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Döbeln Lokführer im Ruhestand baut alte Roßweiner Signale in seinem Vorgarten auf
Region Döbeln Lokführer im Ruhestand baut alte Roßweiner Signale in seinem Vorgarten auf
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17:07 29.12.2015
Andreas Dehnel vor den frisch aufgebauten Signalen in seinem Limmritzer Vorgarten. Quelle: Sven Bartsch
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Limmritz

Sieht aus, wie an der Eisenbahn im Vorgarten von Andreas Dehnel in Limmritz: Signale, ein Häuschen mit einem Signalfernsprecher drin, Weichenköpfe. Nur Schienen führen da keine direkt vorbei. Noch nicht. Denn Andreas Dehnel plant, Schaugleise zu verlegen und die Rauchkammertür einer der legendären Schnellzug-Lokomotiven der Baureihe 03 aufzustellen. Zusammen mit den Windleitblechen gibt das perfekten Anschein, als fahre ein Zug durchs Zschopautal. Die Rauchkammertür hat der Limmritzer bereits aufgearbeitet. Sie stammt von einer 03, die Andreas Dehnel als Lokführer bei der Deutschen Reichsbahn selbst gefahren hat.

Die Geschichte des großen Hauptsignals im Limmritzer Reichsbahn-Ensemble ist recht spektakulär. Sie reicht von Roßwein über Braunschweig nach Limmritz, ein Abstecher führt über das Amtsgericht Döbeln. Eigentlich wollte es Andreas Dehnel auf dem kurzen Weg von Roßwein holen, wo die Bahn gerade die Signaltechnik des Bahnhofs erneuern ließ. Die alte wäre auf den Schrott geflogen. Jemand von der Bahn hatte Andreas Dehnel das Okay gegeben, er könne sich die alten Signale samt der Masten abholen. Das war im September 2012.

Aber es kam anders. „An die Reichsbahn erinnert doch sonst nichts mehr, die Teile wären auf den Schrott geflogen“, sagte Andreas Dehnel in seinem Prozess am 18. November 2013 im Amtsgericht Döbeln. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn und einen Bekannten des versuchten Diebstahls angeklagt. Auch weil ein sehr aufmerksamer junger Mann (der sich übrigens selbst für die Signale interessierte) die Männer beim Abbau beobachtete und meinte, bei der Polizei aussagen zu müssen, Andreas Dehnel und sein Gehilfe hätten sich versteckt (was nicht stimmte), bekam Andreas Dehnel Ärger mit der Justiz. Die Sache ging glimpflich aus: Seinen Bekannten sprach Richter Janko Ehrlich damals frei. Signal-Mann Dehnel kam auch straffrei aus der Affäre heraus. Richter Ehrlich stellte mit Zustimmung der Staatsanwältin das Verfahren wegen geringer Schuld ein. Bedingung: Andreas Dehhnel zahlt 500 Euro Geldauflage an den Weißen Ring. Er gilt damit weiter als unschuldig, denn ohne Urteil mit Schuldspruch gibt es auch keine Schuld.

Die Auflage hat der ehemalige Lokführer im Range eines Reichsbahninspektors längst bezahlt. Bereits vor der Gerichtsverhandlung hatte er die Signale der Bahn ordentlich abgekauft und sie aus Braunschweig im dortigen Signal-Werk der Bahn geholt. „Seit dem Prozess habe ich die Signale aufgearbeitet, entrostet und gestrichen. Vor kurzem habe ich sie aufgestellt“, sagt er. Für die Fundamente hat er sich fachlichen Rat geholt. Das Hauptsignal vom Roßweiner Bahnhof steht auf einem 1,20 Meter tief gegründeten Betonblock, den Andreas Dehnel mit Schweißbahn gegen eindringende Nässe geschützt hat. Ebenso das Fundament für das Vorsignal, das 80 Zentimeter tief gegründet ist. Es stammt aus Grimma. „Ich bin stolz auf das, was ich hier geschaffen habe“, sagt Andreas Dehnel. Auf dem Stolz ruht er sich aber nicht aus, sondern arbeitet bereits am nächsten Projekt: Die Rauchkammertür der 03er Dampflok steht fertig überarbeitet in der Garage. Der 63-Jährige hat sie dem Bergbahn-Verein in Klostermannsfeld im Südharz, nun ja, abgeschwatzt. „So oft wie ich dort fünf Monate lang angerufen habe – da haben sie mir die Rauchkammertür für 150 Euro überlassen“, sagt Andreas Dehnel schmunzelnd. Die Signale vom Roßweiner Bahnhof waren etwas teurer.

Zurzeit grübelt Andreas Dehnel, wie er die Windleitbleche nach Limmritz bekommt. Die passen nicht auf den Autoanhänger. Er könnte übrigens auch eine richtige Schnellzuglok in Limmritz aufstellen. Aber dafür reicht der Platz nicht. Seine 01 – Maschinen dieser Baureihe sind der Inbegriff der deutschen Schnellzugdampfloks – hat Andreas Dehnel einem Eisenbahnverein in Wittenberge zur Dauerleihe gegeben.

Von Dirk Wurzel

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