehnsucht nach der Heimat oder sie schreiben eigene Erzählungen, etwa von einem einbeinigen Huhn.

Im Auftrag des Deutschen Übersetzerfonds und mit finanzieller Unterstützung des Berliner Kultursenats hat Maria Hummitzsch ein Konzept für das Erzählprojekt erarbeitet. Ihr Wunsch war es, dass das Projekt neben Köln, Stuttgart oder Berlin auch in einer kleineren stattfindet. Die freischaffende Übersetzerin aus dem Englischen und Portugiesischen leitet seit Montag das einwöchige Erzählprojekt am Döbelner Lessing-Gymnasium. Sie kehrt damit an ihre alte Penne zurück, wo die aus Ziegra stammende junge Frau 2002 ihr Abitur bekam, um danach in Leipzig, Lissabon und Florianópolis (Brasilien) Übersetzung, Psychologie und Afrikanistik zu studieren. Neben der Hallenser Autorin und Geschichtenerzählerin Juliane Blech hat sie zu diesem Workshop Tom Heinich mitgebracht, der 2001 sein Abi in Döbeln schrieb, und Thomas Pönitz, der am LGD und am Beruflichen Schulzentrum Döbeln die Hochschulreife erwarb.

Gemeinsam mit Lehrer André Krauß beschäftigen sie sich in diesem Workshop mit den 24 Kindern, die André Krauß sonst allein in der DAZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) am Lessing-Gymnasium unterrichtet. Die Kinder im Alter von zehn bis 17 Jahren sprechen Rumänisch, Bulgarisch, Polnisch, Portugiesisch, Englisch, Albanisch, Arabisch, Dari, Oromo, Tschetschenisch und Thailändisch. 16 der Kinder haben Fluchterfahrungen. Allesamt sind sie trotz der Unterschiede bei Alter, Sprache und Herkunft eine Gemeinschaft, die begeistert Deutsch lernt und ihre Geschichten aufschreibt.

Ein Mädchen aus dem Libanon übergibt André Krauß stolz eine acht Seiten lange Geschichte über ihre Heimat, in die sie irgendwann zurückkehren möchte. Ein junger Syrer beschreibt die Hauptstadt Damaskus als Paris des Orients und als seinen Sehnsuchtsort. Maria Hummitzsch ermuntert die Kinder in ihrer Muttersprache zu schreiben. „Sie sollen zwar Deutsch lernen doch dabei ihre Muttersprache nicht vergessen. Ihre Sprache ist ihre Identität und es ist ein Geschenk, wenn man mehrere Sprachen kann“, sagt die 34-Jährige, die selbst neben ihrer Muttersprache Englisch, Portugiesisch spricht.

„Doch was ist meine Muttersprache“, fragt der 15-jährige Junge aus Nigeria traurig. „Eigentlich Edo. Doch Edo kann er nicht schreiben. Englisch hat er in der Schule gelernt. Aber die Geschichte wollte er lieber auf Deutsch oder Spanisch aufschreiben“, schildert Maria Hummitzsch. Bevor er nach Deutschland gekommen sei, habe er ein paar Jahre bei Verwandten in Spanien gelebt. „Was für eine Sprachen-Biografie“, ist die Übersetzerin begeistert. Insgesamt zehn Dolmetscher hat sie für das Döbelner Erzählprojekt gewonnen und im Hotel Döbelner Hof untergebracht. Heute reisen sie an und werden mit den Kindern gemeinsam ihre Geschichten in der Muttersprache und in Deutsch erarbeiten. Für Thailändisch bekam sie kurzfristig noch eine Zusage. Der Junge aus Äthiopien spricht allerdings nicht Amharisch, sondern Oromo. Einem entsprechenden Übersetzer wird sie seine Zeilen schicken.

Gegen Ende des ersten Projekttages haben alle Kinder begonnen zu schreiben. Manche nur ein paar Sätze, manche gleich mehrere Seiten. Das Thema steht ihnen frei. „Wer Krieg erlebt hat und seine Familie vermisst, hat keine Lust auf Märchen“, schreibt Maria Hummitzsch beeindruckt in ihrem Internetblog. Die Geschichten der Kinder sollen nach dem Ende der Projekte jeweils in Deutsch und ihrer Muttersprache in einem Buch gedruckt werden. Gemeinsam mit der Schülergruppe „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ soll es am Lessing-Gymnasium Lesungen geben.

Von Thomas Sparrer

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