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Döbeln Lommatzscher Pflege: Gute Böden, wohlhabende Bauern
Region Döbeln Lommatzscher Pflege: Gute Böden, wohlhabende Bauern
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18:18 17.04.2018
Christian Lantzsch hat eine neue Publikation über die Lommatzscher Pflege herausgegeben. Quelle: Bärbel Schumann
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Leisnig/Börtewitz

Christian Lantzsch, 70 Jahre alt, in Nossen geborener Bauernsohn und pensionierter Tierarzt, präsentiert die zweibändige Publikation „Die Lommatzscher Pflege - gestern und heute“.

Herr Lantzsch, was macht die Lommatzscher Pflege als landwirtschaftliche Region bedeutend?

Hier gibt es die fruchtbarsten Böden in diesem Landstrich, der von Meißen bis Döbeln und Lommatzsch bis Nossen reicht, etwa zwischen den Flüssen Triebisch, Mulde und Döllnitz.

Wie kommt das?

Bis hierher reichte der Eispanzer der letzten Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren. Diese hinterließ hier eine bis zu 15 Meter dicke Schicht Lößboden. Die Lommatzscher Pflege ist das Zentrum dieses mittelsächsischen Lößhügellandes.

„Kulturlandschaft“ - eine stark kultivierte und intensiv genutzte Landschaft, wird auch gleichgesetzt mit konventioneller Landwirtschaft – und als solche kritisiert. Angeblich steht sie der ökologischen Landwirtschaft entgegen. Wie geht das Buch darauf ein?

Grundsätzlich ist die Lommatzscher Pflege deshalb eine Kulturlandschaft, weil sie zuvor vollkommen bewaldet war. Kultivierung heißt in dem Sinne: Bäume roden und den Boden überhaupt urbar machen. In welcher Form er bewirtschaftet wird, ist eine andere Frage. Die Kritik an der konventionellen Art der Landbewirtschaftung mag für manchen teils berechtigt sein. In den beiden Bänden, die am Freitag in Börtewitz vorgestellt werden, kommen viele Facetten zum Tragen wie unter anderem das Landschaftsbild überhaupt, die Geschichte von der Reformation bis zur Wende, Brauchtum, Handwerk, und das Thema Landwirtschaft streift Ackerbau wie Viehzucht. Vorgestellt werden in dem Zusammenhang also auch alternative Bewirtschaftungsformen, wie sie aktuell in Mahlitzsch, Pulsitz und anderen Ökohöfen stattfindet.

Was hat die Bodenbewirtschaftung mit der hiesigen Kultur tun?

Sehr viel, denn die Wertschöpfung aus der Bodenbewirtschaftung bestimmt sämtliche andere Bereiche des Arbeitens und Lebens. Ein bisher wenig beleuchtetes Thema ist das der Kleidung, insbesondere der Trachten. Die Autoren wurden fündig beispielsweise in der Bibliothek des Denkmalpflegeamtes Dresden. Es gibt eine Nossener, Marbacher, Lommatzscher Tracht. Das sind Festtags- oder zumindest Sonntagstrachten. Wo guter Boden war, dort war Wohlstand. Das sieht man noch heute an den Kirchen, zum Beispiel in Jahna, Lommatzsch, Tragnitz oder Hohenwussen – da war Geld da bei den Bauern. Diese stifteten und finanzierten damals großenteils die Ausstattung der Kirchen, zum Beispiel, aber nicht allein, die Orgeln.

Wer wirkte an der Publikation mit?

Insgesamt hatte ich mit zirka 140 Autoren Kontakt. Die zwei Bände stützen sich auf die Zeitzeugeberichte, auf das Wissen jener Menschen, die das erlebt haben. Ich hatte durch meine Arbeit als Tierarzt, speziell für Pferde, hier in der Region den Kontakt zu den Menschen, konnte sie deshalb gezielt ansprechen. So kommen Zeitzeugen zu Wort, wie Axel Schmidt-Gödelitz vom Gut Gödelitz oder auch Leiter früherer, in der DDR volkseigener Güter wie Horst Klimes.

Was ist das Anliegen dieser zwei Buchbände?

Die Publikation widmet sich den Fragen, welche Aspekte unseres Brauchtums heute hochaktuell und es wert sind, wiederbelebt zu werden. Oder warum das Bauerntum in der Lommatzscher Pflege und in Sachsen seine gesellschaftlich starke Position behielt, im Gegensatz beispielsweise zu Preußen oder Mecklenburg. Die Publikation soll auch zum Nachdenken anregen, wie die hier lebenden Menschen das in der Region Gebotene nutzen und sich selbst einbringen können.

Auf welche Zeit bezieht sich die Recherche?

Bearbeitet wird die Zeit von der Reformation bis zur Wende. Über die Jahrzehnte zwischen 1945 und 1990 und bis heute berichten Zeitzeugen. Ein Wanderbuch zum Lommatzscher Pflege von Morten Beger existiert bereits. Zur Urgeschichte ist zeitgleich ein Buch herausgegeben worden von Frank Uhlemann.

An wen richtet sich die Lesung in Börtewitz?

Im Prinzip an alle, die Teil der Kulturlandschaft sind, also nicht allein Landwirte, sondern auch Handwerker, Vertreter von Kirchen und Schulen, die seit der Reformationszeit das kulturelle Rückgrat bilden. Wenn keiner dahinter steht, wird nichts. Zur Kulturlandschaft gehören logischerweise auch alle Menschen, die dort leben. Das bedeutet Kulturlandschaft Lommatzscher Pflege.

Christian Lantzsch: Die Lommatzscher Pflege - gestern und heute. ISBN 978-3-00-058016-1

Von Steffi Robak

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