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Döbeln Lyrische Prozession im Rathaus
Region Döbeln Lyrische Prozession im Rathaus
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11:59 07.02.2012
Eines der "Nachtschicht"-Werke, das beim Bühnenbällchen von Josephine Schulz zur Versteigerung präsentiert wurde. Quelle: W. Sens
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Döbeln

Dass sich hinter dem Titel Außergewöhnliches verbirgt, wissen die Döbelner bereits, ist doch die "Nachtschicht" die Fortsetzung der sporadischen "Vollmondnächte" vom Vorjahr, die mit ähnlichen Konzepten aufwarteten. Diesmal organisierten das Mittelsächsische Theater, die Kleine Galerie und das Lessing-Gymnasium eine "Rilke-Nacht", die sich dem Lyrik-Großmeister mit Malerei, Tanz, Musik, Sprache und Aktion näherte.

Da war natürlich zunächst die Vernissage zur Ausstellung "Das ist mein Fenster", die in der Rathaus-Galerie Bilder von Olga Scheck zeigt. Den Bogen vom Dichter zur einheimischen Künstlerin schlug dabei Kunstpädagoge Claus Vejrazka, der in einer rhetorisch gewandten Laudatio erläuterte, wie sich Inspiration in Kunst wandelt. Dass man für die Beschäftigung mit Rilkes Texten bisweilen gar keine Sprache braucht, zeigte danach das Chemnitzer Ensemble Anasages mit seiner Performance "Punktlandung" - eine moderne Tanzdarbietung, die den Konflikt von Nähe und Ferne, von Sehnsucht und Einsamkeit, der Rilkes Werk durchzieht, in kraftvolle pantomimische Bilder übertrug.

Mehr als genug Sprache gab es dafür bei der Aktion "Elegie", die Theater-Chefdramaturg Hagen Kunze mit den Besuchern auf der großen Rathaustreppe organisierte. Der Text der ersten Duineser Elegie, eines der komplexesten Rilke-Gedichte, wurde hier in kleinste Bestandteile zerpfückt, die sich das Publikum beim Treppenlaufen gegenseitig zusprach. Von konstruierten Sinnzusammenhängen befreit, blieb von der Sprachvirtuosität der Elegie so vor allem der mythische Klang bestehen, der sich im Rathaus zu einer lyrischen Prozession verdichtete, die vielen Beteiligten zu einer neuen Rilke-Erfahrung verhalf. Der Meister jedenfalls hätte an diesem Experiment seine Freude gehabt.

Ihren Abschluss fand die "Nachtschicht" im Theater-Keller des Lessing-Gymnasiums, wo das Programm "Rilke und mehr" alle beteiligten Künste verband. Hagen Kunze las die Elegie nun im Zusammenhang, die neu formierte Lessing-Band präsentierte ihr aktuelles Programm und zeigte, dass sich selbst Popsongs wie "Das Beste" in Beziehung zu Rilke setzen lassen. Inmitten des Trubels schufen Claus Vejrazka und Olga Scheck vor den Augen der Besucher neue Kunstwerke. Bilder, die Tags darauf beim Bühnenball zugunsten der musischen Angebote am Gymnasium versteigert wurden - damit auch in späteren Jahren noch derartige außergewöhnliche Projekte stattfinden können.

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