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Luxus-Nistplatz in zehn Metern Höhe

Nabu übernimmt Trafoturm in Maltitz Luxus-Nistplatz in zehn Metern Höhe

In Maltitz bei Döbeln gibt es bald ein neues Vogelhotel: Die Nabu-Gruppe Lößhügelland hat einen zehn Meter hohen, ehemaligen Trafoturm übernommen und baut diesen nun zum Nistplatz um. Gruppenleiter Frank Ende hofft auf Schwalben, Mauersegler und Schleiereulen, vielleicht auch Fledermäuse oder Falken.

Frank Ende (M.) übernahm den Trafoturm in Maltitz von Mitnetz-Fachreferentin Silka Keil.

Quelle: Fotograf Sven Bartsch

Maltitz. Würde man es nicht besser wissen, könnte man meinen, der Stromversorger in der DDR hätte den Trafoturm in Maltitz schon beim Bau 1960 als Nistplatz für Vögel und Fledermäuse angelegt: Knapp zehn Meter hoch, mit vielen Nischen und Ecken innen, jeder Menge Bäumen in kurzer Distanz und ein glasklarer Dorfteich direkt davor – ein echter Luxus-Nistplatz eben. Nach 57 Jahren als Turm für einen Transformator (Trafo), der den ankommenden Strom aus der Mittelspannungsleitung in Niederspannung für die anliegenden Haushalte umwandelte, ist er gestern genau dieser neuen Bestimmung übergeben worden: Die Nabu-Regionalgruppe Lößhügelland darf den Turm ab sofort zum Biotop umfunktionieren.

Dazu kamen Regionalgruppenleiter Frank Ende und Silka Keil, Fachreferentin Dokumentation Liegenschaften von Mitnetz, nach Maltitz in der ehemaligen Gemeinde Mochau. „Der Turm war bis vor kurzem noch in Betrieb. Erst letzten Monat wurden die Leitungen abgeklemmt“, sagte Silka Keil. Weil abzusehen war, dass der Turm nach der Neuverlegung einer unterirdischen Mittelspannungstrasse samt neuer Trafo-Kompaktstation im Ort nicht mehr gebraucht werden würde, hatte sich Mitnetz frühzeitig an den Nabu gewandt. Mehrfach hatte das beispielsweise im Leipziger Land schon geklappt, nun zum ersten Mal auch in der Region Döbeln.

Nach der noch weitaus älteren Trafostation in Kiebitz ist der Maltitzer Turm das zweite Objekt dieser Art für die Regionalgruppe. „Wir waren seit Sommer im Gespräch und haben lange überlegt“, sagte Frank Ende. „Bisher war das Gebäude ja durch seine Funktion in einem eher tierfeindlichen Zustand. Jetzt müssen wir es erstmal mit Öffnungen und Nistkästen herrichten.“ Bis zum Frühjahr soll alles bereit für den ersten Einzug von Tieren sein.

Dabei helfen die günstigen Konditionen, die Mitnetz dem langjährigen Partner Nabu anbietet: Für einen symbolischen Euro konnte der Naturschutzbund den Turm kaufen, der sich nach Sanierung erst vor rund 15 Jahren in einem sehr guten Zustand befindet. Dazu gibt Mitnetz 1000 Euro für die Herrichtung des Turms.

Frank Ende hatte gestern gleich ein eigenes Türschloss dabei, um den Turm auch technisch in Besitz zu nehmen. Innen ist er völlig leergeräumt. Nur ein paar abgeschnittene Kabelenden und die metallenen Halter für die Stromleitungen außen erinnern an die einstige Funktion.

Klappt alles wie gewünscht, könnten in der nächsten warmen Jahreszeit Rauch- und Mehlschwalben, Mauersegler oder gar Schleiereulen einziehen. Auch, dass ein Greifvogel wie der Falke sich einnistet, sei denkbar, meinte Frank Ende. Selbst für Störche wäre das Flachdach des Turms mit einer entsprechenden Nisthilfe interessant. „Im Teich davor müsste es ja genügend Frösche geben“, juxte Silka Keil. „Leider ist der Storch in dieser Region nicht sehr stark verbreitet, da es zu wenige Grünflächen im Umfeld gibt“, erklärte Frank Ende. Mit ein paar Umbauarbeiten könnte der Turm sogar für Säugetiere interessant werden, doch ob diese unternommen werden, sei derzeit noch nicht absehbar, sagte er.

Von Sebastian Fink

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