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Döbeln Luther macht ’ne Welle: Surfbretter stehen jetzt am Pilgerweg in Ziegra
Region Döbeln Luther macht ’ne Welle: Surfbretter stehen jetzt am Pilgerweg in Ziegra
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10:46 27.09.2018
Der Künstler Stefan Knechtel (m.) schuf die lasergeschnittenen Globusteile seiner Plastik „Sphären“. Diese wurde am Dienstag am Lutherweg in Ziegra in der Abendsonne feierlich eingeweiht. Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (l.), Baudezernent Thomas Hanns (2.v.r.), beide in Mönchskutte, Irina Schädlich als Katharina von Bora (2.v.l.) sowie Frank Brinkmann (r.) vom Kulturförderverein Schaddelmühle aus Grimma freuen sich mit den Bewohnern des Döbelner Ortsteils über die Kunst am Wegesrand. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Die Kinder der Kindertagesstätte in Ziegra haben bei ihren Spaziergängen gleich erkannt, um was es sich bei dem neuen Kunstwerk in ihrem Ort handelt. „Das sind Surfbretter“, schilderte Ortsvorsteherin Helga Busch die Deutungen aus dem Kindermund. Sie durfte am Dienstagabend die feierliche Einweihung des Kunstwerkes am Lutherweg unweit des Parkes am Rittergut in Ziegra eröffnen.

Ein bisschen erinnern die neun Teile des Kunstwerkes tatsächlich an Surfbretter. Auf den zweiten Blick offenbart sich aber dem Betrachter, dass es sich um einen aufgeschnittenen Globus handelt. „Globus - Sphären“ heißt auch das eiserne Kunstobjekt, welches der Altenburger Grafiker und Bildhauer Stefan Knechtel mit einem Laser geschnitten hat. Es handelt sich um einen in neun Teile aufgeschnittenen Globus. Die Globusteile sind jeweils zwei Meter hoch und einen halben Meter breit. An den kleinen Teichen in Ziegra, unmittelbar am dort entlang führenden Lutherweg, hat der städtische Bauhof das Kunstwerk aufgestellt.

Der Künstler Stefan Knechtel in seinem Werk. Quelle: Sven Bartsch

Seit Anfang Mai arbeitet der Künstler am Original. Im Döbelner Rathaus wurde es als Modell erstmals in Verbindung mit der Personalausstellung des Künstlers öffentlich gezeigt.

Unter dem Namen „Reformation und Kunst“ startete das Projekt bereits im August 2017. Getragen wird es vom Künstlerhaus Schaddelmühle e. V. in Grimma. Die Leader-Gebiete Leipziger Muldental, Sachsenkreuz+ und Sächsisches Zweistromland-Ostelbien förderten das Kunstprojekt finanziell. „Der Sächsischen Lutherweg soll so mit Kunst am Wegesrand bereichert werden“, sagte Iris Schönbrodt, Projektleiterin von „Reformation und Kunst“ bei der Einweihung. Entlang des Lutherweges werden auf den Territorien der Städte Grimma, Döbeln, Leisnig und Mügeln insgesamt vier Kunstwerke aufgestellt. Auch die Stadt Döbeln beteiligt sich mit rund 4000 Euro an der Idee. Das Kunstwerk „Sphären“, das die Stadt Döbeln dafür am Dienstag feierlich per Eigentumsurkunde übergeben bekam, hat einen Wert von etwa 12 000 Euro. Im Zuge eines zweistufigen Wettbewerbes bewarben sich Künstler mit zunächst 24 Entwürfen. Eine Jury wählte daraus vier Kunstwerke aus, die realisiert wurden.

Die Ziegraer nehmen das Kunstwerk gern an. Quelle: Sven Bartsch
Zu sehen waren bei der Einweihung auch diese Drucke. Es handelt sich um die Abdrücke der grafisch anmutenden Oberflächenstruktur auf den Globusteilen der Skulptur. Quelle: Sven Bartsch

Stefan Knechtel, 1964 in Dessau geboren, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo er später auch eine Gastprofessur inne hatte. Der Globus, der kurz nach Gutenbergs Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern und kurz vor Beginn der Reformation erfunden wurde, passt zum Thema Reformation. „Die neun Zweiecke von Stefan Knechtels Plastik bilden einen aufgeschnittenen Globus. Die Oberflächen haben eine grafische Struktur. In der Witterung wird sich die Skulptur künftig auch verändern“, beschrieb Frank Brinkmann, künstlerischer Leiter im Projekt „Reformation und Kunst“ und Geschäftsführer des Kulturfördervereins Schaddelmühle das neue Kunstwerk. Wanderer, die am sächsischen Lutherweg in Ziegra an der Plastik Rast machen, finden auf einer Informationstafel einen QR-Code. Wer diesen scannt, bekommt alle Informationen zum Projekt und zur Reformation auf sein Handy.

Der Lutherweg in Sachsen verbindet auf 550 Kilometern länge 26 Orte der Reformation. Neben der Plastik in Ziegra wird die Metallskulptur „Schriftobjekte“ am Wanderweg zwischen Schaddel und Grimma platziert. Das Glasobjekt „Die jungen Frauen“ wird am Kloster Marienthal in Sornzig stehen. Leisnig bekommt die „Lutherbank“ aus Keramik - an der Suptur mit Blick zum Muldental.

Das Bläserensemble der Musikschule Döbeln sorgte für den musikalischen Rahmen. Quelle: Sven Bartsch

Die Ziegraer Bürger haben die Kunst am Wegesrand am Dienstagabend noch gemeinsam mit Wein, Fettbemmen und Rostern vom Grill gefeiert. Ortschaftsrat, Kulturamt und Limmritzer Feuerwehrverein sorgten fürs leibliche Wohl, das Bläserensemble der Musikschule für den musikalischen Rahmen. Irina Schädlich und Vizebürgermeister Lothar Schmidt sorgten als Katharina von Bora und Lutheraner Jacob Seidler für eine geschichtliche Einordnung des Kunstwerkes in die Reformationszeit. Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer und sein Technischer Beigeordneter Thomas Hanns kamen extra in Mönchsgewändern zur Einweihung gepilgert.

Von Thomas Sparrer

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