Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Lindenplatz Leisnig nie als Ruhepol geplant
Region Döbeln Lindenplatz Leisnig nie als Ruhepol geplant
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:29 08.10.2018
Grüner Ruhepol in der Stadt: Leisnigs Lindenplatz wird sich verändern. Quelle: Steffi Robak
Leisnig

Was soll der Leisniger Lindenplatz nach seiner Sanierung werden: Ein grüner Ruhepol im Herzen der Stadt? Oder ein auf den Elternzubringerverkehr ausgerichteter Kreisverkehr? In der jüngsten Stadtratssitzung war das Thema. Die Befürworter der Verkehrsvariante setzen sich durch. Nicht alle Räte tragen die Entscheidung mit. Aus den Zuhörerreihen kommt ebenfalls Widerspruch.

Unmut bleibt im Raum stehen

Zuletzt hatte es wegen der Sanierungspläne für den Lindenplatz Einsprüche von Anwohnern gegeben. Die geplante neue Autofahrspur entlang der Nordseite des Platzes, die künftig an ihren Grundstücken vorbei führt, wollen sie nicht. Die Verwaltung räumte Gespräche ein, an denen manche Anwohner beteiligt waren, andere wiederum nicht. Manche Einspruchsführer ließen sich überzeugen. Andere sind es bei Weitem nicht - nämlich die nicht am Gespräch beteiligten.

Kommentar: Historische Chance in Leisnig passé

Der Lindenplatz von Leisnig muss gestaltet werden. Wie vor rund 150 Jahren schon einmal. Schon damals richteten die Stadtväter ihre Entscheidung nach aktuellen Erfordernissen. Die heutigen Stadtväter tun es ebenso, mit anderen Voraussetzungen. Mit den aktuellen Verkehrsströmen konnte und musste vor 150 Jahren niemand rechnen. Auch nicht damit, wie unterschiedlich die Interessenlagen der Leisniger in dem Punkt sind. Die Wahrheit ist: Die Ruhe, welche die Lindenplatzanwohner für sich gefährdet sehen, verschaffen sich andere Leute, in dem sie sich ein Häuschen auf dem Dorf bauen. Dann fahren sie ihre Kinder per Auto zur Schule. Und verursachen damit etwa 15 Minuten lang am Morgen so viel Konzentration von Autos an einem Fleck in Leisnig, dass verkehrsplanerisch neu gedacht werden muss. Die Welt hat sich weiter gedreht. Die Prioritäten der Altvorderen, wie so ein Platz gestaltet werden kann, sind um eine maßgebliche Facette reicher: Die persönliche Auto-Mobilität. Die historische Chance, einen Lindenplatz in Leisnig herzustellen, wie er vor 150 Jahren war, ist somit vertan. Allerdings auch die Chance, die autofahrenden Eltern zum Beispiel auf den Lindenplatz-Parkplatz abbiegen zu lassen, wo ihre Kinder aussteigen und über den Schulhof die Schule hätten erreichen können. Das wäre sehr sicher gewesen, weit entfernt vom starken Autoverkehr auf dem Lindenplatz.

Lindenplatz vor 150 Jahren gestaltet

Sie ärgern sich, weil ihre Einwände kein Gehör finden. Ihnen aus dem Herzen spricht Norbert Giersch vom Geschichts- und Heimatverein. Dabei wohnt er gar nicht am Lindenplatz. In einem Autorenkollektiv vom „Neuen Mildensteiner Erzähler“ – Publikation des Leisniger Geschichts- und Heimatvereins - befasst er sich derzeit mit der Historie des Lindenplatzes. Vor etwas mehr als 150 Jahren befassten sich die damaligen Stadtväter mit dem Lindenplatz, verliehen ihm in den Grundzügen seine heutige Gestalt.

Promenade kontra Kreisverkehr

Giersch: „Die Stadtväter konzipierten den Lindenplatz als eine Promenade, also: zum Spazieren und Verweilen. So sehr ich die heutige Position der Stadtverwaltung nachvollziehen kann: Meiner Meinung nach hat das Argument des sicheren Autoverkehrs für die Schüler ein zu großes Gewicht bekommen bei den aktuellen Sanierungsplänen. Der Lindenplatz sollte Ruhepol innerhalb der Stadt bleiben. Bei der jetzigen Planung hätte das stärker im Einklang stehen können.“

Erholungsort war nie Planungsprämisse

Bürgermeister Tobias Goth (CDU) hat dazu eine eindeutige Meinung: „Der Charakter als Erholungsort und Ort der Ruhe hatte bei der aktuellen Planung niemals Vorrang. Das war nie Planungsprämisse.“

Städtebaulich hätten beispielsweise die großen innerstädtischen Parkplätze am Lindenplatz sowie am Belvedere Voraussetzungen geschaffen, die eine höhere Verkehrsfrequenz am Lindenplatz nach sich ziehen. Die beiden Schulen, zu denen die Eltern morgens ihre Kinder bringen, tun ihr Übriges. Darauf gelte es bei der Sanierung vom Lindenplatz das Augenmerk zu legen.

Option Bergstraße offen halten

Ratsmitglied Mario Böhme (SPD): „Einen allein auf den Autoverkehr optimierten Lindenplatz kann ich nicht befürworten.“ Auch Hans-Hermann Schleußner (Freie Wähle Stadt und Land Leisnig) steht dieser Kreisverkehrslösung skeptisch gegenüber. Er sagt: „Wir sollten uns auf jeden Fall die Option offen halten, dass der Autoverkehr Richtung Bergstraße abfließen kann.“

2019 soll alles fertig sein

Letztlich stimmte die überwiegende Mehrheit der Ratsmitglieder für die aktuelle Planung. Noch im Dezember sollen die Arbeiten für die Lindenplatzsanierung ausgeschrieben werden, mit dem Baubeginn wird für April gerechnet. Dann könnte die Lindenplatzsanierung noch im Jahr 2019 abgeschlossen sein.

Von Steffi Robak

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Messer nutzt ein Kurde aus der Region Döbeln selbst recht rege. Wenn er in seinem Bistro das Dönerfleisch vom Drehspieß schneidet. Im Januar 2017 schloss er sehr schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Schneidwerkzeug. Ein solches hatte sein Kontrahent als Stichwaffe benutzt und den Kurden erheblich verletzt.

08.10.2018
Döbeln Empfang für die Jüngsten im Rathaus - Neue Babys in Roßwein begrüßt

Wenigstens 55 Babys soll Roßwein am Jahresende zählen. Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) ist zuversichtlich, dass das gelingt. Schließlich gab es zu Jahresbeginn einen Stromausfall in der Stadt.

08.10.2018
Döbeln Neue Entwässerungsleitung - Waldheim legt Grundschule trocken

Nach regelmäßigen Überflutungen des Heizraums bekommt die Waldheimer Grundschule nun eine neue Entwässerungsleitung. Dafür zahlt die Stadt rund 45.700 Euro. Darüber hinaus sind durch zusätzlich Tischler- und Trockenbauarbeiten im Nordflügel Mehrkosten entstanden.

08.10.2018